Frankfurt: Übergabe der Gedenktafel für Karl Koch an die Öffentlichkeit

51
blank
Aus einer Personalakte stammende Abbildung von Karl Koch. © Stadt Frankfurt am Main

Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig hat gemeinsam mit Polizeivizepräsident Björn Gutzeit und Vertreterinnen und Vertretern des Ortsbeirats und der AG Geschichte und Erinnerung am Freitag, 5. November, eine Gedenktafel am 17. Polizeirevier in Höchst der Öffentlichkeit übergeben. Sie erinnert an den Polizisten Karl Koch, der seine jüdische Nachbarin während des Nationalsozialismus mehrfach vor bevorstehenden Deportationen schützte.

Die Kulturdezernentin betonte: „Die Gedenktafel erinnert an den Mut und die außergewöhnliche Zivilcourage eines Höchster Polizisten. Für Karl Koch war es ein hohes persönliches Risiko, Josefine Schain vor der drohenden Deportation zu schützen und damit als Teil des deutschen Staatsapparats verdeckt Widerstand gegen die Judenverfolgung zu leisten. Gerade in Zeiten, in denen die sogenannte Neue Rechte vermehrt versucht, öffentliche Räume zu besetzen und sogar den Staat zu unterwandern, ist das Gedenken an Karl Koch besonders wichtig. Zivilcourage besteht heute darin, Antisemitismus und Rassismus entschieden zurückzuweisen – auch dann, wenn er harmlos anmuten mag und im Freundes- oder Kollegenkreis geäußert wird.  Die Neue Rechte zeigt ihren Judenhass und ihr rassistisches Weltbild selten so offen wie die Nationalsozialisten. Vielmehr versucht sie, den öffentlichen Diskurs sukzessive zu verschieben und verfassungsfeindliche Positionen als legitime Meinung zu etablieren – diese Versuche sind nicht immer leicht zu identifizieren und erfordern unserseits hohe Sensibilität.“

blank
Polizeivizepräsident Björn Gutzeit und Kulturdezernentin Ina Hartwig enthüllen die Gedenktafel für Karl Koch. Copyright Polizei Frankfurt (Foto: Stepahn Preis)

Polizeivizepräsident Björn Gutzeit sagte: „Der Polizist Karl Koch hat sich als Mensch erwiesen, der seinem Gewissen folgte, während andere nur Anweisungen und Befehle befolgten, von denen sie wissen mussten, dass sie nach allen menschlichen Maßstäben nur als inhuman und grausam gelten konnten. Als Mensch kann und muss uns Karl Koch daher auch heute noch ein Vorbild sein. Menschlichkeit müssen wir immer als eine der wichtigsten Grundlagen unseres Handelns bewahren.”

Ortsvorsteherin Susanne Serke ergänzte: „Als Ortsvorsteherin des Ortsbeirates 6 freue ich mich sehr, dass wir mit dieser Gedenktafel Karl Koch, einen mutigen Höchster Bürger, ehren können. Wir als Ortbeirat 6 haben die Anregung der AG für Geschichte und Erinnerung in parteiübergreifender Übereinstimmung aufgenommen und uns auch gerne mit unserem Budget an der Finanzierung der Gedenktafel beteiligt. Es ist meiner Ansicht nach eine wichtige Aufgabe, an die Menschen zu erinnern, die hier bei uns vor Ort gelebt, anderen Menschen geholfen und mit ihren Taten großen Mut bewiesen haben. Ich wünsche uns heute ebensolche Menschen, die sich einbringen, sich engagieren, sich nicht verstecken, sondern sich zu Wort melden, wenn andere bedroht oder angegriffen werden. Möge auch diese Gedenktafel dazu beitragen, dass viele sich dem Mut, den Karl Koch bewiesen hat, zum Vorbild nehmen.“

Waltraud Beck von der Höchster AG Geschichte und Erinnerung sagte: „Wir freuen uns, dass die Anregung der AG Geschichte und Erinnerung, eine Gedenktafel für Karl Koch am Höchster Polizeirevier anzubringen, aufgegriffen und umgesetzt wurde. Für die AG haben Josef Fenzl und ich zu Josefine Walter geb. Schain und Karl Koch recherchiert. Wir sind sehr froh, dass zur Enthüllung der Gedenktafel die Tochter von Josefine Walter, Dagmar Walter, und Rita Fenzl, die Frau des leider verstorbenen Josef Fenzl, anwesend waren.“

Karl Koch trat 1918 in die Höchster Polizei ein und arbeitete von 1933 bis 1947 im 17. Polizeirevier in der Gebeschusstraße 10. Er warnte seine Nachbarin mehrmals vor geplanten Deportationen und versteckte sie in einem Fall gemeinsam mit seiner Ehefrau in der eigenen Wohnung. Josefine Schain galt als Tochter eines zum Christentum konvertierten jüdischen Vaters in den Kategorien der Nationalsozialisten als „Halbjüdin“ und war in den 1940er Jahren zunehmend bedroht, in ein Konzentrationslager verschleppt zu werden. Ihr Vater Josef Schain starb 1941 im Ghetto Łódź. Seit 2008 erinnert in der Höchster Brüningstraße 34 ein Stolperstein an ihn. Die Gedenktafel wurde anteilig durch das Polizeipräsidium und das Kulturamt der Stadt Frankfurt sowie den Ortsbeirat 6 finanziert.

(Text: PM Stadt Frankfurt)