“Streitsache Straßennamen”: Darmstadt lädt zur Bürgerbeteiligung

124
blank
Luisenplatz (Foto: Nikolaus Heiss)

Im Rahmen der Umbenennungsprozesse mehrerer Straßen im Stadtgebiet lädt die Wissenschaftsstadt Darmstadt vom 5. bis 29. Oktober zur Ausstellung ,Streitsache Straßennamen‘ sowie zu einer entsprechenden Bürgerinformationsveranstaltung und einer Online-Beteiligung zur Vergabe neuer Straßennamen am 7. Oktober mit Oberbürgermeister Jochen Partsch ein.

„Den Prozess der Umbenennung von Straßen haben wir bereits 2013 angestoßen; seitdem arbeiten wir sehr gewissenhaft und unter Beteiligung ausgewiesener Expertinnen und Experten wie auch der Bürgerschaft an der Änderung der Straßennamen. Wir haben ausführlich überprüft, welche Personen aufgrund ihres historischen Wirkens oder ihrer politischen Einstellung nicht würdig sind, dass Straßen in einer freiheitlich demokratischen Stadt wie der unseren ihren Namen tragen. Diese Personen sind durch die Straßennamen dauerhaft in der Öffentlichkeit präsent und erinnern uns täglich an ihr Leben. Doch wir tragen hier eine historische Verantwortung, der wir mit diesem umfassenden und professionellen Vorgehen und der bald folgenden Umbenennung der Straßen Rechnung tragen“, erläutert OB Partsch. „Mit der nun anstehenden Bürgerinformationsveranstaltung werden wir die Öffentlichkeit über die weiteren Schritte des Prozesses informieren, Fragen beantworten und natürlich auch Bedenken diskutieren. Für die Anwohnerinnen und Anwohner gehen mit der Umbenennung Veränderungen einher, auf die wir selbstverständlich eingehen und die wir in unsere Planungen einbinden werden. Bürgerinnen und Bürger haben außerdem die Möglichkeit, online Vorschläge für die neuen Benennungen einzureichen und Vorschläge anderer zu kommentieren – die neuen Straßennamen sollen von Verwaltungsseite nicht einfach bestimmt, sondern auch von der Bürgerschaft mitgetragen werden. Sie werden dem Magistrat als Grundlage für seine Entscheidung über neue Namen für die genannten Straßen dienen“, so Partsch weiter.

Im Zuge der Überprüfung der Straßennamen hatte der Oberbürgermeister im April 2015 einen Fachbeirat Straßennamen, der sich aus Historikerinnen und Historikern sowie Beschäftigten der städtischen Kulturverwaltung zusammensetzte, einberufen und dessen Vorsitz übernommen.

Gegenstand der Untersuchung des Beirats war das Leben von Personen, nach denen Straßen benannt sind, während der Jahre 1933 bis 1945 und ihre mögliche Verstrickung in das nationalsozialistische System. Untersucht wurde, ob die jeweilige Person das NS-Regime aktiv unterstützte beziehungsweise eine führende Position im NS-Staat inne hatte oder ob ihre Einstellung eher als Mitläufertum anzusehen war. Auch ihre Haltung zu Rassismus im Allgemeinen und zu Antisemitismus im Besonderen wurde betrachtet.
„Auf Grundlage der Empfehlungen des Fachbeirats hat der Magistrat im Mai 2019 in acht Fällen die Umbenennung von Straßennamen beschlossen. Die Bürgerinnen und Bürger binden wir schon von Anfang an intensiv ein, beispielsweise durch das digitale Symposium im Juni 2021, bei dem Fachleute den vielschichtigen Prozess der Umbenennung von Straßen erläutert haben“, erklärt Planungsdezernent Michael Kolmer.

Eine Umbenennung soll aufgrund des Magistratsbeschlusses für die nach folgenden Personen benannten Straßen erfolgen: Hans von der Au, Gustav Brandis, Walter Georgii, Peter Grund, Christian Heinrich Kleukens, Richard Kuhn, Alarich Weiss und Paul von Hindenburg.

Die Online-Beteiligung für Vorschläge zur Neubenennung der aufgeführten Straßen wird vom 7. Oktober bis 5. November auf der städtischen Beteiligungsplattform https://da-bei.darmstadt.de/ möglich sein.

Die Informationsveranstaltung mit Oberbürgermeister Jochen Partsch und Stadtarchivar Dr. Peter Engels wird am Donnerstag, 7. Oktober, von 19 bis 21 Uhr im Dr.-Günter-Ziegler-Saal im Justus-Liebig-Haus, Große Bachgasse 2, stattfinden.

Aufgrund der beschränkten Besucherzahl ist eine Teilnahme an der Veranstaltung nur nach vorheriger Anmeldung stadtarchiv@darmstadt.de unter Angabe von Name und Adresse möglich. Ein Nachweis über Impfung, Genesung oder negativen Test ist vor Beginn der Veranstaltung vorzulegen.

Die Ausstellung ,Streitsache Straßennamen‘ im Foyer des Justus-Liebig-Hauses ist von 5. Oktober bis zum 29. Oktober zu sehen. Sie wird die Arbeit des Fachbeirats und seine Begründungen für die Empfehlungen vermitteln. Außerdem thematisiert die Ausstellung die Debatten um Straßennamen, die in den letzten 15 Jahren in vielen Städten entbrannt sind, und geht den Motiven dafür nach.

Die Ausstellung ist zu den üblichen Öffnungszeiten des Justus-Liebig-Hauses zu sehen:

Montag, Mittwoch, Freitag: 9 bis 17 Uhr
Dienstag und Donnerstag: 9 bis 19 Uhr
Samstag: 10 bis 16 Uhr
Am Donnerstag, 7. Oktober, ist die Ausstellung bis 22 Uhr geöffnet.
Am Montag, 11. Oktober, ist die Ausstellung geschlossen.

Im Justus-Liebig-Haus besteht Maskenpflicht. Für den Zugang zur Ausstellung ist darüber hinaus der Nachweis über eine Impfung, Genesung oder über einen aktuellen negativen Antigen-Test erforderlich (3-G-Regel). Es können derzeit nur 25 Personen zeitgleich die Ausstellung besuchen.

(Text: PM Wissenschaftsstadt Darmstadt)