Corona-Impflicht in Großbritannien – Warum Veganismus kein Freifahrtsschein sein sollte

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Foto: Canva

Wie eine Zeitung am gestrigen Dienstag (03.08.) berichtete, sind vegan lebende Menschen von der ab Oktober in Großbritannien geltenden Impfpflicht entnommen.

Die geplante Impfpflicht in Großbritannien soll bestimmte Arbeitsplätze betreffen, um die weitere Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Darunter fallen insbesondere Berufe im Gesundheitswesen und der Pflege. Aber es gibt auch Ausnahmen: Da die Vakzine gegen das Corona-Virus an Tieren getestet wurden, müssen vegan lebende Briten sich nicht mit ihnen impfen lassen. Denn seit 2020 zählt ethischer Veganismus in Großbritannien als philosophische Überzeugung und ist damit, ähnlich wie Religionen, rechtlich geschützt. Man kann und darf sie also nicht dazu verpflichten, sich entgegen ihrer Überzeugungen mit einem, an Tieren getesteten, Impfstoff impfen zu lassen.

Das bringt allerdings verschiedene Probleme mit sich.

Zum einen stellt sich die grundlegende Frage, warum vegan lebende Menschen überhaupt auf eine Impfung verzichten wollen würden. Die Antwort darauf bringt aber gleich neue Fragen mit sich: Veganer wollen möglichst wenig Leid verursachen und genauso wenig von diesem profitieren. Lassen sie sich also nicht impfen, profitieren sie nicht vom Leid der Tiere, an welchen die Medikamente getestet wurden. Gleichzeitig führt eine geringe Impfquote aber zu mehr Corona-Infektionen und damit zum Leid der Menschen. Was hat also mehr Gewicht: Das Leid der Tiere oder das der Menschen? Ein Dilemma für viele.

Dabei sind in keinem der zugelassenen Impfstoffe tierische Bestandteile enthalten. Die Vakzine gelten damit also eigentlich als vegan. Dennoch ist es bislang wissenschaftlich notwendig, Tierversuche durchzuführen, was für einige Veganer genauso unmoralisch erscheint.

Wie sich aber auch hierzulande abzeichnet: Wenn Menschen sich nicht impfen lassen müssen oder aus einer Impfung profitieren, verzichten sie darauf – aus Faulheit, Zweifeln oder Unglaube. Dabei wirkt eine Impfung nur so gut, wie die Menge der Geimpften groß ist. Vegan lebende Menschen konsequent von der Impfpflicht auszuschließen ist also eine unsolidarische, rückschrittliche Entscheidung, die dazu führt, dass der Impfschutz nachlässt und mehr Menschen an Covid erkranken. Vermutlich mehr als eine halbe Million Briten wären durch ihre Wertevorstellungen von der Impfung befreit – 0,75%.

Selbstverständlich ist es großartig, dass auf diese Wertevorstellungen geachtet wird und man die Lebensentscheidungen von vegan lebenden Menschen respektiert und schützt, aber gerade diese Rücksichtsnahme kann auch ins Gegenteil umschlagen. Wer überprüft beispielsweise wer wirklich vegan lebt und wer dies nur vorgibt, um sich nicht impfen lassen müssen?

(Text: as/ red)