Die Saison 2021 im Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach

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Endlich wieder Besucher im Freilichtmuseum Hessenpark. Foto: Harald Kalbhenn

NEU-ANSPACH (PM) – Wie die neue Museumssaison unter Pandemiebedingungen aussehen wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand vorhersehen. Auf ein gedrucktes Jahresprogramm hat das Museumsteam deshalb verzichtet.

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Großveranstaltungen werden in den nächsten Wochen und Monaten wahrscheinlich nicht stattfinden. „Umso wichtiger ist es uns, den Besuchern ein spannendes Außengelände anbieten zu können“, erklärt Museumsleiter Jens Scheller. In den letzten Monaten hat das Museumsteam deshalb mit Hochdruck an verschiedenen Projekten gearbeitet, die das Gelände noch attraktiver machen. Die Ergebnisse können sich sehen lassen, findet nicht nur der Museumsleiter. Der Förderkreis Freilichtmuseum Hessenpark e.V. unterstützt diese Projekte mit einem Spendenaufruf.

Aufwertung des Museumsgeländes:

Im Laufe der Saison werden in den Baugruppen historische Spielgeräte installiert. Kleine Sitztiere aus Holz, das Hüpfspiel »Himmel und Hölle«, Laufstelzen, ein Wurfringspiel und andere Angebote sorgen künftig für noch mehr Spielspaß im Museumsgelände. Tafeln informieren über die Spielregeln und die historischen Hintergründe des jeweiligen Spiels. Wer unterwegs einen Abstecher zum Spielplatz macht, findet dort ab Sommer einen fest installierten Sonnenschutz. Wenige Meter danach entsteht gerade ein neues Insektenparadies. Viele bestäubende Insektenarten sind vom Aussterben bedroht. Sie spielen nicht nur für die Natur, sondern auch für die Sicherung unserer Ernährung eine wichtige Rolle. Was jeder Einzelne zum Schutz der Insekten tun kann, wird hier durch Beispielpflanzungen, Insektenhotels und Informationstafeln vorgestellt. Der insbesondere in Corona-Zeiten stark frequentierte Hartig-Walderlebnispfad erhält neue Stationen: Aktuelle Themen wie der Klimawandel und die damit verbundenen Waldschäden, Wissenswertes rund um Pilze, Tipps zur Erkennung und Zuordnung von Baumarten und der neue Trend „Waldbaden“ inklusive Liegen zum Ausprobieren finden hier Raum. Bis zum Sommer wird der Pfad zu einem Rundweg ausgebaut. Spezielles Wissen rund um den Fachwerkbau bietet ein neuer Fachwerk-Parcours. Dieser greift die Grundbegriffe des Themas auf und zeigt an verschiedenen Stellen im Museum Beispiele für Gefügeformen, Pflege und Wartung. Die Nutzungspotenziale von Fachwerkgebäuden in Vergangenheit und Zukunft werden ebenso beleuchtet wie die „Sanierung der Sanierung“, also die Reparatur typischer Schäden, die in den vergangenen Jahrzehnten verursacht wurden.

Im Sommer wird das Freilichtmuseum zum Insektenparadies. Foto: Harald Kalbenn

Sonderausstellungen
2020 konnten sie nicht wirklich gezeigt werden, deshalb gehen alle Sonderausstellungen aus der Vorsaison in die Verlängerung. Im Haus aus Gemünden (Wohra) sind unter dem Titel „Mahlzeit, Deutschland!“ Fotografien rund ums Essen zu sehen. In der Stallscheune aus Asterode stehen im Rahmen der „Herdanziehungskraft“ die Themen Küche und Kochen im Zentrum. Konzipiert vom Ausstellungsverbund Alltag | Arbeit | Anstoß | Aufbruch, nimmt die interaktive Ausstellung technikhistorische, gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen in den Fokus und blickt mit einem Augenzwinkern auf die Rollen von Mann und Frau in der Küche. Die „Kleinen Mauerfälle“ im Festen Haus aus Ransbach widmen sich den vielen Öffnungen im Grenzabschnitt zwischen Hessen und Thüringen nach dem Fall der Berliner Mauer.


Neue Attraktionen
40 Meter lang, 14 Meter breit, vier Geschosse hoch – der Fruchtspeicher aus Trendelburg ist beeindruckend groß. Nach erfolgreicher Sanierung steht das Gebäude nun wieder als Veranstaltungsort zur Verfügung und kann, wenn das aktuelle Pandemiegeschehen es erlaubt, für Feierlichkeiten gebucht werden. Im Obergeschoss ist ab Saisonbeginn eine neue Dauerausstellung zu sehen. In vier Abschnitten erfahren Besucher Wissenswertes zur Geschichte des Gebäudes, die mit der Stadt und Burg Trendelburg stark verknüpft ist. Auch der Bau des großen Speichers kommt dabei nicht zu kurz. Die gigantische Fachwerkkonstruktion kann durch verglaste Aussparungen in den Böden bis unters Dach betrachtet werden. Eine Medienstation wird vertiefende Einblicke ins Thema erlauben. Aller guten Dinge sind drei: Im Jahr 2019 verzögerte sich die Sanierung des Gebäudes, 2020 konnte coronabedingt nicht eröffnet werden, 2021 ist es nun hoffentlich so weit: Im Haus Heck aus Friedensdorf können Museumsgäste ab dem Sommer über neue, anschauliche Vermittlungswege zurück ins Jahr 1840 reisen. Die Dauerausstellung „Bei Hecks zu Hause“ lädt dazu ein, am Alltagsleben der Schreinerfamilie Heck teilzunehmen. Möbel und andere Originale aus der Sammlung werden ergänzt durch Rekonstruktionen, die angefasst und ausprobiert werden können. Wer möchte, darf sich sogar ins Bett legen. Illustrationen an den Wänden und Video-Sequenzen zeigen die Lebenssituation von Johannes Heck, als Meister mit dem Zinnreiter gerühmt, und seiner Familie. Mitte des 19. Jahrhunderts haben sie tatsächlich in diesem Gebäude gewohnt.

Noch in Arbeit: Am Rand der Baugruppe Mittelhessen wird im Haus aus Sterzhausen seit einiger Zeit die Dauerausstellung „Vertriebene in Hessen“ neu konzipiert. Der Schwerpunkt liegt weiterhin auf der Darstellung der Ankunft und Integration Heimatvertriebener. Da auch das Gebäude umfänglich saniert wird, ist mit der Neueröffnung erst zum Ende der Saison zu rechnen. Auch im Musterhaus für energieeffizientes Wohnen im Fachwerk gehen die Arbeiten voran. Das Außengelände des in der Baugruppe Südhessen stehenden Gebäudes aus Radheim wird im Sommer fertig. Der Innenausbau dauert noch bis 2022. Schräg gegenüber beginnt im Sommer der Einzug in den dann fertiggestellten Magazinanbau. Der neue Gebäudeteil ist über 80 Meter lang und soll es ermöglichen, das komplette Sammlungsgut des Museums an einem Ort zusammenzuführen. „Das ist ein großer Schritt für unser Sammlungsmanagement“, erklärt Jens Scheller. „Das Sammeln und Bewahren von alltagskulturellen Gegenständen gehört zu den Grundpfeilern unserer musealen Arbeit.

Im Fruchtspeicher aus Trendelburg gibt es eine neue Dauerausstellung. Foto: Esther Gunkel

Baumaßnahmen im Gelände


In der Hofanlage aus Niedergemünden beginnen dieses Jahr umfangreiche Sanierungsarbeiten. Das Wohnhaus wird so eingerichtet, wie es aus dem Jahr 1910 überliefert ist. Besucher finden hier in Zukunft Wissenswertes über die hauswirtschaftliche und landwirtschaftliche Arbeit der damaligen Zeit. Welche Gebrauchsgegenstände und Materialien wurden verwendet? Wie funktionierte die Vorratswirtschaft? Diesen und anderen Fragen soll das Museumstheater im Rahmen von Living History-Vorführungen nachgehen.
Bereits eingerüstet ist der linke Teil der Hotelfassade. Hier stehen notwendige Sanierungsarbeiten an.

Veranstaltungsprogramm                                                                                               In die Museumssaison 2021 startet der Hessenpark mit einem moderaten Programmangebot. „Seit dem 13. März ist das Museum wieder geöffnet. Ab April sollen vereinzelte Stände im Außenbereich mit Vorführhandwerk oder kunsthandwerklichen Waren erste Akzente setzen. Nach und nach wird es dann mehr Vorführhandwerk geben – wenn das Infektionsgeschehen es zulässt“, erklärt Jens Scheller. Die Häuser, die über separate Ein- und Ausgänge verfügen, sind bereits zugänglich. Später kommen alle anderen Gebäude hinzu. Erste Großveranstaltungen sind ab September angedacht.

Jens Scheller blickt hoffnungsvoll auf die neue Museumssaison: „Wir freuen uns darüber, unsere Türen wieder öffnen zu können. Wir wissen, wie sehr sich unsere Besucher nach kulturellen Erlebnissen und Abwechslung sehnen. All das können wir hier im Hessenpark gut und pandemiegerecht darstellen.“ Dass die neuen Angebote im Außengelände gut ankommen, daran zweifelt Scheller nicht. Dennoch rechnet er auch in diesem Jahr nicht mit Besucherrekorden. Insbesondere die ausbleibenden Schulklassen, Busgruppen und Großveranstaltungen kosten den Hessenpark viele Gäste. „Bis sich die Lage normalisiert, wird es noch eine Weile dauern“, sagt Scheller. „Solange machen wir das Beste aus der Situation.“