VsK fordert: Digitalisierung als Chance für Inklusion nutzen

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VdK befürchtet ansonsten Jobverlust für Menschen mit Schwerbehinderung in Folge der Corona-Krise

GROß-GERAU (PM) – Noch sind die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie nicht abzusehen. Doch zeichnet sich bereits ab, dass Arbeitnehmer mit Schwerbehinderung zu den Verlierern der Krise zählen könnten.

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Nach Angaben der Arbeitsagenturen ist die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen mit Schwerbehinderung zwischen Februar 2020 und 2021 in Hessen um 14 Prozent und in Thüringen um 8,4 Prozent gestiegen. „Diese Tendenz finden wir äußerst bedenklich“, sagt der Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK Hessen-Thüringen, Paul Weimann. „Es muss daher alles getan werden, damit sich dieser Trend nicht weiter verstärkt. Inklusion bleibt ein wichtiges Ziel, und die Teilhabe am Arbeitsmarkt ist ein wesentliches Element.“

Der VdK befürchtet, dass die jetzigen Arbeitslosenzahlen nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Denn um einem Arbeitnehmer mit Schwerbehinderung kündigen zu können, bedarf es der Zustimmung durch das zuständige Integrationsamt. Und hier lässt sich zum ersten Mal seit 2013 wieder ein Anstieg bei der Zahl der eingereichten Kündigungen feststellen, der sich erst zeitverzögert in den Arbeitslosenzahlen niederschlagen dürfte. Für Menschen mit Schwerbehinderung wirkt sich der Verlust des Arbeitsplatzes besonders nachteilig aus. Zwar sind sie im Schnitt höher qualifiziert: 80 Prozent der Arbeitslosen mit Schwerbehinderung haben eine abgeschlossene Ausbildung (zum Vergleich: Bei Arbeitslosen ohne Schwerbehinderung sind es nur 64 Prozent), gleichzeitig aber dauert es bei ihnen 100 Tage länger als im Durchschnitt, bis sie einen neuen Job gefunden haben. Durch Corona hat die Digitalisierung in Deutschland einen enormen Schub erhalten. Darin könnte nach Meinung des VdK eine Chance liegen, mehr Menschen mit Schwerbehinderung in Beschäftigung zu bringen. „Das vergangene Jahr hat uns gezeigt, dass Homeoffice und eine flexiblere Organisation der Arbeit durchaus machbar sind und zu keinen Produktivitätsverlusten führen“, erklärt Paul Weimann. „Nicht mehr fünf Tage pro Woche ins Büro fahren und dort acht Stunden sitzen zu müssen kommt beispielsweise Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sehr entgegen.“ Der VdK fordert daher, die neuen technologischen Möglichkeiten gezielt für die Inklusion zu nutzen. „Dafür bedarf es einer gemeinsamen Anstrengung aller Beteiligten – der Betriebe genauso wie der Jobcenter, Integrationsämter und der Renten- und Krankenversicherung. Noch immer wissen viele Unternehmer zu wenig über die Förderung und Hilfe, die ihnen bei der Einstellung von Arbeitnehmern mit Schwerbehinderung zur Verfügung stehen.“