Nach Überschwemmungen folgt Flut an Katastrophentouristen

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Foto: Canva

Schon letzte Woche warnte die Gewerkschaft der Polizei vor möglichem Katastrophentourismus im Südwesten Deutschlands, nachdem dort Starkregen zu Überschwemmungen, Verwüstungen und etlichen Verstorbenen und Verletzten führte (wir berichteten). Nun wird diese Warnung Realität.

Katastrophentourismus oder auch Schwarzer Tourismus ist die Anreise von Schaulustigen zu Orten, an denen es zu Tragödien kam. Dazu zählen, wie in diesem Fall, Flutkatastrophen, aber auch Flugzeugabstürze und ähnliches. Das wohl bekannteste Beispiel: Tschernobyl.

So wurden beispielsweise am Wochenende in NRW Absperrungen der Polizei entfernt und Kabelbinder durchtrennt, um einen besseren Blick auf das Geschehen zu haben. In Leichlingen warnt die Stadt vor Diebstählen. Viele würden dort Wertgegenstände aus den velassenen Häusern entwenden. Im Märkischen Kreis, der besonders stark von den Überschwemmungen betroffen ist, meldet sich nun auch die Polizei zu Wort. „Weiterhin erreichen uns Hinweise über beiseite geräumte Absperrungen. Wir gehen weiter konsequent dagegen vor. Die Schilder stehen nicht aus ‚Jux und Dollerei‘ dort…“, heißt es in einem Facebook-Post der Polizei von Freitag (16. Juli). Hochwasser-Touristen seien unerwünscht und würden umgehend weggeschickt.

Das Problem an den Touristen: Sie behindern die Rettungskräfte mit ihren schweren Geräten bei den Räumungsarbeiten. Das gilt auch für private Hilfskräfte. Bei einer Pressekonferenz am Freitag betonte der NRW-Innenminister Herbert Reul an die Bevölkerung, von Hochwasser-Tourismus abzusehen. Es sei jetzt keine Zeit für Besichtigungen.

Seit dieser Woche hat sich die Lage jedoch verschärft. Wie unter anderem “nordbayern” berichtet, scheinen immer mehr Querdenker und Neonazis in die, von der Zerstörung betroffenen Gebiete, zu reisen, um sich dort als Helfer auszugeben. Vor Ort verbreiten sie auch aktiv Falschmeldungen, wie die Polizei Koblenz auf ihrem Twitter-Account bekannt macht: “Fahrzeuge mit Lautsprechern, die polizeilichen Einsatzfahrzeugen ähneln, sind im #Katastrophengebiet unterwegs. Über die Lautsprecher wird die Falschmeldung verbreitet, dass Polizei- und Rettungskräfte die Anzahl der Einsatzkräfte reduziert. Wir sind ununterbrochen da!”

Zu hoffen bleibt nur, dass die Flut an Katastrophentouristen abnimmt und die Zahl der Katastrophenhelfer steigt.

(Text: as)