Hessischer Antisemitismusbeauftragter Uwe Becker legt Tätigkeitsbericht vor

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(Symbolbild: Benny Rotlevy auf Unsplash)

Der Beauftragte des Landes Hessen für das jüdische Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, Uwe Becker, stellte in der Sitzung des Hessischen Kabinetts seinen ersten Tätigkeitsbericht vor. Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hob die Bedeutung der Arbeit gegen Antisemitismus in unserer Gesellschaft und das Engagement von Uwe Becker hervor.

„Der Schutz jüdischen Lebens und der Kampf gegen Antisemitismus sind heute mehr denn je eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und Herausforderung für uns alle“, betonte Ministerpräsident Volker Bouffier. „Im Namen der Hessischen Landesregierung danke ich Uwe Becker für seinen großen Einsatz. Er ist seit vielen Jahren mit dem jüdischen Leben in Hessen und der jüdisch-christlichen Tradition in Deutschland vertraut und engagiert sich in vielfältiger Weise für die deutsch-israelischen Beziehungen“, ergänzte der Regierungschef.

„Wir nehmen seit einigen Jahren mit zunehmender Besorgnis wahr: Antisemitische Vorfälle, Beschimpfungen oder gewalttätige Übergriffe sind keine Randerscheinung in unserer Gesellschaft. Aktuelle Umfragen und wissenschaftliche Studien belegen, dass Antisemitismus in Deutschland, Europa und der ganzen Welt zugenommen hat“, betonte Uwe Becker anlässlich der Vorstellung seines Tätigkeitsberichtes. „Die aktuell zu beobachtende Bandbreite antisemitischer Vorfälle und Straftaten in Hessen und Deutschland sind sehr weit und facettenreich einem dynamischen Wandel unterworfen. Sie reichen von der Diffamierung und Diskriminierung bis hin zu gewalttätigen Übergriffen“, so Becker. Es seien jedoch nicht alle strafrechtsrelevant.

Ausgehend von einer Auswertung der antisemitischen Vorfälle und Straftaten in Hessen in dem Bericht, liefert dieser zudem eine umfangreiche Bestandsaufnahme wichtiger Projekte und Maßnahmen in Hessen, die in vielfältiger Art und Weise von der Landesregierung fördert und vielerorts in Kooperation mit Partnern hessenweit verwirklicht werden.

Hessenweite Meldestelle für antisemitische Vorfälle

Mit der Einrichtung einer hessenweiten Meldestelle für antisemitische und antijüdische Vorfälle am Demokratiezentrum Hessen in Marburg, die die bundes- und hessenweiten Meldestellen ergänzen wird, hat die Landesregierung, gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Partner, wichtige Akzente gesetzt. Die Meldestelle übernimmt hierbei die Definition von Antisemitismus von der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA).

Das in Zusammenarbeit mit Frankfurter Rabbinern konzipierte Projekt „Meet a Rabbi“, das aufgrund der Corona-Pandemie erst in diesem Jahr starten konnte, bietet hessischen Schulen an, Rabbiner einzuladen, um mit ihnen über das Judentum und dessen Traditionen zu sprechen. Somit lernen Schülerinnen und Schüler das moderne jüdische Leben in Hessen kennen. „Die Auseinandersetzung mit dem Judentum soll nicht nur über die Vermittlung von Wissen oder Erzählungen erfolgen, sondern auch durch die Begegnung mit jüdischen Menschen aus Hessen. Es sollen Berührungspunkte vermittelt werden, deshalb finden diese Treffen auch an bestimmten Orten des Landes statt“, betonte Becker.

Der Beauftragte des Landes Hessen für das jüdische Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, Uwe Becker, dankte abschließend dem Hessischen Ministerpräsidenten, den Ministerien und Dienststellen des Landes für das entgegengebrachte Vertrauen und die vertrauensvolle Zusammenarbeit. „Mein besonderer Dank gilt dem Landesverband Jüdischer Gemeinden in Hessen, der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main und allen jüdischen Einrichtungen und Organisationen für die freundschaftliche und konstruktive Zusammenarbeit. Ich freue mich darauf, sie weiter fortzusetzen“, so Becker abschließend.

Hintergrund

Die Hessische Landesregierung hat in der 19. Legislaturperiode erstmalig einen Beauftragten als Ansprechpartner für das jüdische Leben und den Kampf gegen Antisemitismus berufen. Die Berufung im Jahr 2018 erfolgte in enger Abstimmung mit dem Jüdischen Gemeinden in Hessen und der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. Der erste Antisemitismusbeauftragte des Landes Hessen, Prof. Dr. Felix Semmelroth, bekleidete sein Amt ab Juli 2018, schied jedoch 2019 aus gesundheitlichen Gründen aus.

Mit dem Kabinettsbeschluss vom 4. April 2019 berief die Hessische Landesregierung in der 20. Legislaturperiode Uwe Becker als neuen Beauftragten für das jüdische Leben und den Kampf gegen Antisemitismus. Er ist neben seiner repräsentativen Funktion für die Hessische Landesregierung vor allem Ansprechpartner für Jüdinnen und Juden in Hessen und für die jüdischen Gemeinden, Verbände, Vereine und Institutionen.

Darüber hinaus hält er Kontakt zu Verbänden und Institutionen, die sich mit jüdischem Leben und den Kampf gegen Antisemitismus in Hessen, in anderen Bundesländern und auf Bundesebene befassen. Er steht im regelmäßigen Austausch mit den Antisemitismusbeauftragten der Länder, des Bundes und auf der europäischen Ebene. Außerdem bringt er die Erfahrungen in Hessen auch in den internationalen Austausch ein. Ebenso unterstützt und koordiniert er die Zusammenarbeit und Vernetzung der bereits bestehenden Aktivitäten der Landesregierung und der nachgeordneten Bereiche, um Maßnahmen gegen den Antisemitismus zu intensivieren, zu stärken und weiterzuentwickeln.

Darüber hinaus ist der Beauftragte der Landesregierung Ansprechpartner für die Opfer von Antisemitismus und unterrichtet die Öffentlichkeit über Entwicklungen seines Zuständigkeitsbereichs.

(Text: PM Hessische Staatskanzlei)