Ein Tag mit Fridays for Future – Darmstädter Klimastreik

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Foto: as

DARMSTADT (AS) – Hunderte Menschen harren bereit zum Aufbruch vor dem grauen Bahnhof aus. Im Hintergrund erkennt man mehrere Polizisten, die ihren Schutz dienen sollen.

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Doch statt einer angespannten Stimmung, verspürt man eher eine kollektive Aufregung. Die Fridays for Future-Demonstranten, die trotz eisiger Kälte in großer Menge erschienen sind, unterhalten sich rege durch ihre Masken über vergangene Streiks, ihre persönlichen Klimaziele und die hessische Kommunalwahl.

Am heutigen 19. März, findet ein weiterer globaler Streik der jungen Klimabewegung statt. Dafür haben allein in Deutschland über 200 Ortsgruppen von Fridays for Future (FFF) verschiedenste Aktionen geplant. Dabei werden beispielsweise in Berlin und Hamburg riesige Schriftzüge mit der Aufschrift „Wir alle für 1,5° Grad“ auf  normalerweise stark befahrenen Straßen angebracht. Andernorts protestieren die Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor Rathäusern oder Ministerien mit Plakaten und Parolen. In Städten wie Wiesbaden finden Fahrraddemonstrationen mit anschließender Kundgebung statt.

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So auch hier in Darmstadt. Etwa 350 Menschen stehen gemeinsam mit ihren Fahrrädern vor dem Hauptbahnhof und befestigen Plakate und Fahnen an ihren Gefährten. Während sie gespannt darauf warten, dass sie losfahren dürfen, wird die erste Rede gehalten. Dabei steht das Thema nachhaltige Mobilität und öffentlicher Nahverkehr im Vordergrund. Dann tritt ein junger Mann aus der Menge hervor. Er trägt einen rosa Pullover, dazu gleichfarbige Schuhe und eine lilafarbene Regenjacke. Mit energischer, aber zugleich sanfter Stimme weist er die Demonstranten noch einmal auf die Hygienevorschriften hin, die derzeit gelten.

Das Tragen einer medizinischen Maske sowohl auf dem Fahrrad als auch auf der anschließenden Kundgebung ist Pflicht. Ein Abstand von zwei Metern zueinander ist unbedingt einzuhalten und die Corona-Warn-App soll ständig aktiviert sein. Um für die Umsetzung und Sicherheit der Demonstranten zu sorgen, sind viele Ordner von FFF, sowie die Polizei mit Fahrrädern und Kraftfahrzeugen vor Ort.

Dann geht es endlich los: Unter dem Schallen von Fahrradklingeln und mit Parolen wie „Hopp, Hopp, Hopp – Kohlestopp“ oder „What do we want? – Climate Justice! When do we want it? – Now!“ beginnt die Demonstration offiziell. Die Protestler, die trotz des schlechten Wetters zu Hunderten gekommen sind, radeln nun los, um den Verkehr der Darmstädter Innenstat lahmzulegen. Damit wollen sie sich für die Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels einsetzen.

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Gemeint ist hier das Ziel, den menschengemachten Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt auf 1,5°C zu begrenzen. 2017 wurde dieses im sogenannten Pariser Klimaabkommen gesetzt, das fast alle Staaten der Welt unterzeichneten. Seit Jahren kritisieren Umweltaktivisten und Wissenschaftler das mangelnde Engagement, insbesondere von wirtschaftlich starken Ländern wie Deutschland. Darunter auch Fridays for Future die von der Politik fordern, ihre eigenen Ziele umzusetzen und Versprechen zu halten.

Dieses Anliegen betonen die jungen Aktivisten auch auf der Kundgebung am Friedensplatz, zwei Stunden nach Antritt ihrer Fahrt. Es sind nun mehr Leute vor Ort als noch zu Beginn der Veranstaltung. Später wird auf der offiziellen Instagram-Seite von etwa 500 Demonstranten gesprochen. Und doch wird sich noch immer an die Hygienevorschriften gehalten; das Konzept geht auf. Nur ab und an stehen offensichtlich miteinander Bekannte etwas enger nebeneinander und unterhalten sich angeregt.

Erst jetzt fällt auf, wie durchmischt die Altergruppen sind. Während sich in den Medien das Bild der jungen Schulschwänzer über die letzten Jahre hartnäckig gehalten hat, stehen nun nur wenige Jugendliche auf dem weiten Platz in Darmstadts Innenstadt. Viel eher sind es junge Erwachsene, wahrscheinlich Studenten und Azubis. Aber auch ältere Menschen, wie etwa Mitarbeiter von Verdi oder Parents for Future, die gekommen sind, um ihren Standpunkt zu vertreten. Nur vereinzelt findet man auch sehr junge Demonstranten und einige mit grauem Haar.

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Die Kundgebung, die nun beginnt, ist in vier Segmente unterterteilt. Verschiedene Vereine, und Parteimitglieder, aber natürlich auch Vertreter von Fridays for Future selbst, halten jetzt Reden mit verschiedenen Schwerpunkten, wie Mobiltät und Intersektionalität. Dennoch sind sich die Demonstranten vor Ort einig: Es muss mehr getan werden, um das 1,5°-Ziel zu erreichen. Noch lange stehen die Klimaktivisten hier, reden, lauschen der Musik und den Reden – und hoffen auf eine bessere Zukunft.