Bundesverdienstkreuz für Ernes Erko Kalac aus Eppertshausen

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Wenn es der Sache dient, setzt sich Ernes Erko Kalac für einen Vortrag über Inklusion auch mal in den Rollstuhl. (Foto: jedö)

Im Grunde hätte Ernes Erko Kalac nur noch ein paar Tage warten müssen, um die höchstrangige Person der Bundesrepublik Deutschland in direkter Nachbarschaft zu treffen: Am 14. Dezember kommt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anlässlich der Aufzeichnung der ZDF-Sendung „Weihnachten mit dem Bundespräsidenten“ in die Dieburger Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul. Aus bestem Grund traf Kalac aber schon am Freitag in Berlin mit Steinmeier zusammen: Aus den Händen des Sozialdemokraten erhielt der 57-jährige Eppertshäuser das Bundesverdienstkreuz.

„Ich bin traurig und glücklich zugleich“, sagte Kalac nach der Veranstaltung im Bundespräsidialamt, bei der rund 15 Bürger (davon drei aus Hessen) mit dem hohen Orden ausgezeichnet wurden. „Traurig bin ich, weil meine Eltern nicht mehr dabei sein können und auch meine Schwester vor kurzem gestorben ist. Glücklich bin ich, weil ich etwas bekommen habe, was man nicht jeden Tag kriegt.“

Für das Bundesverdienstkreuz war Kalac von einer Reihe von Personen – Vertretern des Deutschen Karate-Verbands, aber auch weiteren Akteuren aus Politik und Sport – vorgeschlagen worden. Dies aus guten und mehreren Gründen, vor allem aber wegen seiner ehrenamtlichen Arbeit in Eppertshausen: Kalac gehört zu den Gründern des Gesundheits- und Kampfsportvereins Lotus Eppertshausen/Rödermark, dessen Vorsitzender er seit 18 Jahren ist. Neben den sportlichen Angeboten steht der Verein stets auch für umfassendes soziales Engagement. Der GKV Lotus lebt dies etwa durch kostenlose Mitgliedschaften für Ärmere, Spendengalas und inklusives Training. „Wir wirken integrativ, inklusiv und sozial“, betont der nun hoch Dekorierte, dass die soziale Schicht, der Grad körperlicher und sozialer Behinderung oder die Herkunft in seinem Verein keine Rolle spiele.

Ein Vorbild für viele Einwanderer

Kalac ist zudem mit seiner persönlichen Vita vielen Einwanderern in Eppertshausen ein Vorbild. Als junger Mann floh er in den 90ern vor dem Krieg aus Montenegro, fand in Südhessen seine neue Heimat. Als Karateka gehörte er einst zur Weltklasse, wurde beispielsweise Europameister und Weltcup-Sieger im Kumite (Kampf) und holte auch in der Kata (Formenlauf) internationale Erfolge. Als Trainer brachte er ebenfalls Spitzensportler voran, ist mit den Größen der Verbände bestens vernetzt. Dies nutzte er in jüngerer Vergangenheit auch, dem in Urberach wohnenden und im GKV Lotus als Trainer tätigen Syrer Wael Shueb die Olympia-Teilnahme im IOC-Flüchtlingsteam zu ermöglichen (wir berichteten).

Beruflich ist der von den meisten „Erko“ genannte Eppertshäuser selbstständig und betreibt ein Unternehmen, das Bildung und Sport fördert. Außerdem hat er ein Buch mit dem Titel „Faszination und Integrative Kraft des Sports – Geschichte eines Geflüchteten“ geschrieben, das er dem Bundespräsidenten am Freitag überreichte. Nach der Veranstaltung konstatierte Erko Kalac: „Ich bin dankbar und glücklich, dass ich in diesem Land in Frieden und Freiheit leben darf. Hier kann man kreativ sein und sich Anerkennung erwerben. Ich bin stolz, deutscher Staatsbürger zu sein.“

(Text: jedö)