Gastronomie und Corona – Sandro Schodlok über die aktuelle Lage

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Foto: Farmerhaus

Noch immer sind gastronomische Betriebe geschlossen. Nur die Mitnahme von Speisen und Getränken ist aufgrund der weiterhin angespannten Corona-Lage erlaubt. Das „Farmerhaus“ mit südafrikanischer Küche und seine Angestellten blicken jedoch optimistisch in die Zukunft. Geschäftsführer des Groß-Umstädter Lokals, Sandro Schodlok, gab uns einen tieferen Einblick hinter die Kulissen.

(Red) Haben Sie das Gefühl, dass Sie die Corona-Krise gut überstehen werden?

(SaS) Es ist sicher keine einfache Zeit. Wir hatten nach dem ersten Lockdown einen tollen Start und über den Sommer bis zur zweiten Schließung im November viele glückliche und dankbare Gäste. Das hat uns für die ersten Wochen im zweiten Lockdown einen gewissen Puffer verschafft, bis wir nach großer Verspätung eine erste Abschlagszahlung erhalten haben. Wir existieren seit 1965 und mussten schon so einige Krisen meistern. So lassen wir auch diesen Abschnitt hinter uns und hoffen auf eine baldige Wiedereröffnung nach dem afrikanischen Sprichwort: Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich. Oder man könnte es auch so ausdrücken, wie Hirschhausen es sagt: Wem das Wasser bis zum Hals steht, sollte den Kopf nicht hängen lassen.

Foto: Farmerhaus
Wie halten Sie ihr Lokal über Wasser?

 Unser Konzept sehen wir als Gesamterlebnis. Das Farmerhaus ist ein Treffpunkt für Menschen, die das Einzigartige lieben. Seit über fünf Jahrzehnten treffen sich bei uns interessante Menschen und amüsieren sich bei espritvollen Gesprächen oder hängen beim Sonnenuntergang oder im Kerzenschein ihren Gedanken und Träumen nach.  Bei uns geht es dementsprechend nicht nur um die Einnahme von Speisen, sondern vor allem auch um Ambiente und diese emotionale Inszenierung. Der Empfang, ein herzlicher aufmerksamer Service, raffinierte Speisenpräsentation und korrespondierende Musik machen den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis. Das Herausbrechen der reinen Speisenkomponente widerspricht komplett unserer Philosophie. Erlebnisreicher und aussichtsreicher soll es nun werden. Nach dem Lockdown, einer schöpferischen Pause, hat das Farmerhaus sich wie der Phönix aus der Asche wieder einmal komplett neu erfunden. Aufgrund der aktuellen Situation wurden Innenräume, Küche, großflächig erweiterte Terrasse und die Gartenanlagen bis ins letzte Detail erneuert und für die neuen Anforderungen optimiert. Wir nutzen die aktuelle Schließung für alle größeren Umbauten, die wir im normalen Geschäftsalltag nicht ohne weiteres hätten tun können. Nun hoffen wir alle auf die Rückkehr zu unserer Gastromagie.

Foto: Farmerhaus
Wie geht es Ihnen persönlich mit dieser Situation?

Wir sind Unternehmer, die sich natürlich um ihr Unternehmen sorgen. Wir betreiben unsere Betriebe wie eine große Familie und deshalb belastet uns besonders der Zustand unserer Mitarbeiter. Es sind fast alle in Kurzarbeit oder die Arbeitsverhältnisse sind pausiert. Das ist auf so eine lange Zeit kein zufriedenstellender Zustand.

Fühlen Sie sich von politischer Seite ausreichend unterstützt?

Wir sind alle hier in einer Erwartungshaltung. Die Situation ist für alle schwierig.

Haben Sie einen Corona-Zuschuss erhalten und falls ja, wie haben Sie ihn verwendet?

Wir haben schon einen Teil der Zuschüsse erhalten und haben diese für unsere laufenden Kosten benötigt. Aber der größte zugesagte Betrag steht noch immer aus.

Welche Regelung würden Sie sich für die Gastronomie-Branche wünschen?
Foto: Farmerhaus

 Wir haben schon im letzten Jahr gezeigt, dass wir mit Hygienekonzepten und sauberen Rückverfolgungsmöglichkeiten eine funktionierende Basis geschaffen haben. Dazu wurde auch in der Branche viel Geld in Abtrennungen, Luftfilter und Desinfektionsartikel investiert. Für die anstehende Öffnung würden wir uns auf Basis dieser Investitionen einen klaren und gut umzusetzenden Öffnungsplan wünschen – ohne Testpflicht und zu großer Hürden für uns und die Gäste.

Was ist der beste Weg für Ihre Kunden, Sie weiterhin zu unterstützen?

Wir freuen uns einfach auf ein baldiges Wiedersehen mit unseren Gästen und dann liegt es an uns, die volle Verantwortung für unsere Unternehmungen zu übernehmen. Die ständige persönliche Präsenz des Gastgebers; für eine permanente Qualität in Küche und Service zu sorgen; Logistik, Küchenequipment und Manpower müssen konzeptgerecht sein; ein stimmiges Preis-Leistungs-Verhältnis für unsere Leistung anbieten. So einfach und doch so schwer kann es sein! Aber das ist unser Weg.

Vielen Dank!

 

(Text: as)