Ober-Ramstadt pflegt Briefkontakte zwischen Jung und Alt

Die Briefe waren zum Teil liebevoll verziert (Foto: Pflegeteam Mosaik).

Ober-Ramstadt. „Was soll ich denn einem Menschen schreiben, den ich gar nicht kenne?“ Konfirmandinnen und Konfirmanden fragten sich das. Denn sie bekamen die Aufgabe, einem alten Menschen einen Brief im alten Stil zu schreiben.


Schönes Papier, sorgfältige Schrift, kreative Gestaltung und Worte, die anderen eine Freude machen. Gemeinsam wurden Ideen gesammelt. Die jungen Leute wurden ermutigt, etwas aus ihrem Leben zu erzählen. Denn viele ältere Menschen können sich vielleicht gar nicht vorstellen, was Jugendliche in der Pandemie mit Schule und Konfirmandenunterricht erleben. Und so setzten sich viele hin und schrieben liebevolle Briefe, ohne zu wissen, wo dieser Brief ankommen würde. „Hallo Mensch,“ schrieb jemand in die Anrede oder „Hallo ????“. Die Jugendlichen waren erfinderisch und beschrieben ihren Alltag oder ihre Hobbys, erkundigten sich nach dem, was denn der Briefadressat so den ganzen Tag macht. Einige verzierten die Briefe mit bunten Mustern oder kleinen Bildern. Achtzehn Briefe konnten so auf die Reise gehen.

Das Projekt war in Zusammenarbeit mit dem Pflegedienst Mosaik im Netzwerk Gesundheit in Ober-Ramstadt angestoßen worden. Interessierte pflegebedürftige Kundinnen und Kunden bekamen also kurz vor Ostern einen ersten Brief. Die Freude war bei allen groß und einige waren sogar überrascht, dass Jugendliche tatsächlich noch Briefe in dieser Weise schreiben können. Die restlichen Briefe verteilte Pfarrerin Langner in der Kirchengemeinde. Auch sie erlebte, wie überrascht und erfreut die Menschen waren, die auf diese Weise unverhofft Post bekamen. Inzwischen haben viele Konfirmandinnen und Konfirmanden schon einen Antwortbrief bekommen. Natürlich wird das Briefgeheimnis gewahrt. Aber die Freude war auch hier zu spüren, dass sie tatsächlich eine Antwort bekamen. Und irgendwie ist es ja auch spannend, einen ganz fremden Menschen in dieser Weise kennenzulernen.

Pfarrerin Vera Langner übergab vor Ostern einen Teil der Briefe an die stellvertretende Pflegedienstleitung Ann-Katrin Grigoriadis vom Pflegeteam Mosaik (Foto: Pflegeteam Mosaik)

Damit diese Idee auch weiteren Menschen Freude machen kann, wurde im „Netzwerk Gesundheit“ beschlossen, dass die Petri-Villa für die Briefe zur „Sammel- und Verteilstation“ wird, die erstmals zwischen Jung und Alt auf die Reise gehen. Auch die Jugendförderung im TRIO will bei diesem Projekt mitmachen. Die Idee darf andere ermutigen, sich an dieser Aktion „Briefkontakte zwischen Jung und Alt“ zu beteiligen. Wer jemandem mit einem Brief eine Freude machen möchte, schreibt zunächst an einen unbekannten Menschen und vermerkt auf dem offenen (!) Umschlag, ob ein älterer Mensch der Adressat sein soll oder ein Jugendlicher. Die ersten Briefe werden von den Organisatorinnen gelesen, um zu verhindern, dass Unpassendes weitergeleitet wird. Über das Netzwerk Gesundheit werden die Briefe weitergeleitet an entsprechende Personen, die Interesse an einem Briefkontakt haben. Wer seine Adresse im Brief vermerkt, bekommt dann direkt vom Adressaten eine Antwort. Der weitere Briefwechsel geschieht eigenverantwortlich.

Für Rückfragen stehen Pfarrerin Vera Langner (0 61 54 / 28 10 2) und Katrin Mohn (0 61 54 / 702-237) zur Verfügung.

(Text:PM)