Frankfurt: Zustand des Frankfurter Stadtwaldes bleibt dramatisch

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erlichtete Kronen bei allen Baumarten: Auch alte Eichen oder Buchen können sich nicht regenerieren. (Foto: © Stadt Frankfurt am Main Grünflächenamt)

Waldzustandsbericht 2021 zeigt nur wenig Erholung / Wenig Eichel- und Buchenmast – Obwohl das zurückliegende Jahr deutlich nasser und kühler gewesen ist als die vergangenen drei Jahre, bleibt die Situation des Frankfurter Stadtwaldes dramatisch. Das zeigt der aktuelle Waldzustandsbericht. „Dem Patient Frankfurter Stadtwald geht es nicht viel besser als im vergangenen Jahr.

2020 waren 98,9 Prozent krank oder bereits abgestorben. Jetzt zeigen immer noch 96,4 Prozent der Waldbäume deutliche Schädigungen. 2021 hat nicht mehr als den Hauch einer Entspannung gebracht“, sagt Klimadezernentin Rosemarie Heilig. „Sicher haben die höheren Niederschläge im Winterhalbjahr und die niedrigen Temperaturen im Frühjahr die Situation im Wald ein wenig entschärft. Auch der Borkenkäfer konnte aufgrund der Witterung nicht so wüten, wie im letzten Jahr. Aber das alles kann aus einem kranken Baum nicht sofort einen gesunden und aus einer trockenen Baumkrone keine grüne machen. Das Wasser kommt nicht bei den Wurzeln an. Wir haben wieder zahlreiche Bäume im Frühjahr verloren und weitere werden absterben.“

Verlichtungen der Baumkronen

Deutlich werden die Schädigungen laut Untersuchungen unter anderem in den Verlichtungen der Baumkronen, dort zeigt sich ein verminderter Blattaustrieb über alle Laub- und Nadelbaumarten hinweg. Für den Waldzustandsbericht wird seit 1984 einmal im Jahr die Entwicklung der Bäume auf 166 festgelegten Flächen des Frankfurter Stadtwaldes untersucht. Insgesamt werden 1660 Bäume begutachtet, darunter 38 Prozent Eiche, 34 Prozent Kiefer und 28 Prozent Buche inklusive Edellaubhölzer (beispielsweise Esche und Ahorn). Diese Auswahl entspricht in etwa der Zusammensetzung der Hauptbaumarten im Stadtwald. Während die jungen Bäume und die Neuanpflanzungen etwa in den Revieren Goldstein und Schwanheim von Regen und Kühle profitiert haben, sorgt sich der Stadtforst um den Altbestand. Betroffen sind vor allem große und alte Eichen, Buchen, Kiefern oder Fichten, sagt Tina Baumann, Leiterin der Abteilung Stadtforst im Frankfurter Grünflächenamt: „Sie haben sich erkennbar nicht erholt und das werden sie vermutlich auch nicht. Die schweren Schäden aus den Jahren 2018 bis 2020 sind einfach zu groß.“ Häufig fehlen ganze Astpartien und Feinreisig, die Kronen der Bäume sind zu großen Teilen oder sogar vollständig abgestorben. Die Altbäume sind nicht in der Lage zu regenerieren, die Hauptkrone bleibt geschädigt. Ein weiteres Problem sind vorgeschädigte Wurzeln. Auf den ersten Blick ist die Schädigung nicht sichtbar, der Baum erscheint zunächst symptomlos. Bis er plötzlich mit Kronenverlichtung reagiert. Ein untrügliches Zeichen für eine Schädigung, sagt die Leiterin des Stadtforstes.

Interessant sei ein Phänomen, das in den zurückliegenden Wochen im Wald ebenfalls beobachtet wurde, so Baumann weiter. „Besonders in den Trockenjahren ist die Strategie der Bäume, so viele Eicheln und Bucheckern wie möglich zu produzieren. Das haben sie dieses Jahr nicht gemacht. Die Mast fiel weitgehend aus. Stattdessen konnten sich die Bäume wegen der kühlen Temperaturen und des Regens vom Stress erholen.“ Für die forsteigene Anzucht heißt das jedoch, dass es anders als in der Vergangenheit keine Eicheln und nur wenig keimfähige Bucheckern aus dem zurückliegenden Jahr geben wird. Der Stadtforst wird für notwendige Wiederanpflanzungen und Schadensbehebungen Baumsetzlinge zukaufen müssen.

Alle Baumarten sind nachhaltig geschädigt

„Der jetzt vorgelegte Waldzustandsbericht bestätigt unsere Befürchtungen schon aus dem ersten Trockenjahr 2018. Alle Baumarten sind nachhaltig geschädigt und nur viel und andauernder Niederschlag würde den Zustand verbessern können. Aber das ist im Zuge des Klimawandels vermutlich Wunschdenken“, sagt Heilig. „Wir steuern schon jetzt dagegen, damit wir den Wald klimastabil und damit enkelfähig machen. Dazu gehören zum Beispiel Versuchspflanzungen, auf denen wir trockenheitsresistente Baumarten testen; die naturnahe Waldwirtschaft und in der Regel die Aufzucht unseres eigenen Saatgutes. Dieses Saatgut ist bereits unter veränderten klimatischen Bedingungen entstanden. Wir hoffen, dass Bäume aus diesem Material mit dem Klimawandel klarkommen.“

(Text: PM Stadt Frankfurt)