Zentrale Gedenkstunde des Landes Hessen in der Paulskirche zum Volkstrauertag

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Ministerpräsident Volker Bouffier spricht in der Paulskirche. (Foto: Volksbund Hessen)

Am Sonntag, 14. November, hat in der Paulskirche die zentrale Gedenkstunde des Landes Hessen stattgefunden. „Erinnern und eine friedliche Zukunft gestalten – dies ist der Grundgedanke des Volkstrauertages“, sagte Staatsminister a. D. Karl Starzacher, der Landesvorsitzende des Volksbundes in Hessen.

In seiner Begrüßung betonte Stadtkämmerer Bastian Bergerhoff, dass die Paulskirche ein besonders würdiger Rahmen für die Gedenkstunde sei. „Kein anderer Ort in Frankfurt steht mehr für Demokratie, Menschenrechte und Frieden“, sagte er. Neben der Erinnerung an die Opfer früherer Kriege sei es wichtig, auch diejenigen im Blick zu haben, die sich auf der Flucht vor aktuellen gewaltsamen Auseinandersetzungen befinden.

Mit ihren selbst verfassten Gedichten und Kurzgeschichten erinnerten die Schülerinnen und Schüler der Dieburger Goetheschule an die Schrecken und die Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft – in Vergangenheit und Gegenwart. Sie stellten selbstkritisch und warnend fest: „Heutzutage nehmen wir das alles für selbstverständlich. Aber wenn wir nicht aufpassen, ist Frieden vergänglich. Pandemien, Klimawandel, Kriege, wir haben Probleme und zwar viel zu viele.“ Gleichzeitig teilten die Jugendlichen ihre ganz persönlichen Wünsche und Visionen für eine Zukunft ohne Krieg und Gewalt: „Kriege müssen beendet werden, dass wir uns wichtigeren Dingen zuwenden. Keine Leben grundlos beenden. Solidarität, weltweites Leben als Einheit, das ist der einzige Weg zur wahren Freiheit!“ Die von den Jugendlichen ausgewählten Liedbeiträge „Imagine“ und „Was keiner wagt“ setzten, nicht zuletzt durch den emotinalen Vortrag des Schulchors „Melody“, zusätzliche Akzente und waren Teil der gemeinsamen Botschaft.

Dass diese Botschaft ein verpflichtender Auftrag an uns Lebende ist, bekundet jährlich auch das zum Volkstrauertag vorgetragene offizielle Totengedenken. Dort heißt es: „Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt Opfer geworden sind. Wir gedenken der Opfer von Terrorismus und Extremismus, Antisemitismus und Rassismus in unserem Land. Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten und teilen ihren Schmerz. Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.“

In seiner Gedenkrede reagierte Ministerpräsident Volker Bouffier insbesondere auf den wichtigen Impuls der Jugendlichen und führte aus, dass es zu den großen Errungenschaften gehöre, „dass wir heute sagen können: Wir leben in einem friedlichen und geeinten Europa. Das war und ist keine Selbstverständlichkeit, daran müssen wir jeden Tag immer wieder aufs Neue und entschlossen arbeiten. Wir erleben noch immer, dass rechtsextremes Gedankengut in unserem Land auf fruchtbaren Boden trifft. In Hessen und in Deutschland darf es aber keinerlei Platz für Rassismus und Antisemitismus, für Hass und Hetze geben – dafür werden wir auch künftig mit allen Mitteln des Rechtsstaats eintreten und wir werden Haltung zeigen: gegen Rechtsextremismus und für eine starke Demokratie.“

Auch in diesem Zusammenhang dankte er dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge für die Form des Erinnerns und des würdigen Andenkens seit Jahrzehnten: „Seit mehr als hundert Jahren kümmern sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Volksbundes um die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, informieren und beraten Angehörige und öffentliche Stellen in der Kriegsgräberfürsorge oder bei der Suche nach der Ruhestätte. Sie geben ihr Wissen und ihre Erfahrungen an die junge Generation weiter und praktizieren so eine gelebte Erinnerungskultur. Für diese Arbeit spreche ich Ihnen meinen außerordentlichen Dank aus.“

(Text: PM Stadt Frankfurt)