Umweltamt Wiesbaden: Künstliches Licht belastet Pflanzen- und Tierwelt

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(Symbolbild: Aron Yigin auf Unsplash)

Nicht nur das Herbstlaub leuchtet derzeit kräftig, auch die Beleuchtung von Straßen, Grünflächen und Gebäuden setzt nun wieder früher ein. Mit bisweilen ungünstigen Auswirkungen. Schon lange bekannt ist der „Staubsaugereffekt“ von Lampen auf Insekten, die entweder bis zur Erschöpfung im Lichtkegel kreisen oder auf angestrahlten Flächen inaktiv verharren.

Aber auch Tiere, die sich nun auf die Winterruhe vorbereiten, werden durch Licht stark beeinträchtigt. So müssen sich Igel vor dem Winterschlaf noch ordentliche Fettreserven anfressen und streifen auf der Suche nach am Boden lebenden Insekten umher. Dabei genügt bereits der Lichtkegel dekorativer Gartenleuchten um Verhaltensänderungen zu erzeugen. Igel meiden beleuchtete Bereiche, Nahrungsräume gehen verloren und kräftezehrende Umwege müssen zurückgelegt werden.

Auch einige Fledermäuse sind derzeit noch auf Beutefang bevor es in den Winterschlaf geht. Gelegentlich beobachtet wird dabei die im Lichtkegel jagende Zwergfledermaus. Unbekannt hingegen ist, das viele Fledermausarten Licht vollständig meiden, zum Teil reduzieren sie bereits in Vollmondnächten ihre Aktivität. Künstliche Beleuchtung, die um ein Vielfaches heller ist, wird somit zur undurchdringlichen Barriere und vertreibt sie aus ihren Nahrungsräumen.

Auch die gut gemeinte Abschaltung über Nacht löst nur einen Teil des Problems, denn die meisten Insekten und somit auch ihre Jäger sind in der Dämmerung aktiv. Diese für die Nahrungssuche wichtigsten zwei Stunden bei Sonnenuntergang werden durch Beleuchtung massiv beeinträchtigt.

Pflanzen reagieren ebenfalls auf künstliche Beleuchtung. In ihnen werden regenerative Prozesse vermindert, der oxydative Stress steigt an. Die in Städten ohnehin schon belasteten Bäume reagieren im Bereich von Lampen mit vergrößerten Blattflächen, einer längeren Öffnungsdauer der Poren und geringerer Trockenheitsresistenz. Ebenso bekannt sind Blüten- und Knospenbildungen auch in Kälteperioden sowie eine verzögerte Entlaubung im Herbst, beides macht für Frostschäden anfällig.

Warmweiße LED-Leuchten sind tierfreundlicher

Was also kann man tun, um ungünstige Auswirkungen von Beleuchtung zu reduzieren? Das Umweltamt empfiehlt, Licht nur dort einzusetzen, wo es unbedingt nötig ist. Wird Beleuchtung eingesetzt, so sind Leuchten in geringer Höhe zu montieren und auf notwendige Stellen wie etwa Wege und Treppen zu begrenzen. Wichtig ist auch die Abschirmung des Lichtstrahls nach oben und hinten, bzw. eine gerichtete Lenkung auf den Boden („Full-Cut-Off“). Ein staubdichtes, geschlossenes Gehäuse (Schutzklasse IP65) verhindert, dass Insekten eindringen, zudem sollte die Oberflächentemperatur unter 60 Grad Celsius liegen. Warmweiße LED-Leuchten bis 2.200 Kelvin Farbtemperatur sind tierfreundlicher und schaffen eine angenehme Atmosphäre. Grundsätzlich sollte die Beleuchtungsstärke auf das notwendige Maß gesenkt und die Dauer der Beleuchtung durch Zeitschaltuhren und Bewegungsmelder reduziert werden. Bäume und Sträucher bitte nicht anstrahlen, um darin lebende Tiere nicht zu stören.

(Text: PM Landeshauptstadt Wiesbaden)

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