Keine Fohlen: Wildpferd-Hengst Heiper aufs Muna-Areal in Münster versetzt

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Wenn die Babenhäuser Wildpferde aus dem Morgennebel auftauchen, wirken sie besonders majestätisch. Der Hengst der nun nur noch fünf Stuten umfassenden Herde wurde vor wenigen Tagen wie ein weiteres Exemplar aus Schweinheim aufs Münsterer Muna-Gelände umgesiedelt. Im Frühjahr 2022 soll ein neues Männchen kommen und für die ersehnten Fohlen sorgen. (Foto: jedö)

Die Wildpferd-Stuten im Babenhäuser Schutzgebiet „In den Rödern“ kriegen im Frühjahr ein neues Männchen, das endlich für Nachwuchs sorgen soll / Münsterer Herde jetzt sieben statt fünf Tiere groß

Seit 2014 grast eine kleine Herde Przewalski-Pferde im Babenhäuser Schutzgebiet „In den Rödern“. Bislang bewegten sich die fünf Stuten Wera, Wendy, Walli, Wanda und Wilma gemeinsam mit Hengst Heiper über die 68 Hektar große Fläche, die Flora-Fauna-Habitat und Vogelschutz-Gebiet zugleich ist und dem europäischen Schutzgebiets-Netz „Natura 2000“ angehört. Seit wenigen Tagen sind die Weibchen wieder unter sich: Weil Heiper keinen Nachwuchs zeugte, wurde er vergangene Woche aufs Münsterer Muna-Areal umgesiedelt.

In der mehr als 200 Hektar großen Muna-Landschaft, wo 2020 eine (2021 schon zwei Kälber gebärende) Wisentherde angesiedelt wurde und dieses Frühjahr Wildpferde hinzukamen, wächst die Herde nicht nur durch Heiper. Neben dem siebenjährigen Hengst aus Babenhausen erweitert dort seit kurzem auch ein zuvor in Schweinheim beheimatetes Männchen die Gruppe. Aus den bisher fünf Muna-Hengsten, die bisher nicht der Öffentlichkeit präsentiert wurden (aber tatsächlich da sind), sind damit sieben geworden. Die rein männliche Herde ist für die Pferde so lange unproblematisch, wie keine Stuten das Zusammenleben aufmischen.

Die Altheimerin Marion Nigl ist als Pflegerin der Wildpferde täglichen im Babenhäuser Schutzgebiet „In den Rödern“ zugegen. (Foto: jedö)

Den fünf in Babenhausen verbliebenen Weibchen darf hingegen nur ein Männchen zugeführt werden – was auch passieren soll, wie die täglich in den Rödern präsente Tierpflegerin Marion Nigl erläutert. „Im Frühjahr kommt ein neuer Hengst“, blickt die Altheimerin voraus. Wann genau und woher, ist noch offen. Das kürzlich von Schweinheim nach Münster gebrachte achtjährige Exemplar hat zwar schon mehrere Nachkommen gezeugt, dürfte mit Blick auf die gewünschte genetische Vielfalt der Fohlen aber ausscheiden. Die anderen Muna-Hengste sind zwischen drei und fünf Jahre alt.
Heiper ist sieben, doch bei ihm hatte der Bundesforst, der die Reservate als Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms für Przewalski-Pferde betreut, offenbar die Hoffnung verloren. Zwar machte der Hengst schon 2020 eifrig Decksprünge, nachdem er als Nachzügler von der Herde um die damalige Leitstute Wera (heute acht Jahre alt) akzeptiert worden war. Doch trächtig wurde keins der Weibchen – auch 2021 nicht, weshalb die Babenhäuser Pferde auch 2022 keine Fohlen zur Welt bringen und keinen neuen Beitrag zu den Arterhaltungs- und Wiederansiedlungs-Bestrebungen (vor allem für ihren natürlichen Lebensraum in der Mongolei) leisten werden.

Womöglich ist Heiper unfruchtbar, was aber noch nicht untersucht ist. Bei der jüngsten Umsiedlung des Tiers von Babenhausen nach Münster konnte er aber schon mal näher begutachtet werden: Seine Herde und er wurden in das Fanggitter in den Rödern gelockt, wo der Hengst schließlich betäubt und aufs Muna-Gelände gebracht wurde. Kommt der neue Hengst beispielsweise im März nach Babenhausen und hat er sich nach einigen Wochen an das Damenquintett gewöhnt, könnte es im Sommer 2022 mit der Zeugung klappen. Die ersten Babenhäuser Fohlen könnten nach der elfmonatigen Tragezeit somit frühestens 2023 zur Welt kommen.

Die Verhältnisse in der Babenhäuser Herde hätten sich in diesem Jahr unterdessen verändert, berichtet Pflegerin Marion Nigl: Leitstute Wera sei inzwischen zum rangniedrigen Teil der Gruppe degradiert worden. „Dafür ist Wendy, der sich Heiper irgendwann angeschlossen und der sie zunehmend verteidigt hat, aufgestiegen. Die beiden waren am Ende unzertrennlich.“ Nun, da sie doch getrennt wurden, sei es erneut spannend zu beobachten, wie sich die Rangordnung der fünf Babenhäuser Stuten verändern und wie der neue Hengst angenommen werde, den das Europäische Erhaltungszuchtprogramm auswählen wird.

(Text: jedö)

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