„70 Jahre im Einsatz – Vom Bundesgrenzschutz zur Bundespolizei“

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Authentisches Zeitzeugnis: Links der ehemalige Beobachtungsturm im US Camp, rechts der DDR-Grenzturm mb2 (Foto: Point Alpha Stiftung)

Die Bundespolizei geht heute vor allem in unserer Rhein-Main-Region vielschichtigen Aufgaben nach – und das nicht nur zur Sicherung des Flughafens oder bei Einsätzen bei Demonstrationen in Frankfurt und Wiesbaden oder bei Bundesligaspielen im Eintracht-Station.

Zum 70-jährigen Gründungsjubiläum widmet sich eine große Sonderausstellung der Point Alpha Stiftung der bedeutenden Rolle des Bundesgrenzschutzes (BGS) bei der demokratischen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland. Die Geschichte des BGS ist untrennbar mit der deutschen Teilung und dem Kalten Krieg, zugleich aber auch mit der Inneren Sicherheit Deutschlands verbunden. Die Ausstellung „70 Jahre im Einsatz – Vom Bundesgrenzschutz zur Bundespolizei“ ist bis zum 30. November im US Camp der Gedenkstätte Point Alpha zwischen Rasdorf (Hessen) und Geisa (Thüringen) zu sehen. Die Bundespolizei geht heute vor allem in unserer Rhein-Main-Region vielschichtigen Aufgaben nach – und das nicht nur zur Sicherung des Flughafens oder bei Einsätzen bei Demonstrationen in Frankfurt und Wiesbaden oder bei Bundesligaspielen im Eintracht-Station.

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(Foto: Point Alpha Stiftung)

1951, zwei Jahre nach der Bundesrepublik, wird der Bundesgrenzschutz gegründet. Die Sonderpolizei des Bundes entsteht in einer Zeit, die vom Kalten Krieg zwischen Ost und West geprägt ist. Hauptaufgabe ist die Abwehr von Gefahren an der innerdeutschen Grenze. Der Aufbau des BGS ist der erste Schritt zur Wiederbewaffnung eines demokratischen Deutschlands. Ab Ende der 1960er Jahre wird das Aufgabenspektrum um den Einsatz im Inneren nachhaltig erweitert. Das Aufkommen des (inter-)nationalen Terrorismus sowie die steigende Mobilität aufgrund der europäischen Integration und der wachsenden Globalisierung erweitern das Anforderungsprofil. Im Zuge der Deutschen Einheit entfällt die ursprüngliche Hauptaufgabe an der innerdeutschen Grenze. 2005 wird aus dem Bundesgrenzschutz die Bundespolizei.

Die Jubiläumsausstellung, die als Wanderausstellung konzipiert wurde, beleuchtet diesen Prozess mit zahlreichen Original-Exponaten. Es werden Fahrzeuge, Uniformen und Ausrüstungen sowie Fotografien, Grafiken und Dokumente, die eigens für „70 Jahre im Einsatz“ bei Zeitzeugen, Sammlungen und Archiven eingeworben oder angekauft gezeigt. Medienstationen präsentieren etwa 50 exklusiv produzierte Interview-Ausschnitte.

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(Foto: Point Alpha Stiftung)

„70 Jahre im Einsatz“ setzt einen besonderen Schwerpunkt auf die Einbindung von Zeitzeugen. Die Erinnerungen von 17 Zeitzeugen machen die Schau zu einer persönlichen Erzählung. Die Organisationsgeschichte und das Wirken des Bundesgrenzschutzes bis zur Überführung in die heutige Bundespolizei wird so lebendig. „Wir wollen mit der Ausstellung zum einen den Einsatz der BGS- und Bundespolizeibeamten zum 70. Jubiläum würdigen und zum anderen aus einer anderen Perspektive auf die Innerdeutsche Grenze blicken. Der Bundesgrenzschutz war in Osthessen mit Standorten zwischen Eschwege, Bad Hersfeld, Hünfeld und Fulda sehr präsent und so werden in der Ausstellung auch Grenzgeschichten und -ereignisse aus der Region aufgegriffen. Sicherlich wird man daher auch das ein oder andere bekannte Gesicht entdecken können“, machen der Geschäftsführer der Point Alpha Stiftung, Sebastian Leitsch, und der Wissenschaftliche Leiter Dr. Roman Smolorz neugierig.

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(Foto: Point Alpha Stiftung)

Das Projekt wurde mit rund 150.000 Euro aus Mitteln der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gefördert. Leihgeber sind die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, das Bundesarchiv, die Bundespolizei mit den historischen Sammlungen des ehemaligen BGS sowie BGS-Kameradschaften und private Sammler. Die Sonderschau in der Fahrzeughalle des US Camps kann im Rahmen des Gedenkstättenbesuchs täglich zwischen 10 und 18 Uhr bis zum 30. November besichtigt werden.

Die Sonderschau in der Fahrzeughalle des US Camps kann im Rahmen des Gedenkstättenbesuchs täglich zwischen 10 und 18 Uhr bis zum 30. November besichtigt werden.

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(Foto: Point Alpha Stiftung)

Bei einem Besuch bietet sich natürlich an, das gesamte Angebote der Gedenkstätte Point Alpha zu erkunden: Der authentische Geschichtsort zwischen Geisa und Rasdorf galt einst als „heißester Ort“ im Kalten Krieg und ist heute ein einmaliges Zeugnis von vier Jahrzehnten Zeitgeschichte. Der „Observation Post Alpha“ war einer von vier US-Beobachtungsstützpunkten an der hessischen innerdeutschen Grenze. Bis zum Jahr 1990 standen sich hier die Vorposten von NATO und Warschauer Pakt hochgerüstet gegenüber. Das sogenannte „Fulda Gap“ galt als entscheidendes Gebiet zur Verteidigung Westeuropas. Die militärischen Szenarien können in den Ausstellungen der denkmalgeschützten Baracken des US Camps hautnah nachempfunden werden. Als unvergleichliches Zeitzeugnis vermittelt die Gedenkstätte die Konfrontation der beiden Machtblöcke, militärische Abläufe, den Aufbau und die Entwicklung der Grenzanlagen mit ihren Sicherungselementen sowie in weiteren Ausstellungen im Haus auf der Grenze das Leben an und mit der Grenze, gerne auch im Rahmen von Führungen für Gruppen oder Schulklassen.

(Text: PM Point Alpha Stiftung)