Kirchenmusik in schwierigen Zeiten – Es tönen Lieder in Dreieich-Rodgau

19
Foto: Christiane Tauber

DREIEICH-RODGAU (PM) – Die Kirchenmusik befindet sich seit einem Jahr in einer Corona-bedingten Zwangspause. Doch mit Energie und Fleiß kämpfen Kantor und Sänger dafür, dass in den Gotteshäusern Gesang zum Lob des Herrn erklingt.

-Anzeigen-

Als im vergangenen März plötzlich alle Chorprojekte und Musikgruppen abgesagt werden mussten, habe das zunächst „eine große Ratlosigkeit“ unter den Kirchenmusker ausgelöst, erinnert sich Claudia von Savigny. „Doch dann keimten neue Ideen auf, neue Spielräume wurden geschaffen, an die vorher niemand gedacht hatte“, berichtet die Kantorin im Evangelischen Dekanat Dreieich-Rodgau. Der 56-Jährigen, die insbesondere an der Dreieichenhainer Burgkirchengemeinde im Einsatz ist, liegt die Chorarbeit mit Kindern und Jugendlichen am Herzen.

Dank eines ausgeklügelten Hygienekonzepts und genügend Platz im Kirchraum dürfen seit Mai einzelne Sänger in der Burgkirche Präsenzgottesdienste musikalisch gestalten. Und so probte die Kantorin jede Woche mit zwei bis drei Mitgliedern aus dem Kinder- und Jugendchor. „Es hat mich sehr gefreut, ihre Freude beim Üben zu erleben“, sagt von Savigny. Inzwischen trägt der Nachwuchs neben den Gemeindeliedern den größten Teil der Liturgie vor und zählt damit zu den wichtigen Pfeilern des Gottesdienstes. „Es ist toll, mit welcher Begeisterung meine Schüler nun schon über ein Jahr regelmäßig und zuverlässig bei der Sache sind“, zeigt sich die Kirchenmusikerin beeindruckt. Dies führe zu einem zunehmenden Verständnis des Gottesdienstablaufs. So höre sie inzwischen auf Nachfrage, „die Liturgie kenne ich jetzt wirklich auswendig, die müssen wir nicht mehr wiederholen“. Durch ihr Engagement erhalten die Jugendlichen positive Rückmeldungen, dies mache sie stolz und die Gemeinde rücke generationsübergreifend zusammen. „Auch ihre Familien nehmen viel bewusster am Gemeindeleben teil“, stellt von Savigny fest.

Foto: Christiane Tauber

Natürlich erreicht sie bei den derzeitigen Einschränkungen nicht alle ihre Chorsänger. Aber diejenigen, die sie unterrichten kann, erhalten eine intensive Zuwendung: Stimmtraining, Weiterbildung durch mehrstimmiges Singen, inhaltliche Arbeit zu den Liedinhalten und nicht zuletzt Persönlichkeitsentwicklung durch das solistische Auftreten.
In diesen Genuss kommt auch Romeo Sciacovelli. Seit November hat der Konfirmand fast jeden Gottesdienst in der Burgkirche an der Stumm-Orgel bestritten. Da er Corona-bedingt seinem Hobby Eiskunstlauf nicht nachgehen kann, übt er fleißig an den Manualen. Im Jugendchor singt er im tiefen Bass – manchmal auch von der Orgelbank aus. „Es fasziniert mich, welche Klänge ich durch den Einsatz der unterschiedlichen Register und das Bedienen der Pedale erzeugen kann, damit lassen sich tolle Effekte erzielen“, beschreibt der 14-Jährige seine Begeisterung für das Instrument. „Außerdem macht es mir viel Spaß, Stücke aus Musicals für die Orgel zu arrangieren und vorzutragen“, ergänzt der Dreieichenhainer. Inzwischen hat er schon etliche Male die Gemeindemitglieder mit seinen Medleys erfreut.