Henni schneller als der Ball – Interview mit Henni Nachtsheim, Mitglied der Comedy Legende Badesalz Theater

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Henni im Eintracht Stadion mit Eintracht Schal.

Michael Kercher: Lieber Henni, verrate uns doch zuerst einmal, wann und wo du geboren bist.

Henni Nachtsheim:  Auf keinen Fall! Ich weiß genau, worauf Du hinauswillst. Aber ich kann auch nichts dafür, dass ich gerade noch in Wuppertal zur Welt gekommen bin, bevor meine Eltern, mein Bruder und ich am nächsten Tag nach Neu-Isenburg gezogen sind. Das war die Ungnade der frühen Geburt.

Michael: Wo bist du eigentlich auf die Schule gegangen und was für einen Abschluss hast du gemacht?

Henni: Ich war auf keinen Schulen, denn ich habe das sogenannte „Not-Abitur“. Das bekommt man in jedem gut sortierten Haushalts-Geschäft, und kostet 5 Euro. Das Abitur befindet sich in einem kleinen verglasten Rahmen, an dem seitlich ein Hammer befestigt ist. Wenn man dann das Abi irgendwann braucht, schlägt man mit dem Hammer das Glas ein und nimmt das Abi raus!

Michael: Weißt du eigentlich noch, wann wir uns kennengelernt haben und was der Anlass war?

Henni: Ich meine, es war in einem Proberaum und wir haben eine Session gemacht. Oder haben wir zuerst zusammen Fußball gespielt. Ich weiß noch, dass dir immer das Knie rausgesprungen ist.

Michael: Aber bevor du auf die Schule gegangen bist, warst du zuerst einmal im Kindergarten. Ein kleines Mäuschen hat mir erzählt, dass du zu Hause eine sensationelle Puppensammlung hattest. Wolltest du eigentlich zuerst eine Karriere im Stil der Augsburger Puppenkiste machen?

Henni: Ja, im Kindergarten war ich. Und eine recht große Puppensammlung hatte ich auch. Wobei es ja meist so ist, dass sowas im Laufe der Jahre in der Erinnerung immer größer wird. Irgendwann heißt es „Der Henni hatte ja damals um die 200 Puppen“, und in Wirklichkeit waren es acht! Aber genau weiß ich das nicht mehr. Auch nicht, wo ich die herhatte.

Michael: Verlassen wir den Kindergarten und die Puppen dieser Welt. Was kam danach bei dir zuerst? Der Fußball oder die Musik?

Erst kam der Fußball, dann die Musik

Henni: Der Fußball. Die Musik kam später dazu.

Michael: Bleiben wir zuerst einmal beim Fußball. Bei welchen Vereinen warst du aktiv?

Henni: Meine Mutter hatte mich damals bei der D-Jugend der Spvgg. Neu-Isenburg angemeldet. Ich war aber etwas dicklich, und spielte nur in der D4-Mannschaft. Und die wurde jedes Wochenende vom Gegner zweistellig zerlegt. Deswegen habe ich es danach erst mal mit dem Zusammenbasteln von Model-Flugzeugen versucht. Was auch nicht so richtig gut gelaufen ist, weil meine „kleinen Uhus“ (so hießen die Flieger) zwar immer gut geflogen, aber nie zurückgekommen, sondern irgendwann am Himmel einfach verschwunden sind. Über Umwege bin ich dann wieder zurück zum Fußball gekommen, erst bei der SKG Sprendlingen, und dann wieder bis zu den Junioren in Neu-Isenburg

Michael: Du warst ja bekannt für deine unglaubliche Schnelligkeit und oft haben deine Gegner dich nur von hinten gesehen. Wer war schneller; der Ball oder du?

Henni: Das war im Nachhinein betrachtet egal. Denn Geschwindigkeit ist nicht alles. Wenn du nicht im Griff hast, nutzt sie dir auch nichts, wenn Du nach einem Vollspeed-Flankenlauf plötzlich auf der Umgehungsstraße hinterm Sportplatz stehst. Soll heißen: ich war schnell, aber fußballerisch limitiert.

Michael: Was war deine Lieblingsposition?

Henni: Rechtsaußen, was ich ausschließlich sportlich meine!

Michael: Was war dein größter Erfolg auf dem Fußballplatz? Und sage mir jetzt bitte nicht, ein Tor gegen Michael Kercher schießen (lacht).

Henni: Ich habe mal mit unserer Musikermannschaft „Flamengo Kamasutra“ bei einem Spiel in Bremen gegen eine NDR-Mannschaft aus 25 Metern in den Winkel getroffen. Das Besondere war, dass bei denen Jörg Wontorra im Tor stand!

Michael: Was war generell im Sport dein persönliches emotionalstes Erlebnis?

Henni: Auch wenn es nicht besonders originell ist: der Eintracht-Pokalsieg gegen die Bayern.

Michael: Hast du dich beim Fußball jemals schwer verletzt?

Saxophon auf dem Barhocker

Henni: Ja. Ich habe mir im Winter auf gefrorenem Trainingsplatz am Buchenbusch die Bänder im rechten Knie gefetzt und musste monatelang pausieren. In der Zeit habe ich auch in einer Band gespielt. Und dann schnell begriffen, dass man auch mit gerissenen Bändern, auf einem Barhocker sitzend, singen oder Saxophon spielen kann!

Michael: Wann und warum hast du deine Fußball Karriere beendet?

Henni: Weil es nie wirklich eine war. Ich konnte ganz gut kicken, aber zu etwas Höherem hätte es nie und nimmer gereicht.

Michael: Pflegst du heute noch Kontakte zu dem ein oder anderen deiner damaligen Fußball-Kumpels?

Henni: Ja, einer der Jungs war witziger Weise gerade heute Nachmittag bei mir zu Besuch!

Michael: Du bist ja dafür bekannt ein treuer Freund fürs Leben zu sein; welche Kontakte zu deinen alten Freunden hast du heute noch? Das gilt natürlich nicht jetzt nur für den Fußball.

Henni: Es gibt tatsächlich ein paar große, wertvolle und unzerstörbare Freundschaften, sowohl zu Männern als auch zu Frauen, über die ich mich unverändert wahnsinnig freue!

Michael: Und wer ist heute dein Lieblingsverein? Ich weiß, das ist ein offenes Geheimnis. Aber vielleicht magst du uns ja trotzdem etwas dazu erzählen.

Henni: Gut, das ist vermutlich eher das Gegenteil von einem Geheimnis. Ich gehe seit meinem 14. Lebensjahr zur Eintracht, und bin dem Verein, wie viele andere Eintracht-Fans auch, emotional hilflos ausgeliefert.

Michael: Bist du heute immer noch dann und wann live im Stadion?

Henni: Ja, ab und zu. Das letzte Mal war ich beim Geisterspiel gegen Schalke, weil ich als Co-Kommentator beim Eintracht-Radio eingeladen war. Das war schon eigenartig.

Michael: Aber dein sportliches Interesse ist ja nicht nur auf dem Fußball fixiert. Welche Sportarten gefallen dir sonst noch?

Henni: Eishockey. Ich bin…ebenfalls schon lange…großer Fan der Frankfurter Löwen.

Ein Meistersong für die Löwen

Michael: Für die hast du ja sogar eine Hymne komponiert. Wie kam es dazu?

Henni: Jemand vom Verein hat mich angerufen und gefragt, ob ich das machen möchte!

Michael: Als die Löwen damals deutscher Eishockey-Meister waren, gab es ja eine sensationelle Inszenierung deines Songs auf dem heiligen Eis. Ich durfte damals als einer von fünf Schlagzeugern mitmachen und habe bis heute immer noch ein Gänsehautfeeling, wenn ich daran denke. Wie hast du das damals empfunden?

Henni: Der Song war ja sozusagen das „Lied zur Meisterschaft“. Und an die Präsentation in der Eissporthalle erinnere ich mich noch sehr gut. Ich war wirklich nervös, weil ich natürlich um die Unbestechlichkeit von Fans wusste, und mir klar war, dass, wenn ihnen der Song nicht gefallen würde, es vermutlich eher Pfiffe geben würde. Und dann sind wir auf dem Eis vor die Kurve gelaufen und haben den Song performt. Und zum Glück hat er ihnen gefallen!

Michael: Der Song zur Meisterschaft hieß ja kühler Kopf und hessisches Herz. Ich verstehe bis heute nicht, dass dieser Song nicht Nummer eins der Charts wurde. Was fehlt dem deutschen Publikum, um dich richtig zu verstehen?

Henni: Naja, in Berlin oder Hamburg werden sie einen Song für einen hessischen Eishockeyverein nur bedingt gut gefunden haben. Ich bin ehrlich super zufrieden, dass das Lied seine Anerkennung im Club bekommen hat, und immer noch mal gespielt wird. Das reicht mir absolut!

Michael: Wir haben ja nun schon einmal den Bogen vom Sport zur Musik gespannt und festgestellt, dass sich beides sehr berührt. Kommen wir zurück zu den Wurzeln. Wann hast du mit der Musik angefangen?

Henni: Da dürfte ich ungefähr 16 gewesen sein.

Michael: Wie hieß deine erste Band und welche Rolle hat dein Bruder Stefan bei deiner musikalischen Karriere gespielt?

Henni: Meine 1.Band hieß „Kotzbrocken“. Ich weiß, Spitzenname! Und auch das Plakat hatte internationale Qualität. Die Karikatur eines betrunkenen Mannes, der sich übergibt. Und in den verschiedenen Brocken waren unsere Gesichter eingezeichnet. Mal ehrlich, sowas ist selbst den berühmtesten Punkbands nicht eingefallen! Danach durfte ich in der neugegründeten Brassrock-Band meines Bruders als Anfänger-Saxophonist mitspielen. Die hieß „Space Fart“, was soviel wie Weltraum-Furz heißt. Womit ich mich allein vom Bandnamen her schon mal stark verbessert hatte! Dann spielte ich parallel dazu in einer Jazz-Rock-Formation namens „Hartz Reinhard-Revival“.

Michael: „Space Fart“ war ja eine der ersten Bands, welche auf einem professionellen Niveau Songs von Chicago nachgespielt haben. Welches waren denn deine musikalischen Vorbilder?

Henni: Damals die Bands von denen wir auch Stücke gespielt haben. „Blood, Sweat and Tears“ oder „Ides of March”. Der Favorit aber war tatsächlich “Chicago”.

Michael: Du hast mir damals erzählt, dass dein Bruder sich sehr in der Organisation der Band aufgerieben hat und noch ein viel besserer Musiker und Gitarrist hätte werden können, wenn er sich nur seiner Musik gewidmet hätte. Hat Stefan das jemals bereut?

Henni: Das weiß ich nicht. Ich bin nicht mal sicher, ob er das überhaupt auch so gesehen hat. Auf jeden Fall war und ist er ein sau guter Musiker, dem ich bezüglich meines Werdegangs viel zu verdanken habe. Nicht alles, aber viel! Auf jeden Fall rechne ich ihm auch heute noch hoch an, dass er mir damals die Chance gegeben hat als Neuling in seiner Band einzusteigen.

Michael: Wie geht es deinem Bruder heute und macht er noch Musik?

Henni: Es geht ihm ganz gut. Und ja, er schreibt seit Jahren wieder eigene Songs, mal Abteilung „Blues-Rock“ mal „Funk“. Das Beste sind aber seine Videos dazu. Ich durfte schon in einigen mitwirken, und liebe sie wirklich. Wen das interessiert, der kann sich es anschauen: www.nachtsheim.de

Ein monotoner Meilenstein

Michael: Kommen wir zu einem nächsten Meilenstein deiner Karriere. Wie kam es dazu, dass du bei den Rodgau Monotones eingestiegen bist?

Henni: Ich kannte ja Mob und Osti schon von „Hartz Reinhard“ und irgendwann bin ich mal auf einer Probe von ihnen gelandet. Was auch damit zu tun hatte, dass ich ihnen den Proberaum über Beziehungen besorgt hatte. Und irgendwann haben sie mir angeboten, als Saxophonist und 2.Sänger einzusteigen.

Michael: Musstest du damals eigentlich sehr um Bühnenpräsenz kämpfen? Als ich die Rodgau Monotones das erste Mal gesehen habe, spielten sie fast ausschließlich ZZ Top Cover. Gitarre, Bass und Schlagzeug und dann Henni. Wie ging das mit dir zusammen?

Henni: Erstmal lag der Schwerpunkt auf 2.Stimme singen.

Michael: Unstrittig ist allerdings aber auch, dass der Erfolg der Rodgau Monotones erst durch dein Einsteigen richtig groß wurde. Legendär waren eure Interpretationen von internationalen Hits mit deutschen Texten. Bei eurer Version von Pink Floyds legendärem „Brick in the Wall“ mit eurer noch legendäreren Interpretation des Kaiserpilsners vom Fass habe ich mir damals fast in die Hose gemacht. Was waren damals deine Lieblingslieder?

Henni: Ein Favorit war natürlich „So lonely“ von Police, weil ich das seinerzeit gut singen konnte. Generell gefiel mir aber immer, dass die Band…auch bei albernen deutschen Textversion berühmter Stücke…musikalisch immer höchst anspruchsvoll und seriös an die Sache gegangen ist. So Banane auch ein Text war, von der Musik her war es immer top!

Michael: Hast du damals lieber selbst komponiert oder hattest du mehr Spaß daran die Original Songs ein bisschen auf die Schippe zu nehmen?

Henni: Das Entwickeln von eigenen Stücken…vorzugsweise mit Ali…war immer das Schönste! Und wenn dann Songs auch noch gut ankamen, war das das Größte!

Michael: Jetzt verrate ich dir mal was mein unglaublichstes Erlebnis bei einem von deinen Konzerten war. Es war vor vielen, vielen Jahren im Treffpunkt in Neu-Isenburg. Damals brachtet ihr eine unglaubliche Version von Bird Land auf die Bühne. Das ist eigentlich ein Jazz Rock Stück was mit den Rodgau Monotones überhaupt nichts zu tun hat. Ihr habt es in einer so unglaublichen Version gespielt, dass mir heute noch der Mund offen steht, wenn ich daran denke. Für mich ein absolutes Highlight. Kannst du dich selbst überhaupt noch daran erinnern?

Henni: Ja, kann ich. Ich selbst wusste ja, dass die Band noch viel mehr konnte bzw. kann als ihr bekanntes Repertoire, auch wenn das allein schon der Hammer ist. Aber es gab natürlich auch immer Leute, die die Band unterschätzt haben. Und da war es manchmal ganz schön, kurz zu zeigen, dass das unberechtigt war!

Michael: Nun kenne ich dich ja auch durch nicht enden wollende Jam-Sessions im Keller vom Treffpunkt. Damals haben viele Musiker sich die Grundlagen und Körner für ihre Live Konzerte geholt. Welche Bedeutung hat denn diese Jam-Sessions für dich?

Henni: Bei Jam-Sessions gibt es ja neben den guten, ergiebigen Momenten auch die des Leerlaufes oder auch des Misslingens. Und je mehr man lernt, damit entspannt umzugehen, und trotzdem weiterzuspielen, umso mehr profitiert man später auf der Bühne davon. Das gilt nicht nur für Musik, sondern auch für Sprache. Ich glaube, dass diese Sessions unglaublich gutes Training für mich waren. Auch wenn ich das damals noch gar nicht wusste!

Henni: Da wir gerade über unsere gemeinsame Vergangenheit reden, würde ich zur Abwechslung gerne mal Dich etwas fragen?

Michael: Nämlich?

Henni: Weißt Du eigentlich, welche ganz spezielle Rolle Du in meinem Künstlerleben gespielt hast?

Michael: Ich habe wirklich keine Ahnung!

Die erste Gage gab es in Sachsenhausen

Henni: Du warst tatsächlich der Erste, der mir eine Gage ausgezahlt hat!

Michael: Im Ernst? Wann und wo war das denn? Und vor allem….wie hoch war die Gage? (grinst)

Henni: Das war nach einem Auftritt im ‚Jazz-Life“ in Frankfurt-Sachsenhausen. Wie Deine Formation damals hieß, weiß ich nicht mehr ganz genau. Aber Du hattest mich als Saxophonist dazu geholt. Und mir dann nach dem Auftritt 20 Mark gegeben. Ich weiß noch, dass ich gedacht habe „Wow, man kann mit Musik sogar Geld verdienen!“

Anmerkung der Redaktion: Die Band hieß Aguirre und gab damals circa 150 Konzerte im Jahr in ganz Deutschland.

Michael: Wie oft bist du eigentlich im Treffpunkt aufgetreten? Und in wie viel unterschiedlichen Formationen?

Henni: Ich weiß es nicht ganz genau, aber komme so auf ungefähr zehn verschiedene Formationen, und vielleicht 50 Auftritte. Da dürftest du deutlich mehr vorzuweisen haben.

Michael: War der Treffpunkt eigentlich damals deine Lieblingskneipe oder bist du lieber in den, nur ein paar Meter entfernten, Schoppeklopper gegangen?

Henni: So sehr ich den „Schoppeklopper“ auch gemocht habe….der „Treffer“ war immer die Nummer 1.

Michael: Was war deine schönste Geschichte oder dein lustigstes Erlebnis aus dieser Zeit?

Henni: Das war neben den vielen Auftritten vor allem das Nacht-Nackt-Fahrradrennen, das sie eines Nachts im „Schoppeklopper „veranstaltet haben. Jeder, der mitmachen wollte, musste splitterfasernackt, und nur mit einem Sturzhelm ausgestattet, einmal um den Block fahren. Mein bis heute größtes Sportevent ever!

Michael: Zurück zu Musik: was machst du eigentlich lieber? Singen, Saxophon spielen oder die Menschen zum Lachen bringen?

Henni: Bei Badesalz kann ich alles an einem Abend zusammen machen. Und die Mischung ist perfekt für mich!

Michael: Du warst ja vor den Konzerten oft sehr nervös. Das gipfelte bei eurem Auftritt im Rockpalast. Damals hast du dich vor dem Konzert auf der Toilette übergeben. Konntest du das Konzert trotzdem genießen?

Henni: Ging so.

Michael: Bist du heute immer noch genauso nervös oder hat sich das inzwischen gelegt?

Alter schützt nicht vor Nervosität

Henni: Dafür, dass ich das schon so lange mache, ist es schon erstaunlich, wie nervös ich vor einem Auftritt bin. Wobei es egal ist, ob das in einer großen Halle oder einem eher kleinen Club ist. Aber zum Glück legt sich das immer schnell auf der Bühne!

Michael: In den achtziger Jahren gab es ja einige Bands aus Hessen, welche überregionalen Erfolg hatten. Dazu gehörten die Crackers, Hob Goblin, Flatsch und natürlich die Rodgau Monotones. Mit welcher Band wart ihr am meisten bei Festivals zusammen auf der Bühne?

Henni: Ich denke, am meisten mit Flatsch!

Michael: Wer hatte letztendlich die Idee, das Badesalz-Theater zu gründen und wie kam es dazu?

Henni: Gerd und ich haben uns erst bei einem gemeinsamen Auftritt unserer Bands im Volksbildungsheim kennen gelernt, und dann, ein paar Monate später, auf dem Geburtstag von unserem Monotones-Drummer Mob, lange zusammen gesessen. Als wir gemerkt haben, dass wir einen sehr ähnlichen Humor haben, und beide gerne neben den Bands noch was Anderes machen würden, haben wir uns verabredet. Dann haben wir zusammen rumgesponnen, und so ist…jetzt mal stark verkürzt…Badesalz entstanden.

Michael: Wie schwer ist es dir gefallen die Rodgau Monotones zu verlassen?

Henni: Sehr schwer! Ich hatte wirklich eine irre Zeit mit der Band, die mich geprägt hat, und die ich genossen habe. Aber als das mit Badesalz größer wurde, habe ich kapiert, dass ich beides zusammen nicht schaffe, und Gefahr laufe, dem Ganzen, z.B. kreativ nicht mehr gerecht zu werden. Also habe ich mich entschieden. Was ich, so sehr ich die Monotones auch schätze, bis heute auch nicht bereut habe.

Michael: Ist es eigentlich anstrengend, wenn jedermann von einem erwartet immer lustig zu sein?

Henni: Das kann man so gar nicht sagen. Wenn wir auf der Bühne stehen, haben die Leute schon eine gewisse Erwartungshaltung, und das sollen sie ja ruhig auch! Zumal das ja auch Ansporn für Gerd und mich ist, und wir deshalb auch an jedem neuen Programm fast 1 Jahr arbeiten. Aber ansonsten empfinde ich das nicht ständig so.

Michael: Prinzipiell bist du ja ein sehr nahbarer Mensch. Gibt es auch Momente, wo dir deine Fans zu nah kommen?

Henni: Ich steh nicht so auf angefasst werden. Aber sonst geht`s eigentlich meist.

Michael: Was war dein lustigstes Erlebnis in deiner Karriere?

Henni: Da gab es einige. Eines hatte ich mit Gerd in Frankfurt im Neuen Theater Höchst. Da spielten wir 11 Tage mit „Das Super Dong-Dong“. Am Ende der 1. Zugabe hatte Gerd noch einen Monolog, bevor er hinter die Bühne kam. Der wurde jeden Abend länger und länger…. Irgendwann habe ich auf einen großen weißen Pappdeckel „Weck mich!“ geschrieben und mich „schlafend“ auf die Couch in unserer Garderobe gelegt. Was Gerd laut lachend registriert hat, als er nach hinten kam. Kurz drauf, bei der nächsten Zugabe, spielte ich einen französischen Hypnotiseur, der sein weibliches Medium Marianne ankündigt und dann seitlich auf der Bühne holt. Natürlich gespielt von Gerd, in einem hellblauen Seidenkleid und mit langer schwarzer Perücke! Ich ging also zur Seite, drückte den Seitenvorhang beiseite, um ihn auf die Bühne zu führen. Da stand er…nur für mich sichtbar…mit meinem Schild, auf dessen Rückseite er „Fick mich!“ geschrieben hatte. Danach auf die Bühne zurückzugehen, und ernst weiterzuspielen, war eine der größten Herausforderungen meiner Bühnengeschichte!

Traurige Momente, die nachdenklich machen

Michael: Gibt es auch Momente, die dich sehr traurig gemacht haben?

Henni: Ja, natürlich. Der traurigste war die Nachricht vom Tod von Matthias Beltz, unserem so sehr gemochten und geschätzten Kabarett-Kollegen. Mit ihm hatten wir am Mittag dieses Tages noch ein ziemlich lustiges Interview geführt, und nur wenige Stunden später hatte er zuhause einen Herzinfarkt bekommen. Gerd und ich haben lange gebraucht, das auf die Reihe zu bekommen.

Henni: Es gab noch ein weiteres Erlebnis der negativen Art. Ich kann mich sogar noch genau an das Datum erinnern. Es war der 29. Mai 1985. Wir hatten ein Konzert mit den Rodgau Monotones in Saarbrücken. Während unseres Konzerts war gleichzeitig das Endspiel im Europacup der Landesmeister zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool. Das Spiel fand im Heysel-Stadion in Brüssel statt. Bei einem Song, bei dem ich gerade eine Spielpause hatte, schaute ich im Backstage Bereich auf dem Fernseher das Spiel an. Ich bekam mit, dass dort gerade richtig viele Menschen zu Tode kamen, weil die Fans von Liverpool die Juve-Anhänger vor sich hertrieben und es dabei zu Tumulten kam und dann sogar ein Teil des Stadions einstürzte und etliche Menschen unter sich begrub. Ich war völlig fassungslos und konnte mich aber niemand mitteilen, da außer mir das überhaupt keiner mitbekommen hatte. So ging ich zurück auf die Bühne und brachte irgendwie das Konzert zu Ende, obwohl ich mit meinen Gedanken in Brüssel war und die Bilder dieser Menschen nicht mehr aus meinem Kopf bekommen habe. Das blieb für mich ein wirklich fürchterliches Erlebnis während eines Konzerts.

Michael: Ich habe das damals tatsächlich zeitgleich auch live vor dem Fernseher mitbekommen und war noch Tage lang geschockt und fassungslos. Gab es eigentlich eine andere negative Bühnenerfahrung, die weniger dramatisch war?

Henni: Ja, da gab es tatsächlich noch etwas und auch da warst du mit dabei. Es war eine Veranstaltung in einem Autohaus, wo ich einen Soloauftritt hatte. Ich mach das echt nur ganz, ganz selten, aber die Betreiber haben gesagt, dass sie große Fans wären, und dass ich da doch unbedingt dabei sein sollte. Das gesamte Stand Up war völlig unpassend für meinen Auftritt und das Dauergeplapper im Hintergrund machte mich so durcheinander, dass ich mich auf einige wenige Zuhörer, die mir tatsächlich folgten und auch Spaß mit meinem Auftritt hatten fokussierte. Zu denen gehörtest auch du.

Michael: Auch daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich habe mich damals gewundert, warum du mich permanent persönlich angesprochen hast, bis ich begriffen hatte, dass du dich an ein paar Personen, die gewillt waren dir zuzuhören, festhalten musstest. Für dich war es ja nach deinem Auftritt zumindest vorbei, aber für mich ging es noch weiter, da wir mit meiner Band „the Gypsys“ nach dir dran waren. Aber der Moderator erklärte nach deinem Auftritt die Veranstaltung für beendet und wünschte dem Publikum einen guten Heimweg, während wir gerade dabei waren auf die Bühne zu gehen. Das war für alle Beteiligten so richtig schön peinlich. Und Publikum hatten wir dann zu unserem Konzert auch keines mehr. Aber zumindest ist uns das Dauergeplapper aus dem Hintergrund erspart geblieben und somit spielten wir ein paar wenige Stücke und sahen zu, dass wir nach Hause kamen. Ich glaube dieser Auftritt steht bei uns beiden gemeinsam auf der negativen Seite der Live-Erlebnisse.

Henni: Ja, war jetzt nicht unbedingt das, was man „künstlerisches Highlight“ nennt!

Michael: Wie kannst du am besten abschalten?

Henni: Mit Fußball und Serien!

Michael: Wärst du eigentlich lieber Fußballstar oder Rockstar geworden?

Henni: Ich bin ehrlich schon sehr zufrieden mit dem was ich erreicht habe!

Von Jürgen Grabowski bis Sebastian Haller

Michael: Wo wir gerade dabei sind; wer ist dein Lieblingsfußballer?

Henni: Von der alten Garde ganz klar Jürgen Grabowski, von der Jüngeren einer, der gar nicht mehr bei der Eintracht spielt….Sebastian Haller!

Michael: Darf ich einmal privat werden? Wann hast du dich zum ersten Mal verliebt?

Henni: Mit 14!

Michael: Hat deine erfolgreiche Karriere deine Chancen bei den Frauen beeinflusst?

Henni: Na klar!

Michael: Inzwischen bist du ja auch mehrfacher Familienvater. Was bedeutet dir deine Familie?

Henni: Auch wenn ich zweimal geschieden bin, bedeutet sie mir wahnsinnig viel. Ich habe drei großartige Kinder, und bin saufroh, mit deren Müttern ein inniges und freundschaftliches Verhältnis zu haben!

Michael: Wie viel Zeit verbringst du heute noch mit deinen Kindern und was machst du am liebsten mit ihnen?

Henni: Ich sehe alle ziemlich regelmäßig, sowohl meine beiden Töchter als auch meinen Sohn. Und eigentlich ist das immer vor allem mit Gesprächen, oft bei gemeinsamen Essen, verbunden. Mit meinem Sohn Max habe ich aber tatsächlich auch einen gemeinsamen Podcast. Kabel eins hatte eine Ausschreibung für ein Duo gemacht, das 1x die Woche über einen bestimmten Film reden soll. Ein Freund hat uns sozusagen eingereicht, und die „Vater-Sohn-Besetzung“ fanden sie cool. Wir sind jetzt schon in der 2. Staffel, und es ist echt ein saulustiger Podcast. Wen das interessiert, er heißt „Mein Vater, unsere Lieblingsfilme und ich!“ Mein Sohn Max hat übrigens einen coolen Spielzeug- und Merchandise-Shop in Rodgau Jügesheim. Das witzige ist, dass dieser Laden früher ein Geschäft für Babyausstattung war, in dem wir den ersten Kinderwagen für Max gekauft hatten. Und jetzt verkauft Max dort Spielzeug usw.  Verrückt, oder? Ein kleiner Tipp für jemand, der noch Geschenke sucht: Max hat auch einen Onlineshop. Dieser nennt sich Nerdy Terdy Gang, der Laden wiederum heißt Nerdy Terdy World. Ihr könnt ja gerne mal im Internet nachsehen.

Michael: Erwarten deine Kinder eigentlich auch, dass du sie zum Lachen bringst?

Henni: Nein. Ich glaub, sie sind schon zufrieden, wenn ich gut drauf bin.

Michael: Wie haben sich eigentlich die Maßnahmen zu Corona auf deine Karriere niedergeschlagen?

Henni: Erstmal so, wie für die meisten unserer Kollegen auch. Keine Auftritte, und somit auch keine Einnahmen.

Michael: Du warst ja schon immer sehr kreativ und voller Ideen; hat euch die Coronakrise auch inspiriert?

Nobbi und Ebbi legten den Server flach

Henni: Ja, das darf man so sagen. Im Sommer 2020 hatten wir die Schnauze voll, und haben unseren eigenen Radiosender gegründet…„Radio Badesalz“. Wir haben in meinem Haus einen ungenutzten Raum entrümpelt, zum Studio umgebaut, uns mit zwei Radio-Leuten zusammen getan und im September die 1. Sendung gestartet. Und ab da jede Woche eine Sendung von ungefähr 60 Minuten produziert. Mittlerweile sind wir in Staffel 4, und ziemlich happy, wie es läuft. „Radio Badesalz“ gibt es als Podcast auf allen gängigen Podcast-Portalen, wie z.B. Spotify, und mittlerweile haben wir 200.000 Abonnenten.

Radio Legende Volker Rebell empfahl uns zwei Radiomacher aus Mainz. Die haben uns beim Einrichten der Technik und allen weiteren wichtigen organisatorischen Fragen geholfen!  Und dann war es soweit… am Donnerstag, den 17.09.2020 gingen wir das erste Mal auf Sendung. Und nach ein paar Minuten brach der Server zusammen. Die Begeisterung und vor allem der Zuspruch zu „Radio Badesalz“  war und ist echt der Hammer! Wir moderieren übrigens nicht als Gerd und Henni, sondern Nobbi und Ebbi, die Badesalz-Fans auch aus „Aso-TV“ kennen können! Jetzt gehen wir demnächst bereits in Staffel 5. Und da man uns immer wieder gesagt hat, dass wir im Prinzip jede Woche eine Badesalz-CD abliefern, haben wir jetzt aus Staffel 1 tatsächlich auch eine gemacht: „Radio Badesalz – Vol.1“.  Von der wir schon nach ein paar Tagen die Erstauflage verkauft haben, und die in den Amazon Comedy Charts unter den Top Drei gelandet ist.

Michael: Was hat es denn eigentlich mit den „Batschers“ auf sich?

Henni: Da wir ja auch jede Menge Mini-Serien in den Sendungen haben, haben wir u.a. auch eine rund um eine Band gegründet. Die „Batschers“!  Vier nette Deppen, die Gerd und ich zusammen spielen. Ich bin der Sänger Mandel und der Schlagzeuger Tomtom, während Gerd die Rolle vom Gitarristen Gipskralle und dem Bassisten Quadro übernimmt. Im Prinzip planen wir die ganze Zeit unsere Welt Karriere, aber in Wirklichkeit trinken wir nur Bier.

Michael: Aber ich habe gehört, dass die Batschers schon einige Fans haben. Vor allem aber das Bier hat schon einige Fans gefunden. Wie kam es denn dazu?

Henni: Irgendwann hat Gerd gesagt „Es wäre doch eigentlich super, wenn es ein ‚Batschers-Bier‘ gäbe!“ Und mit dieser Idee sind wir nach Darmstadt zum Braustübl gefahren. Das ist eine Brauerei, geleitet von zwei jungen Männern, die tatsächlich auch Fans von unserer Radiosendung sind, und selbst regelmäßig „Radio Badesalz“ hören. Das hat die Verhandlungen extrem erleichtert (Henni lacht). Inzwischen haben wir schon 2000 Kästen Bier verkauft. Und im Frühjahr kommt eine Kampagne mit Sixpacks auf den Markt. Das Bier kann man übrigens auch in der Jahrhunderthalle in Frankfurt trinken. Womit wir auch schon bei unserer nächsten Idee wären, die uns 2020 kam.

Wir haben zusammen mit einer Produzentin und der Jahrhunderthalle Frankfurt die „Backstage-Safari“ entwickelt. Das ist eine Art „Online-Begehung“ der Jahrhunderthalle. Du kaufst ein Ticket, bekommst einen Einlass-Code, und kommst so virtuell in die Halle. Und egal wo Du hinkommst, ob an die Garderobe, den Backstage-Bereich oder die Großküche…überall erwartet dich schon das dort zuständige Personal. Immer gespielt von Gerd und mir.

Michael: Habt ihr während der Coronakrise noch weitere Radiosendungen gemacht?

Henni: Ja, direkt Ende Mai 2020 hat sich der SWR aus Mainz bei mir gemeldet. Die wollten eine Sendung namens Humor Office machen, und gefragt, ob ich da was beisteuern möchte. Woraufhin ich eine Mini-Serie namens „Käthe und Konrad in Quarantäne“ geschrieben und aufgenommen habe. Aus anfangs 4 geplanten Folgen wurden dann bis Frühjahr 2021 immerhin 37 Folgen!

Die längsten 10 Minuten meines Lebens

Michael: Gab es auch negative Corona Auftritte?

Henni: Leider ja: Ich habe bei einer Veranstaltung im Sommer bei einem Autokino eine zehnminütige Anmoderation gemacht, bei der ich die Geschichte von zwei Omas in einem Altersheim vorgetragen habe. Diese Geschichte sorgt normalerweise auf der Bühne für viele Lacher. In diesem Fall jedoch nicht. Vor mir parkten nur etliche schweigende Autos und das wurden dann die längsten 10 Minuten meines Lebens. Ich sagte hinterher zu Gerd: „Gerd, niemals werde ich mit Badesalz in einem Autokino auftreten!“ Darauf antwortete Gerd: „So ein Glück, dann brauchen wir darüber ja nicht zu diskutieren.“ Und somit waren wir uns wieder einmal sehr schnell einig.

Michael: Wo machst du eigentlich am liebsten Urlaub?

Henni: Ich war bzw. bin oft in Nord-Holland, das mag ich total. Aber egal wo ich auch bin, nach 2 Wochen bekomme ich tierisches Heimweh!

Michael: Was würdest du dir wünschen, wenn eine gute Fee dir drei Wünsche erfüllen würde?

Henni: Das werde ich hier auf keinen Fall verraten!

Michael: Was willst du eigentlich machen, wenn du irgendwann mal gar nicht mehr auf der Bühne stehst? Kann man in so einem Beruf wie du ihn betreibst überhaupt Gedanken an das Aufhören oder den Ruhestand verschwenden?

Henni: Irgendwann nicht mehr auf der Bühne stehen, kann ich mir gut vorstellen. Ich mag die Bühne, habe großen Respekt vor ihr, bin aber nicht süchtig nach ihr. Nach kreativem Arbeiten allerdings schon. Deswegen hoffe ich, dass ich das noch lange machen kann!

Michael: Gibt es eigentlich irgendeine Botschaft, die du unseren Lesern gerne mitteilen würdest?

Henni: Ich habe mal die Großmutter eines Freundes gefragt, was für sie Glück bedeute. Darauf hat sie gesagt „Glück ist, wenn im ganzen Haus die Heizung ausgefallen ist, du aber vorher soviel Erbsensuppe gegessen hast, dass du mit dene Blähunge die ganze Bude heize kannst!“  Ich finde, mehr Botschaft geht nicht!

Michael: Ich bedanke mich für dieses sehr ausführliche und teilweise auch sehr persönliche Interview und wünsche dir, deiner Familie und allen Menschen, die dir wichtig sind, Glück und Gesundheit. Ich würde mich sehr freuen dich bald mal wieder zusammen mit vielen Menschen auf deiner geliebten Bühne bewundern zu dürfen. Es ist mir auf jeden Fall eine große Freude und eine Ehre dich schon ganz zu Beginn deiner Karriere kennen gelernt haben zu dürfen. Alles Gute

Henni: Danke, das gebe ich gerne zurück! ….springt dein Knie eigentlich immer noch raus?

Michael: Seitdem meine Kniescheibe auf einem Suchbild in einer Umkleidekabine der Spielvereinigung 03 auf der Querlatte eines Tores liegt, hat sie einen sicheren Platz gefunden und kann nicht mehr herausspringen. Das übernimmt jetzt meine Schulter, aber danke für die Wünsche.

 

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