Termin-Shopping als erster Schritt in Richtung Normalität

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In der Urberacher Bahnhofstraße stellte die Geschäftsinhaber nicht nur die Pandemie, sondern auch die monatelangen Straßenbauarbeiten vor Herausforderungen.(Foto: PS)
„Click & Meet“ läuft ganz gut an und muss womöglich schon wieder gestoppt werden

RÖDERMARK (PS) – Seit dem 8. März darf der Einzelhandel in Hessen „Click & Meet“ anbieten. Zu einem vorher vereinbarten Termin können Kunden bei diesem Modell in den Geschäften einkaufen.

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Zu Wochenbeginn deutete jedoch vieles darauf hin, dass dieser Lockerungsschritt  im Zuge der neuesten Bund-Länder-Beratungen zurückgenommen wird. Dann wäre erst einmal wieder nur „Click & Collect“ möglich – im Vorfeld online oder telefonisch bestellte Ware darf lediglich abgeholt werden. Helga Fuchs, die seit 36 Jahren gegenüber dem Ober-Röder Marktplatz ein Modegeschäft betreibt, würde eine Rücknahme dieses Öffnungsschritts sehr bedauern. Sie hat mit „Click & Meet“ in den vergangenen Wochen gute Erfahrungen gemacht und steht damit nicht alleine da. „Viele Händlerinnen und Händler sehen `Click & Meet` als effektiven ersten Schritt in Richtung Öffnung und Normalität“, teilte der Handelsverband Hessen kürzlich mit. Auch Helga Fuchs vereinbart mit ihren Kundinnen und Kunden derzeit feste Termine. Je nach Wunsch kann bis zu einer Stunde lang ausgesucht und anprobiert werden. Das sei alles sehr entspannt abgelaufen in den vergangenen Wochen, zieht Helga Fuchs ein positives Fazit.

Helga Fuchs betreibt in Ober-Roden seit 36 Jahren ein Modegeschäft (Für das Foto wurde die Maske kurz abgenommen). Foto: PS

Mit einer „normalen” Geschäftsöffnung, die hoffentlich nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt, sei das „Click & Meet“-Modell natürlich nicht vergleichbar. „Es ist jedoch deutlich besser als vorher.“ Schließlich hat der Einzelhandel nun schon mehrere Monate geschlossen. Entsprechend dankbar werde das Angebot angenommen. Auch der Verkauf sei gut gelaufen, seitdem Termine im Laden vereinbart werden können, berichtet Helga Fuchs.

„Click & Meet kann natürlich nicht die fehlenden Umsätze komplett abfedern und nur als kurzfristiger Übergang angesehen werden, ist aber für Teile unserer Branche eine Hilfe zur Selbsthilfe“, meinte Sven Rohde, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Hessen, kürzlich. Gleich in doppelter Hinsicht waren im vergangenen Jahr die Geschäftsinhaber in der Urberacher Bahnhofstraße vor Herausforderungen gestellt. Zur Pandemie kamen auch noch mehrmonatige Bauarbeiten im Zuge der Straßenerneuerung hinzu. „In solch schwierigen Zeiten auch noch die Straßenbauarbeiten – das war nicht einfach“, meint der Uhrmachermeister Uwe Löschner, der seit 1992 in der Bahnhofstraße einen Uhren-Schmuck-Service betreibt. Uwe Löschner hat in den vergangenen Wochen beobachtet, dass die Kundenfrequenz wieder etwas stärker geworden ist. „Es ist aber nicht so, dass alle wieder da sind.“ Viele Kunden seien weiter vorsichtig und würden Ladenbesuche auf das Nötigste beschränken.

Für Buchhandlungen ist seit dem 8. März mehr erlaubt als nur „Click & Meet“. Sie durften nach zehn Lockdown-Wochen wieder regulär öffnen, Kunden können auch ohne vorherige Terminvergabe in die Läden kommen. Wobei regulär relativ ist, natürlich gelten auch hier Abstands- und Hygieneauflagen. „Wir lassen nicht mehr als drei Personen rein“, sagt Buchhändler Dirk Holm, der am Gänseeck in Urberach, in Ober-Roden und in Jügesheim drei Läden betreibt. Mit dem Einhalten der Abstandsregeln habe man überhaupt kein Problem. „Die Leute sind sehr achtsam“, so Holm.

Vor dem 8. März war auch in den Buchhandlungen nur „Click & Collect“ erlaubt. Dirk Holm und seine Kollegen durften Bestellungen entgegennehmen und Bücher an Kunden ausliefern oder von ihnen abholen lassen. Das habe auch ganz gut geklappt. Generell gehöre der Buchhandel nicht unbedingt zu den großen Verlieren der Pandemie, ist Dirk Holm froh. „Gut ist zwar was anderes“, so Holm, bis auf wenige Ausnahmen sei in der Branche aber durch die Pandemie niemand existenziell bedroht. Das Minus in der Branche schätzt Holm für das erste Quartal auf 15 bis 20 Prozent. Das sei aber im Verhältnis nicht so tragisch, da der Buchhandel mit Blick auf die großen Umsatzbringer Schulanfang und Vorweihnachtszeit sein Geld verstärkt im zweiten Halbjahr verdiene. Auch zu Beginn der ersten Lockdowns im vergangenen Jahr habe man die Kunden immer beliefern können, danach war dann auch das Abholen von Büchern im Laden möglich. Wobei der Zeitaufwand durch Lieferungen natürlich deutlich höher ist als beim Ladenverkauf. Zudem hätten es viele Kunden, so Dirk Holm, sehr vermisst, einmal länger in den Läden zu verweilen und im Angebot zu stöbern.

Am 8. März durfte Dirk Holm seine Buchhandlung am Urberacher Gänseeck wieder regulär öffnen. Für das Foto wurde die Maske kurz abgenommen (Foto: PS)