Frankfurt: Lernnacht zum Novemberpogrom am 9. November

40
blank
Das renovierte Rothschild-Palais von der Mainpromenade aus. (Foto: Norbert Miguletz © Jüdisches Museum Frankfurt)

Die Lernnacht zum reichsweiten Novemberpogrom von 1938 ist eine wiederkehrende Veranstaltung des Jüdischen Museums Frankfurt, Bertha-Pappenheim-Platz 1, seit seiner Eröffnung am 9. November 1988.

In diesem Jahr thematisiert sie die Kontinuitäten rechtsextremer Gewalt, die sich etwa in dem Anschlag auf die Synagoge von Halle am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur gezeigt haben. Den Nachhall dieses Akts rechtsextremen Terrors, bei dem zwei Menschen ermordet wurden, thematisiert die Soundinstallation „After Halle” von Talya Feldman. Die Lernnacht am Dienstag, 9. November, beginnt mit der Vorführung der Videoarbeiten “Elegy” von Talya Feldman und „This Makes Me Want to Predict the Past” von Cana Bilir-Meier, umfasst ein Gespräch mit den Künstlerinnen sowie die Eröffnung dieser Soundinstallation, die fortan ein Jahr lang in der Dauerausstellung zu sehen sein wird. Die Lernnacht startet um 20.30 Uhr und geht bis 23 Uhr, Einlass ist ab 20 Uhr.

Die Soundinstallation „After Halle“ der Künstlerin Talya Feldman

„After Halle” ist eine Zehn-Kanal-Soundinstallation, in der die Stimmen von Überlebenden aus der Synagoge von Halle zu hören sind. Die Arbeit setzt Melodien in Szene, die am Tag des Angriffs während des Gottesdiensts gesungen wurden, und untersucht die Narben, die dieser Gewaltakt bei den Überlebenden hinterließ. Im wiederholten Summen der Melodien klingt nicht nur das traumatische Geschehen nach, sondern bildet sich zugleich ein Widerstand aus, der Überlebende wie Zuhörende zu schützen vermag.

Jede Stimme ist einzeln aus einem an der Wand hängenden Lautsprecher zu vernehmen.
Die Rahmen, in die diese Lautsprecher eingefügt sind, verweisen auf die Zeichen und Codes der Triage. Diese medizinischen Regeln und Farben kategorisieren den Behandlungsbedarf von Patientinnen und Patienten und bilden die Grundlage von medizinischen Entscheidungen in Krisensituationen. Die Installation verbindet diesen Entscheidungscode mit der Fragilität der Stimmen aus den Lautsprechern.

Die Medienkünstlerin Talya Feldman, geboren 1990 in Denver/Colorado (USA), studierte an der School of the Art Institute of Chicago und lebt und arbeitet derzeit in Hamburg. Als Überlebende des Anschlags setzt sie sich mit ihren Arbeiten und Projekten gegen rechtsextreme Narrative zur Wehr und widmet sich zugleich der Stärkung von Widerstandsfähigkeit und Solidarität unter den Betroffenen von rassistischer und antisemitischer Gewalt.

Die Videoarbeiten „Elegy“ von Talya Feldman und „This Makes Me Want to Predict the Past“ von Cana Bilir-Meier

Die Lernnacht beginnt mit einer Einführung der Direktorin des Museums, Prof. Mirjam Wenzel. Anschließend wird die Videoarbeit „Elegy“ von Talya Feldman präsentiert, die eine tänzerische und zugleich poetische Reflexion der Nachwirkungen des Anschlags von Halle vornimmt. Die darauf gezeigte Videoarbeit „This Makes Me Want to Predict the Past“ von Cana Bilir-Meier setzt sich mit dem ebenfalls rechtsextremistisch motivierten Anschlag in einem Münchener Einkaufszentrum aus dem Jahr 2016 auseinander, bei dem neun Jugendliche mit Migrations-  hintergrund ermordet und fünf weitere angeschossen wurden. Bilir-Meier, geboren 1986 in München, lebt und arbeitet in Wien und München, setzt sich in ihrer Arbeit kritisch mit sozialer, kultureller, emotionaler und struktureller Teilhabe und Gleichberechtigung von Migrantinnen und Migranten an der deutschen Gesellschaft auseinander.

Im Gespräch mit der Stellvertretenden Direktorin Eva Atlan werden die beiden Künstlerinnen über die Videoarbeiten und ihre künstlerische Praxis sprechen. Die Kuratorin für jüdische Kulturen der Gegenwart, Sara Soussan, führt abschließend die Soundinstallation „After Halle“ von Talya Feldman ein.

Um vorherige Anmeldung zur Veranstaltung per E-Mail an besuch.jmf@stadt-frankfurt.de wird gebeten. Es werden ausschließlich geimpfte oder genesene Personen zur Veranstaltung zugelassen (2G-Regel). Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt 2,50 Euro.

(Text: PM Stadt Frankfurt)