Günter Fanghänel hat seinen neuen Lokalkrimi veröffentlicht

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Mit 86 Jahren der sechste Krimi, davon der dritte in Eppertshausen: Günter Fanghänel hat „Die Toten bei der Thomashütte“ veröffentlicht. (Foto: jedö)

Mangelnde Produktivität muss sich Günter Fanghänel wahrlich nicht vorwerfen: Im vergangenen Herbst brachte der Eppertshäuser Hobbyautor seinen fünften Krimi über Hauptkommissar Lutz Waski heraus. Nun hat der 86-Jährige nachgelegt, wobei sein Werk zum dritten Mal das Prädikat „Lokalkrimi“ mit Eppertshausen als zentralem Schauplatz verdient. Dies verrät schon der Titel des 224-seitigen Ergusses: „Die Toten bei der Thomashütte“. Ab sofort ist das Buch zum Preis von 9,80 Euro im stationären wie digitalen Handel erhältlich (Books on Demand, ISBN 9783754332412).

Fast könnte man meinen, für Fanghänels neustes Buch wäre ein Aufschlag gerechtfertigt gewesen. Schließlich bietet er diesmal schon im Namen seines Krimis die Toten gleich in der Mehrzahl feil. Anders als in den singulären Vorgängern „Der Tote vom Teufelstal“, „Die Tote von Gleis 2“, „Die Tote in Kabine 8032“, „Die Tote im Abteiwald“ und „Der Tote in der Dreieichbahn“, wo er sich zumindest im Titel mit einer Leiche begnügte.

Ab der Abteiwald-Geschichte, die Fanghänel im Frühjahr 2019 auf dem Markt brachte, verlegt der aus Thüringen stammende, vor 16 Jahren „zugereiste“ Schreiber seine Handlungen nach Eppertshausen. Worauf er dabei örtlichen Bezug nimmt, sei „erkennbar, aber verfälscht“, zum Beispiel bei Straßen- oder Firmenangaben. Jedoch nicht im Falle der Thomashütte, die unverfälscht in den Krimi eingezogen ist und deren Historie Fanghänel zu Beginn des Buchs aufgreift. Das Cover ziert ein Foto des beliebten Ausflugsziels zwischen Eppertshausen und Messel. Mit den aktuellen Besitzern und Betreibern hat der frühere Mathematiker und Mitautor von Lehrbüchern (schrieb 2009 solo auch das populärwissenschaftliche Buch „Zauberlehrlinge und Zahlen“) diesbezüglich Rücksprache gehalten: „Die haben sich gefreut!“

Annähernd real sind im Buch auch andere Personen und Gegebenheiten. Wenn etwa die Rede auf einen katholischen Pfarrer kommt, der gerade 80 geworden ist, bedarf es keiner großen Transferleistung, um auf Harald Christian Röper zu kommen. Auch der gab Günter Fanghänel grünes Licht, literarisch verewigt zu werden. Auch die Eppertshäuser Kolpingsfamilie kommt nur leicht verfremdet vor. Und natürlich der Skatclub, in dem der Autor selbst den reizenden Buben spielt.

Dem Inhalt soll wie stets natürlich nicht allzu üppig vorgegriffen werden. Daher nur kurz zur Handlung: Nahe der Thomashütte wird ein Elfjähriger vermisst. Bei der aufwändigen Suche werden zwei junge Leute tot aufgefunden. Schnell wird klar, dass sie von fremder Hand getötet wurden. Hauptkommissar Waski, dem Fanghänel als Protagonist treu bleibt und bei dem sich auch privat wieder etwas getan hat, übernimmt den Fall. Sie vermuten einen Zusammenhang zwischen der Entführung und den Tötungsdelikten. Die Ermittlungen führen in mehrere Richtungen.

Am Ende des Buchs wird der Kommissar nicht nur das Verbrechen aufgeklärt haben. Dem Autoren wird es auch wieder gelungen sein, über den Tellerrand seiner fiktiven Handlung zu schauen. „Ich habe in meinen Büchern ja immer auch ein soziales Anliegen“, ruft Fanghänel in Erinnerung. So arbeitete er schon die Stasi-Geschichte auf und widmete sich dem Umgang mit Behinderten. Diesmal klingt das Thema Ehrenmord an. Wobei nicht alles so ist, wie es erstmal scheint. „Ich lege dem Leser die ein oder andere Finte“, schmunzelt der Eppertshäuser.

Als sich Günter Fanghänel im vorigen Herbst mit dem Autor dieser Zeilen traf, ging er davon aus, dass Krimi Nummer fünf sein letzter gewesen sein könnte – obwohl seine Frau Christel, die sein Skript ganz genau gegenliest, und er noch ziemlich fit wirken. Zehn Monate später ist Werk Nummer sechs fertig, und diesmal klingt der 86-Jährige anders: Es sei gut möglich, dass da bald wieder was komme, deutet er an. „Es habe inzwischen eine gewisse Schreibroutine“, lächelt er. „Und man kann ja nicht nur rezeptiv sein, sondern muss auch produktiv arbeiten.“

(Text: jedö)