Liga der Frankfurter Wohlfahrtsverbände fordert mehr Investitionen in soziale Infrastruktur

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Wirtschaftsdezernentin Wüst, Sozialdezernentin Voitl, Stadtkämmerer Bergerhoff und Oliver Schwebel. (Foto: Ben Kilb)

Wirtschaftsdezernentin Wüst eröffnet „Ständige Wirtschafts- und Arbeitsmarktkonferenz SWAK“

Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst hat am Montag, 4. Oktober, die 20. Ständige Wirtschafts- und Arbeitsmarktkonferenz (SWAK) eröffnet. Die SWAK feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Etwa 40 Teilnehmer, Akteure der lokalen Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik und Einrichtungen der Beschäftigungsförderung, trafen sich hierzu im Plenarsaal des Römers. Im Fokus standen systemrelevante Berufe der Sozialwirtschaft, wie betreuende und pflegende Berufe und die Folgen der Corona-Pandemie für diese Branche.

Wüst zeigte in ihrer Begrüßungsrede neben den sozialpolitischen Aspekten die Bedeutung der Branche für den Frankfurter Arbeitsmarkt: „In Frankfurt am Main gab es bis Ende 2020 50.300 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im Bereich Gesundheits- und Sozialwesen. Fast 27.000 davon im Gesundheitswesen, 4800 Beschäftigte in (Pflege-)Heimen und fast 18.600 im Sozialwesen. Letzterer ist ein großer Bereich in Frankfurt, hinter dem sich soziale, Fürsorge-, Familien-, Schuldner und weitere Beratungsstellen verbergen, berufliche Rehabilitation, Qualifikationsmaßnahmen sowie Flüchtlings- und Katastrophenhilfe. Dieser Bereich macht in Frankfurt über 17 Prozent der Beschäftigten aus, mehr als der bundesweite Durchschnitt. Diese Zahlen zeigen, wie sehr sich die Akteure, aber auch die Stadt in diesem Bereich engagieren, lange Erfahrung mitbringen und entsprechende Netzwerke haben. Daher möchte ich ein Lob an alle Akteure aussprechen, die diese Sozialpolitik finanziert und ermöglicht haben.“

Stadtkämmerer Bastian Bergerhoff zeigte sich erfreut, als neuer Dezernent für Finanzen, Beteiligungen und Personal an der Sitzung teilzunehmen und lobte die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten: „Wenn engagierte Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft, Gewerkschaften, Sozialverbänden und Verwaltung in dieser Form zusammenkommen, führt das zu guten Rahmenbedingungen für Unternehmen und am Ende auch zu unverzichtbaren Steuereinnahmen für die Stadt. Dass wir unser Ziel bei der Gewerbesteuer in diesem Jahr voraussichtlich erreichen werden, haben wir unter anderem dem ausgewogenen Branchenmix zu verdanken. Diesen wollen wir weiter erhalten und ausbauen.“

Die neue Stadträtin und Sozialdezernentin Elke Voitl freute sich, dass das Thema Sozialwirtschaft auf der Agenda stand: „Das Frankfurter Arbeitsmarktprogramm ist eine echte Errungenschaft, auf die wir stolz sein können. Es ist ein wichtiges Werkzeug zur Unterstützung für Jugendliche, junge Erwachsene, Migrantinnen und Migranten. Das Programm stellt den Menschen in den Mittelpunkt, Angebote können schnell an Bedarfe angepasst werden. Damit erreichen wir auch Menschen, bei denen die üblichen Förderangebote nicht greifen.“

Als Hauptrednerin sprach Gaby Hagmans, Caritasdirektorin und Vorsitzende der Liga Frankfurt, über die Bedeutung der Freien Wohlfahrtspflege für die Stadtgesellschaft und den Wirtschaftsstandort Frankfurt. Die Bewältigung der Pandemie sei nicht ohne die sozialen Träger der Stadt möglich gewesen. Auch beim Umgang mit den Folgen von Corona wolle man Verantwortung übernehmen. Hagmans sprach sich für eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Sozialwirtschaft und freier Wirtschaft aus, deren Verhältnis sie als Wechselbeziehung bezeichnete. Ihren Vortrag endete die Caritasdirektorin mit einem Plädoyer für die Notwendigkeit eines Sozialen Arbeitsmarkts. „Corona hat einmal mehr gezeigt, dass die bisherigen Instrumente nicht ausreichen, um Langzeitarbeitslosen im Ersten Arbeitsmarkt ein Einkommen zu sichern. Hier braucht es langfristig tragfähige Strukturen“.

Die Belastungen der Sozialwirtschaft durch die Pandemie wurden an einigen Beispielen dargelegt: Die Anzahl der Schuldnerberatungen haben sich in der Pandemie nahezu verdoppelt. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die sich in Psychiatrische Behandlung begeben haben, stieg um fünfzig Prozent. Im Jahr 2020 war es nahezu nicht möglich, dass berufsorientierende Maßnahmen durchgeführt wurden konnten. Im Ergebnis ist ein Rückgang der Ausbildungsverträge von knapp zehn Prozent für den aktuell angelaufenen Ausbildungsjahrgang zu verzeichnen. Die Teilnehmenden berichteten weiterhin über Corona bedingte Belastungsmomente und Erfahrungen, unter anderem von Auswirkungen auf das Personal, Klienten, Kunden oder Patienten, von personellem Mehraufwand und Mindereinnahmen. Der Austausch zwischen Verbänden und der Politik müsse verbessert werden und eine bessere Erreichbarkeit der Verwaltung gegeben sein. Insgesamt solle es eine krisenfeste Finanzierung und eine Verbesserung der sozioökonomischen Lage geben.

Als Steuerungsgremium fungiert der sogenannte Arbeitsausschuss, bestehend aus Wirtschaftsdezernentin Wüst, Vorsitzender des Ausschusses, plus Vertreterinnen und Vertretern folgender Institutionen: Handwerkskammer FrankfurtRheinMain, Industrie- und Handelskammer für Frankfurt am Main, Deutscher Gewerkschaftsbund Region Frankfurt-Rhein-Main, Hessischer Unternehmerverband, Agentur für Arbeit Frankfurt am Main, Rhein-Main-Jobcenter, Regionalverband FrankfurtRheinMain, Sozialdezernat und Wirtschaftsförderung Frankfurt.

Die SWAK wurde 1996 vom Stadtoberhaupt als Runder Tisch ins Leben gerufen und findet seither fast regelmäßig einmal im Jahr statt. Seitdem hat sich die SWAK als wichtige Konferenz etabliert, in der Projekte und Ideen durch den Arbeitsausschuss eingebracht werden können. Die Aufgaben der SWAK und des Arbeitsausschusses sind dabei unter anderem mehr Transparenz über das Wirtschaftsgeschehen und standortrelevante Entwicklungen zu schaffen, die Mitglieder mehr in die städtische Politik mit einzubinden und einen wirtschaftspolitischen Forderungskatalog zu erstellen.

(Text: PM Stadt Frankfurt)