Mal-Aktion „Ich und Corona“ endet mit eindrucksvoller Beteiligung

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Die acht ausdruckstärksten Bilder der Mal-Aktion „Ich und Corona“ in einer Collage: 1. Reihe v.l. Clemens, Lisa, Carolina 2. Reihe v.l. Paulina, Mia 3. Reihe v.l. Helene, Jessica, Frida (Foto: Stadt Dreieich)

DREIEICH (PM) – Rund 200 Dreieicher Grundschülerinnen und Grundschüler haben sich in den vergangenen Wochen an der Mal-Aktion „Ich und Corona“ beteiligt. Jedes der eingegangenen Bilder ist besonders und vermittelt auf individuelle Art sehr eindrücklich, was dem jeweiligen Kind während der Corona-Pandemie fehlt und wie es sich fühlt.

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Zum Teil sehr bewegende Zeichnungen haben Andrea Walter vom Dreieicher Kinderbüro erreicht. Sie bringen klar und deutlich zum Ausdruck, wie sehr die Kinder unter den Kontaktbeschränkungen leiden. Ein immer wiederkehrendes Motiv sind die fehlenden sozialen Kontakte zu Freundinnen und Freunden, die insbesondere im Grundschulalter von elementarer Bedeutung sind. Fehlende Nähe, Bindung, Vertrauen und Zuneigung sowie die erlebte Einsamkeit bilden sich deutlich ab. Das Kuscheln mit Oma und Opa, das Treffen mit Cousinen und Cousins, Onkel und Tante werden sehr häufig auf den Bildern abgebildet. „Viele Darstellungen gehen einem ans Herz und machen spürbar, wie groß das Bedürfnis nach Kontakt und Interaktion ist“, schildert Andrea Walter.

Die eingegangenen Bilder zeigen auch, dass Schulen in den Augen der Kinder viel mehr sind als reine Bildungsstätten. Einige Kinder, wie die siebenjährige Helene, malen ihre Schule wie ein Märchenschloss. „Hinter jedem Türchen und Fensterchen glitzern andere Farben und Sterne, so, als gäbe es keinen schöneren Ort auf der Welt“, berichtet Andrea Walter. In der Schule entstehen Freundschaften, man trifft und verabredet sich, man streitet und findet Lösungen, man misst und vergleicht sich, man wächst aneinander. Die Schule ist neben dem Zuhause der einflussreichste Ort im Leben der sechs- bis zehnjährigen Mädchen und Jungen.

Das „Nicht-in-die-Schule-gehen-können“, der Wechsel von Präsenz- und Wechselunterricht, das Homeschooling ist für viele Kinder, nicht nur aus bildungspolitischer Sicht, ein großes Problem. „Nachweislich haben der soziale Rückzug und die Isolation verheerende Folgen auf die gesunde Entwicklung der Kinder“, weiß Andrea Walter. Das Tragen von Masken und das Abstandhalten sind längst zum selbstverständlichen Alltag geworden. Doch die jungen Künstlerinnen und Künstler drücken auf ihren Bildern aus, wie traurig es sie macht und wie störend sie es empfinden. Sie erkennen keine Gesichtsausdrücke mehr, ob jemand freundlich oder unfreundlich schaut, ob zugewandt oder ablehnend. Diese Verunsicherung beeinträchtigt die Kinder mehr als vielleicht angenommen.

Gerne möchten viele Mädchen und Jungen wieder ihren Hobbies im Sportverein nachgehen, ins Kino oder Schwimmbad gehen, Geburtstagspartys feiern, mit Freunden und ihren Familien in Urlaub fahren, kurzum: einfach wieder fröhliche unbeschwerte Stunden erleben. Die Pandemie verhindert dies, was den achtjährigen Clemens das Corona-Virus als ein alles Glück und Liebe fressendes Monster darstellen lässt.

Andrea Walter informiert seit einigen Jahren Dreieicher Schülerinnen und Schüler an den Grundschulen zum Thema Kinderrechte. Mit der Mal-Aktion wollte sie erfahren, wie es den Kindern während der Pandemie geht, auch um zu ermitteln, welche Kinderrechte in Zeiten der Pandemie besonders eingeschränkt sind. Hierzu zählen besonders das Recht auf „Spiel und Freizeit“, auf „Bildung“, auf „Gesundheit“ sowie auf „Information und Beteiligung“. Deutlich wird, dass es für eines der meist genannten Bedürfnisse der Kinder, gar kein ausgewiesenes Kinderrecht gibt: nämlich für das Bedürfnis nach Nähe, Umarmungen und Zuwendung.

Eine kleine Jury hat aus allen eingegangenen Bildern die acht aussagekräftigsten Zeichnungen ermittelt – keine leichte Aufgabe. Die Künstlerinnen und Künstler der ausgewählten Bilder haben kürzlich einzeln und persönlich eine Urkunde sowie eine kleine Überraschung überreicht bekommen. „Jedes der eingegangenen Bilder ist einzigartig und es ist uns wichtig, ein jedes entsprechend wertzuschätzen“, so Andrea Walter. Daher darf sich jedes teilnehmende Kind noch auf eine kleine Überraschungs-Post vom Kinderbüro freuen. „Ein besonderer Dank gilt dem Betreiber der beiden Sprendlinger Kinos Rex und Viktoria, Herrn Stephan Kreisel, der unsere Mal-Aktion mit einem Kino-Gutschein für jedes Kind unterstützt“, freut sich Christoph Stroh, Ressortleiter der Kinder- und Jugendförderung und hofft, dass der Gutschein schon bald eingelöst werden kann.

Bürgermeister Martin Burlon hat die Mal-Aktion gespannt verfolgt und ist ebenfalls beeindruckt von der intensiven Resonanz: „Ich finde es wichtig und richtig, in der Pandemie auch einen besonderen Blick auf die Kinder zu richten und ihnen in unserer Stadt eine Stimme zu geben, zum Beispiel mit dieser Aktion. Die eingereichten Bilder sind ein starker Ausdruck dafür, welche weitreichenden Auswirkungen die nunmehr ein Jahr andauernde Pandemie auch auf die Grundschulkinder hat. Da dürfen wir nicht wegschauen, sondern müssen das sorgfältig und feinfühlig begleiten.“ Zum Abschluss der Mal-Aktion sollen alle eingegangenen Bilder noch einmal gemeinsam abgebildet werden und im Stadtbild einen Platz finden, mit dem Ziel, dass viele Erwachsene auf die Situation der Kinder aufmerksam werden. Die genauen Rahmenbedingungen werden mit Blick auf die Pandemie noch erarbeitet.

Alle eingereichten Bilder werden im Internet unter www.kijufö-dreieich.de ausgestellt.