Spielerin der DJK Münster bei den Paralympics aktiv

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Juliane Wolf. (Foto: Majo-Foto, M.Ernst)

Diesen Tag wird Juliane Wolf wahrscheinlich nie vergessen. Es war der 12. September 2016, als die Tischtennisspielerin die Bronzemedaille bei den Paralympischen Spielen in Rio de Janeiro knapp verpasste. Nach dem 0:3 gegen die Philippinin Josephine Medina blieb ihr nur der vierte Platz.

„Das war dramatisch, echt schlimm“, sagt Juliane Wolf knapp fünf Jahre später. Vor dem Start der Paralympics in Tokio ist für die Oberligaspielerin der DJK BW Münster deshalb auch klar: Eine Medaille soll her. „Ich bin die Vierte der Weltrangliste und es werden vier Medaillen vergeben“, lautet die pragmatische Rechnung der 33-Jährigen. Im Gegensatz zu Rio wird in Tokio das Bronzematch nicht mehr ausgespielt. Für ihren großen Traum einer paralympischen Medaille hat Juliane Wolf, die im Parasport für die BSG Offenburg antritt, alles getan. Vier- bis fünfmal trainiert sie pro Woche, meistens vormittags – denn so klappt es mit der Betreuung von Tochter Frieda Charlotte besser. Die ist neben Lebensgefährte Thomas natürlich der größte Fan der Tischtennisspielerin.

Drei Wochen wird Juliane Wolf von ihrer in Frankfurt lebenden Familie getrennt sein. „So lange war es noch nie“, sagt sie. Zusammen mit ihrem Freund versuchte die Oberligaspielerin, ihre Tochter auf die Trennung vorzubereiten. Im Fernsehen schaute die Zweijährige die Staffelübergabe der Olympischen an die Paralympischen Athleten – und sah ihre Mama auf dem Balkon des Frankfurter Römer. „Die Trennung wird schwieriger für mich als für sie“, lächelt Juliane Wolf. Zumal die Tochter während der Paralympics auch noch ihren dritten Geburtstag feiert. „Sie weiß, wie Tischtennis funktioniert und dass ich gewinnen will“, sagt Wolf.

Chancen auf eine Medaille hat sie nicht nur im Einzel der Wettkampfklasse 8, sondern auch im Team gemeinsam mit ihrer langjährigen Partnerin Stephanie Grebe, mit der sie bereits Europameisterin und Vizeweltmeisterin wurde. In Rio scheiterten sie im Viertelfinale. Dass Juliane Wolf überhaupt im Parasport auf Medaillenjagd geht, ist eher dem Zufall geschuldet. Als sie 2009 ein Auslandsjahr in Schweden absolvierte, wurde sie angequatscht, wie sie erzählt. „Ich wusste nicht, dass ich da mitspielen kann“, sagt die 33-Jährige, die mit einer Cerebralparese zur Welt kam. Dadurch ist ihre Motorik beeinträchtigt. So kann Wolf beispielsweise den Fuß nicht richtig anheben und hat zudem Lähmungserscheinungen. „Ich habe auch lange gebraucht, um beim Tischtennis den Ball zu treffen.“ In ihrer Wettkampfklasse trifft sie auf Spielerinnen mit unterschiedlichen Behinderungen. „Dadurch entsteht bei jeder Spielerin etwas, das diese nicht so gut kann.“ Im Vergleich zu den Spielen mit Münster in der Oberliga werde sie beim Paratischtennis „viel ekliger“ angespielt, sagt Wolf.

Doch natürlich will auch sie ihre Gegnerinnen möglichst eklig anspielen, wenn es am 25. August endlich losgeht. „Ich bin ziemlich aufgeregt“, verrät Juliane Wolf, die sich am Dienstag in den Flieger nach Tokio setzte. Wenn sie in Japan ankommt, muss sie als Sportlerin zwar nicht in Quarantäne, wohl aber zwei negative PCR-Tests vorweisen. Vor Ort müsse sie sich täglich testen lassen. Aufgrund der Corona-Pandemie dürfe man sich auch nicht die Sehenswürdigkeiten anschauen. „Wir sind im Paralympischen Dorf und inder Halle“, sagt Wolf, die im vergangenen Jahr an COVID 19 erkrankt war. Anschließend war bei ihr die Vorstufe zu einer Herzmuskelentzündung festgestellt worden, weshalb sie mit dem Training bis März pausiert hatte. „Seitdem habe ich an den „Seitdem habe ich an den Bundesstützpunkten in Frankfurt und Düsseldorf aber gut trainiert“, sagt die 33-Jährige.

Damit, dass die Spiele aufgrund der Pandemie eingeschränkt stattfinden, hat sich Juliane Wolf abgefunden. „Wir müssen uns gegenseitig anfeuern und das Beste draus machen. Es wird sicher trotzdem ein tolles Gefühl.“

Nach ihrer Rückkehr will Juliane Wolf dann mit den Oberliga-Damen der DJK BW Münster wieder durchstarten. Für die Südhessinnen greift sie nun schon die dritte Saison zum Schläger. „Ich hoffe, dass die Saison stattfinden kann. Wir müssen erstmal reinkommen und uns finden, aber dann ist vieles möglich.“ Und wer weiß: Vielleicht haben die DJKlerinnen zum Saisonstart am 19. September eine Medaillengewinnerin in ihren Reihen.

Zeitplan: Im Einzel startet Juliane Wolf in der Wettkampfklasse 8. Die Wettkämpfe beginnen am 25. August, das Finale findet am 29. August statt. Der Teamwettbewerb, in dem Juliane mit Stephanie Grebe in der Wettkampfklasse 6-8 antritt, beginnt am 31. August, Finale ist am 2. September.

(Text: PM DJK Münster)