Botschaft an künftige Generationen in Frankfurt

32
blank
Peter Hofmann, Ulrike Schubert, Lidija Esch und Stadtkämmerer Bergerhoff befüllen die Zeitkapsel. (Foto: Ben Kilb)

In der Turmspitze der Dreikönigskirche wird eine neue Zeitkapsel hinterlegt

Die Überraschung war groß, als im Sommer bei der Abnahme des Turmkreuzes der Dreikönigskirche ein Gruß aus der Vergangenheit entdeckt wurde. Zwei Zeitkapseln enthielten Dokumente aus der Zeit des Kirchenbaus um 1880, Münzen und ein geheimnisvolles Fläschchen. Wenn das Kreuz nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wieder an der Turmspitze montiert wird, kehren die Gegenstände in einem sicheren Behälter an ihren alten Platz zurück. Ergänzt wird die neue Zeitkapsel um Zeugnisse der Gegenwart. Stadtkämmerer Bastian Bergerhoff, der für die Dotationskirchen zuständige Dezernent, hat die Kapsel zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern der Dreikönigsgemeinde sowie lokaler Medien befüllt.

„Wir greifen die Tradition gerne auf und senden künftigen Generationen eine Botschaft aus unserer Zeit“, sagte Bergerhoff. „Wenn die Kapsel in einigen Jahrzehnten geöffnet wird, erfahren unsere Nachkommen, was bei der Sanierung des Kirchturms gemacht wurde und wer an den Arbeiten beteiligt war. Bei der Auswahl der Gegenstände für die Zeitkapsel haben wir uns am historischen Vorbild orientiert.“

In die neue Kapsel kommen Fotos von den Arbeiten an der Kirche, Listen mit allen Baumaßnahmen und den Beteiligten, Pläne, eine Anstecknadel mit Stadtwappen, ein aktueller Gemeindebrief sowie eine Broschüre zur Dreikönigskirche, ein Satz aktueller Münzen sowie eine Zwei-Euro-Gedenkmünze „Paulskirche“. Die Redaktionen der Frankfurter Tageszeitungen steuern Artikel bei, die in diesem Jahr zur Sanierung der Dreikönigskirche und zum Fund der Zeitkapseln erschienen sind. Und schließlich kommt in die Zeitkapsel ein neues Fläschchen mit einem Getränk. Um was es sich dabei handelt, wird nicht verraten. „Wir geben damit denjenigen, die das Fläschchen finden, ein kleines Rätsel auf – so wie wir immer noch rätseln, welche Flüssigkeit uns die Erbauer der Kirche im 19. Jahrhundert hinterlassen haben“, sagte Bergerhoff.

Tatsächlich ist immer noch unklar, was sich in dem Fläschchen befindet, das in der Turmspitze gefunden wurde. Bisher gibt es nur vage Hinweise: Die Frankfurter Berufsfeuerwehr hat mit einem speziellen Messgerät herausgefunden, dass die gelbliche Flüssigkeit Alkohol und Zucker enthält. Ein weiterer Fingerzeig findet sich in einem Brief, der sich in einer der beiden Zeitkapseln befand und den am Bau der Kirche beteiligte Handwerker verfassten. Sie äußern den Wunsch, einen Schluck Nordhäuser – also Korn – auf ihr Wohl zu trinken, „und sollten auch unsre Körper schon unter der Erd ligen“. „Diesen Wunsch erfüllen wir den Erbauern der Dreikönigskirche gerne“, sagte Bergerhoff.

Das restaurierte Turmkreuz, der Wetterhahn und die neu vergoldete Kupferkugel werden voraussichtlich am Donnerstag, 11. November, wieder an der Turmspitze in rund 75 Meter Höhe montiert. In der Kugel wird die neue Zeitkapsel mit historischem und aktuellem Inhalt deponiert. Der Verlauf der Montagearbeiten, für die ein großer Autokran benötigt wird, hängt von der Witterung ab. Die Bauteile an der Turmspitze mussten restauriert werden, da sie eine stark fortgeschrittene Korrosion zeigten. Um die maximale Schutzdauer zu erreichen, wurde das Kreuz feuerverzinkt und mit Eisenglimmer beschichtet. Wetterhahn und Kugel wurden neu vergoldet.

Die Dreikönigskirche wurde zwischen 1875 und 1881 nach Plänen des Kirchenbaumeisters Franz Josef Denzinger erbaut. In die derzeit laufende Sanierung investiert die Stadt Frankfurt insgesamt 3,3 Millionen Euro. Im dritten und letzten Bauabschnitt werden unter der Leitung des Amtes für Bau und Immobilien die Fassade und das Dach des Kirchturms bearbeitet. Ziel der Sanierung ist es, die intakte historische Bausubstanz zu erhalten und die geschädigten und verwitterten Bauteile unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Anforderungen und unter Beachtung der Standsicherheit instandzusetzen. Unter anderem wird die Schieferdeckung des Turmdaches ersetzt. Zudem werden Verglasungen repariert, die Böden der Balkone abgedichtet und die innenliegende Stahlkonstruktion beschichtet. 2023 sollen die Sanierungsarbeiten beendet sein.

„Wegen des ungewöhnlich hohen Gerüsts ist die Turmsanierung eine der aufwendigsten Baustellen in Frankfurt“, sagte Stadtkämmerer Bergerhoff. Nach Abschluss der Arbeiten wird sich die markante Kirche am Mainufer, die auch als evangelischer Dom bekannt ist, wieder in einem guten Bauzustand befinden.“ Die Dreikönigskirche zählt zu den acht Dotationskirchen, zu deren Unterhalt die Stadt Frankfurt am Main verpflichtet ist. Diese Verpflichtung nimmt das Kassen- und Steueramt wahr, das zum Dezernat des Stadtkämmerers gehört.

(Text: PM Stadt Frankfurt)