Ein Zwergotter-Trio im Zoo Frankfurt hält die Eltern auf Trab

Die Zwergotter-Jungtiere. (Foto: Zoo Frankfurt)

Genau vor einem Jahr kamen die beiden Zwergotter Dorie und Diablo in den Zoo Frankfurt. Mitte August hat das Otter-Paar zum ersten Mal Nachwuchs bekommen – und das gleich im Dreierpack. Jetzt, mit ungefähr zwei Monaten, sind die Kleinen immer häufiger in ihrer Anlage im Grzimekhaus zu sehen.


Die in Süd- und Südostasien beheimateten Zwergotter, auch Kurzkrallenotter genannt, gelten als die kleinste der 14 Otterarten weltweit. Die Haltung der als gefährdet eingestuften Tierart hat im Frankfurter Zoo eine lange Tradition. Vor einem Jahr kam ein neues Zuchtpaar aus den Zoos von Heidelberg und Kleve an den Main. Kein Jahr später, am 17. August, bekamen das zweijährige Weibchen Dorie und das gleichaltrige Männchen Diablo zum ersten Mal Nachwuchs. Beide kümmern sich vorbildlich um die drei quirligen Jungtiere – ein Männchen und zwei Weibchen – die die ersten Wochen gut behütet in den Wurf- und Schlafhöhlen in ihrer Anlage im Grzimekhaus verbracht haben.

Liebe auf den ersten Blick

„Bei den beiden jungen Ottern, so hat man mir berichtet, war es ‚Liebe auf den ersten Blick‘. Es ist also kein Wunder, dass es mit dem Nachwuchs so schnell geklappt hat. Es geht uns aber nicht nur darum, Tiere im Zoo zu züchten, sondern nach Möglichkeit auch ihre Lebensräume zu erhalten. Der Zoo Frankfurt unterstützt deshalb das Bukit-Tiga-Puluh-Schutzprogramm auf Sumatra. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt setzt sich mit diesem Projekt für den Schutz der Tieflandregenwälder auf der Insel ein, auf der neben vielen anderen bedrohten Tierarten auch die Zwergotter vorkommen“, erklärt Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft.

„Im Gegensatz zu unseren heimischen Fischottern sind Zwergotter sehr gesellig. Sie leben paarweise oder in Familien. Ist das Weibchen trächtig, hilft das Männchen in manchen Fällen sogar beim Auskleiden der Wurfhöhle. Unser Diablo ist dabei beobachtet worden, wie er seiner Partnerin sein Futter überlassen hat“, erklärt Zoodirektorin Dr. Christina Geiger.

Ab einem Alter von sieben bis acht Wochen beginnt für die Jungen in der Regel das Schwimmtraining. Noch sind die Eltern vorsichtig, wenn die Kleinen sich dem Wasserbecken nähern. Fällt eines hinein, wird es schnell wieder rausgezogen. „In Kürze kann das anders aussehen: Zwergotter-Eltern werfen ihren Nachwuchs, wenn er soweit ist, durchaus einfach ins ‚kalte Wasser‘ – sind aber stets für Hilfestellungen in der Nähe. Auch ältere Geschwister unterstützen die jüngeren beim Schwimmen und Tauchen. Das Schwimmtraining kann man bei uns im Zoo wunderbar beobachten“, sagt Geiger.

Für die Erhaltung der gefährdeten Tierart setzt sich unter anderem die International Union for Conservation of Nature (IUCN) Species Survival Commission (SSC) Otter Specialist Group ein.

Zookurator Dr. Simon Rohner ist Mitglied der Gruppe und weist auf einen wichtigen Aspekt hin: „Neben Lebensraumverlust und Klimaveränderung ist der Wildtierhandel für den Zwergotter ein zunehmendes Problem. Die Tiere werden gefangen und immer häufiger über die sozialen Medien gehandelt. Videos und Bilder der als niedlich empfundenen Zwergotter erzielen hohe Reichweiten. Mehr Klicks heißt für den illegalen Markt dann leider auch mehr Nachfrage. Der bewusste und sensible Umgang mit sogenanntem Otter-Content auf Social Media kann helfen, diesem Trend entgegenzuwirken.“ Hierzu ruft auch die Kampagne der IUCN Otter Specialist Group „Share Savvy“ auf – zu finden unter otterspecialistgroup.org – , denn Otter sind intelligente Raubtiere, sehr anspruchsvoll in der Haltung und überhaupt nicht als Haustiere geeignet.

Zwergotter – gesellig und wendig

Die in Süd- und Südostasien beheimateten Zwergotter (Aonyx cinereus) sind – wie alle Otterarten – perfekt an das Leben im und am Wasser angepasst. Mit ihrem schlanken Rumpf, einem muskulösen Schwanz und einem dichten wasserabweisenden Fell, schlängeln sie sich durch Fließ- und Stillgewässer. Dabei paddeln sie kräftig mit den Hinterbeinen. Die Füße weisen Schwimmhäute auf, die im Vergleich zu anderen Otterarten allerdings eher schwach ausgebildet sind. Die Ohren sind verschließbar, sodass kein Wasser beim Tauchen eindringen kann.

Die tag- und dämmerungsaktiven Zwergotter ernähren sich von Mollusken, Krabben und kleinen Wassertieren. Beim Ergreifen und Zerteilen der Beute kommt dem Zwergotter zugute, dass die Beweglichkeit der Finger durch die Zurückbildung der Schwimmhäute an den Händen besonders groß ist.

Zwergotter leben paarweise oder in Familien mit Jungtieren verschiedenen Alters.
In Böschungen und Reisfeldern legen sie Wurfhöhlen an, die sie mit Nistmaterial füllen. Nach einer Tragzeit von etwa 60 Tagen werden ein bis sieben Jungtiere geboren.

Seit kurzem wird das EAZA ex-situ Programm für Zwergotter, an dem sich auch der Zoo Frankfurt beteiligt, im Peak Wildlife Park in Großbritannien geführt. Der Koordinator ist langjähriges Mitglied der IUCN SSC Otter Specialist Group, die eng mit zoologischen Einrichtungen zusammenarbeitet. Die Zuchtbemühungen der zoologischen Einrichtungen haben dazu geführt, dass die Population in menschlicher Obhut stabil ist. Im Freiland sieht die Situation bedingt unter anderem durch den illegalen Handel der Tiere jedoch ganz anders aus. Hier werden die Zwergotter aktuell sogar auf CITES Anhang 1, also der höchsten Gefährdungskategorie, gelistet.

(Text: PM Zoo Frankfurt)