Schellhaas bleibt im Amt, Volkert tritt zurück – Landratswahl in Darmstadt-Dieburg

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Darf als Landrat in seine dritte Amtszeit gehen: Klaus Peter Schellhaas (SPD, hier mit seiner Lebenspartnerin Melanie Wehrle, die Vorsitzende des CDU-Stadtverbands Dieburg ist). Foto: jedö

Landratswahl: Sozialdemokrat aus Dieburg knackt die 70-Prozent-Marke / Linker aus Münster „intern zersägt“ / Ahrnt „zufrieden“ / Laumann überrascht

Klaus Peter Schellhaas bleibt sechs weitere Jahre Landrat des Kreises Darmstadt-Dieburg. Der 60-jährige Sozialdemokrat setzte sich bei der Direktwahl am Sonntag deutlich gegen seine drei Mitbewerber durch.

Auf den Dieburger entfielen nach der Auszählung aller 223 Wahlbezirke 70,10 Prozent der Stimmen. Zweitplatzierter wurde der noch amtierende Vize-Landrat Robert Ahrnt (Grüne, Darmstadt), der 21,95 Prozent erreichte. Dahinter gab es eine Überraschung: Luke Laumann (Messel) von den Satirikern von Die Partei kam auf 4,77 Prozent. Der 20-Jährige verwies damit Tom Volkert (Die Linke, Münster, 3,18 Prozent) auf den letzten Platz. Die Wahlbeteiligung lag bei 30,24 Prozent und damit rund ein Prozent höher als 2015.

Während Schellhaas – offiziell ab Oktober – in seine dritte, bis 2027 währende Amtszeit gehen wird, legte Volkert noch am Sonntagabend sein Amt als Kreisvorsitzender der Linken nieder. Der Münsterer begründete seinen Schritt in der fehlenden Unterstützung seiner Partei in den vergangenen Wochen. Er sei „intern zersägt“ worden.

Darf als Landrat in seine dritte Amtszeit gehen: Sozialdemokrat Klaus Peter Schellhaas. Foto: jedö

Dass er am Wahlabend zurücktreten werde, habe er schon länger für sich entschieden gehabt. Die Grabenkämpfe innerhalb des Kreisverbands der Linken seien auch dafür ausschlaggebend gewesen, dass er entgegen seiner Planung kein eigenes Geld in den Wahlkampf gesteckt habe: „Ich habe null Plakate gehängt und null Euro investiert. Dafür ist das Ergebnis in Ordnung.“ Trotzdem bedaure er, dass er sogar hinter Laumann gelandet sei: „Meine Hoffnung war, mit Argumenten vor der Verarschung zu liegen.“

Das Fazit von Robert Ahrnt, der in der Juni-Sitzung des Kreistags von der neuen Kreis-GroKo final vom Amt des Ersten Kreisbeigeordneten abberufen werden dürfte, fiel gespalten aus. „Mein erstes Wahlziel habe ich erreicht“, sagte Ahrnt und spielte darauf an, einen höheren Stimmenanteil erzielt zu haben als seine Partei bei der Kreiswahl Mitte März (18,28 Prozent). „Die grünen Leute haben mich gewählt“, resümierte der Kandidat. „Es ist aber auch erkennbar, dass sich die Wähler der anderen Parteien auf die Seite des Landrats geschlagen haben. Ich bin zufrieden, ein paar Prozent mehr hätten mir aber gut getan.“

Während Student Laumann das lokale Spitzenresultat in seiner Heimatgemeinde Messel (8,41 Prozent) einfuhr, erzielte der alte und neue Amtsinhaber Schellhaas weder an seinem früheren Wohnort Modautal (80,23 Prozent) noch an seinem aktuellen Wohnort Dieburg (73,88 Prozent) den Topwert. Überraschend gelang ihm der mit 80,52 Prozent in Schaafheim, einer CDU-Hochburg. Christdemokrat Lutz Köhler, der als Kreisbeigeordneter und Vize-Landrat auf Ahrnt folgen soll, hatte seine Kandidatur allerdings zurückgezogen. „Ich freue mich sehr, die Höhe meines Siegs hat mich überrascht“, gab Schellhaas am Abend zu Protokoll. „Die Menschen haben sich nicht nur angeschaut, was ich in den letzten Jahren gemacht habe, sondern auch, wo ich die Themen der Zukunft sehe.“

Die Wahlbeteiligung mache ihn zwar nicht glücklich, „im März hätten wir 50 oder 60 Prozent gehabt“. Die SPD war für die zeitgleiche Durchführung der Landratswahl mit den damaligen Kommunalwahlen gewesen; unter anderem CDU und Grüne hatten aber den gesonderten Termin im Mai durchgesetzt. Dennoch war Schellhaas von den 30 Prozent Beteiligung am Sonntag „positiv überrascht. Das liegt etwas höher als vor sechs Jahren. Und damals fanden, anders als diesmal, parallel noch zwei Bürgermeister-Wahlen statt. “

Ist am Sonntagabend als Kreisvorsitzender der Linken zurückgetreten: der Münsterer Tom Volkert. Foto: jedö

(Text: jedö)