Paralympics 2026 als Ziel: Eppertshäuser Monoski-Fahrer Leon Gensert forciert seine Karriere

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Monoski-Fahrer Leon Gensert peilt die Paralympics 2026 in Italien an. (Foto: privat)

Das Ziel bleibt, Corona hin, schulische Anforderungen her: Leon Gensert will zu den Paralympischen Winterspielen. Die olympische Version für Menschen mit Behinderung findet 2022 in Peking und 2026 in Cortina d’Ampezzo statt. China kommt für den 17-jährigen Eppertshäuser, der auf der Dieburger Alfred-Delp-Schule das Abitur anpeilt, noch zu früh. In Italien will der junge Monoski-Fahrer auf jeden Fall dabei sein – und weiß in Kürze auch, in welche Klasse er eingruppiert wird.

Rückblende: Als Leon Gensert an einem Vormittag im Juni 2018 in der Münsterer Aue-Schule von einem Moment auf den anderen die Beine einschlafen, ist die Sorge groß. Die Diagnose und die Folgen sind bitter: Den bis dato völlig gesunden Teenager hatte ein extrem seltener Rückenmarks-Infarkt ereilt. Seither braucht Leon einen Rollstuhl, auch wenn die Reha der gelähmten Beine kleine Fortschritte bringt. „Der Prozess dauert extrem lang“, weiß Leon. „Ich kann die fehlende Muskulatur aber ganz gut mit dem Rumpf ausgleichen“, sagt der Eppertshäuser, dem es „immer noch ein Rätsel“ ist, weshalb der Infarkt damals gerade ihn heimsuchte.

Leon Gensert (Foto: privat)

Den Rollstuhl nutzt der Oberstufenschüler auch an der Dieburger ADS: „Damit ist es für mich im Alltag am leichtesten, und für meine neuen Mitschüler war das nach wenigen Tagen kein Thema mehr.“ Sobald er das Abitur in der Tasche hat, was 2024 der Fall sein soll, will er Medizin studieren. Als Studienort hat er Innsbruck ins Auge gefasst, was mit seiner sportlichen Leidenschaft und der Nähe zu den Alpen zu tun hat.
Denn Leon Gensert fährt längst äußerst ambitioniert Monoski. Über den SC Murnau ist er Teil des bayrischen Landeskaders, gehört seit 2019 zudem dem Nachwuchsteam des nationalen Para-Ski-Verbands an. „In den nächsten Jahren hoffe ich fest auf einen Platz in der deutschen A-Nationalmannschaft“, sagt das Talent und blickt noch weiter voraus: „Die Paralympics 2026 sind auf jeden Fall das Ziel – und vom heutigen Stand auf jeden Fall erreichbar.“

Dafür gibt der Eppertshäuser auch in der Corona-Zeit Vollgas, soweit das möglich ist: In der Saison 2020/21 konnte er ein halbes Dutzend Mal mit dem Nachwuchsteam des Deutschen Para Skiverbands trainieren und Rennen fahren. Zudem durfte er zweimal mit dem A-Team zu Europacup-Rennen. Beim ersten internationalen Wettkampf in Leogang schied er aufgrund fehlender Erfahrung noch aus, beim Rennen in Malbun kam er dann jedes Mal durch. Bestzeiten bei den Herren waren für den damals 16-Jährigen noch kein Thema, obgleich er schon Konkurrenten hinter sich ließ. „Da ich noch nicht so lange Monoski fahre, waren diese Rennen noch nicht hundertprozentig aussagekräftig“, weiß Leon um sein großes Potenzial.

Das schöpft er bislang im Slalom aus. „Abfahrt macht nach so kurzer Zeit noch keinen Sinn“, erläutert der Schüler. „Ich bekommen aber immer mehr Routine rein und meine Läufe werden immer konstanter.“ Mangels südhessischer Pisten trainierte er in diesem Jahr bereits zweimal in der Skihalle im nordrhein-westfälischen Neuss und dreimal in Österreich auf einem Gletscher oberhalb von Sölden. In Sachen Material ist er besonders dank des kontinuierlichen Sponsorings der Sparkasse gut ausgestattet. Im Gegensatz zu jenem Monoski, bei dem der Fahrer seine Beine bewegen kann, existiert in Leons Fall auf dem schmaleren Ski nur eine Bindung, auf der der gesamte Aufbau samt Sitzschale für den Fahrer montiert ist. Genutzt werden zur Unterstützung des Gleichgewichts und des Lenkens zudem – wie beim gewöhnlichen Skifahren und anders als beim Snowboarden – zwei Skistöcke. Ein Dämpfungssystem ersetzt zudem das Knie. Nur wenige Hersteller produzieren derlei Sportgeräte, die schnell einen hohen vierstelligen Betrag kosten können.

Für Leon Gensert stehen in diesem Winter nicht nur die nächsten sportlichen Schritte auf dem Programm, sondern auch die Klassifizierung. „Ich komme vermutlich in die Klasse 12-1“, blickt er voraus. Kategorisiert wird je nach Beinfunktion und Rumpfstabilität, in die Gruppen „stehend“, „gehbehindert“ und „sitzend“ – in Leons Fall wird es letztere werden. Doch auch abseits der sportlichen Entwicklung hat die jüngere Vergangenheit das Monoski-Talent geprägt, wie ihm sein Vater Thomas Gensert attestiert: „Da in der abgelaufenen Saison coronabedingt keine Begleitpersonen erlaubt waren, hat Leon gelernt, alleine zu reisen – und großen Spaß daran gefunden. In der Zwischenzeit fährt er meistens mit der Bahn und wird dann vor Ort von den Trainern abgeholt.“ So sei dann „Corona für ihn auch ein großer Schritt in die Selbstständigkeit gewesen“.

(Text: jedö)