Frankfurt: Neujahrsgrußwort von Oberbürgermeister Feldmann und Stadtverordnetenvorsteherin Arslaner-Gölbasi

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Oberbürgermeister Peter Feldmann und Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner-Gölbasi © Stadt Frankfurt am Main (Foto: Frank Widmann (l), Salome Roessler (r))

Liebe Frankfurterinnen und Frankfurter, wir haben lange überlegt, wie wir diesen Neujahrsgruß beginnen. Entschieden haben wir uns für ein Wort – Dankeschön.

Denn wir haben zu danken. Pflegekräften und Ärzten, die bis zur Erschöpfung gearbeitet haben, um Corona-Kranke zu versorgen. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Alten- und Pflegeinrichtungen, die zu Zeiten stark eingeschränkter Besuchsmöglichkeiten für Bewohnerinnen und Bewohner oft die einzigen Bezugspersonen waren. Erzieherinnen und Erziehern, die unter Pandemie-Bedingungen Notversorgung geleistet haben. Lehrerinnen und Lehrern, die virtuell wie real für unsere Kinder da waren. Den zahllosen Ehrenamtlichen, die sich gekümmert haben. Allen, die zugehört haben.

Wir könnten diese Liste endlos fortsetzen. Vermutlich haben wir viele vergessen. Aber eine Gruppe –glücklicherweise die inzwischen größte Gruppe – sollte auf keinen Fall fehlen. Eine, die in der sicher wichtigen Debatte über Impf-Pflicht und Impf-Skeptiker nur allzu schnell hinten runterfällt.

Wir möchten uns bei allen bedanken, die sich haben impfen lassen.

Ohne diese schweigende Mehrheit wäre die vierte Welle zur Monsterwelle geworden. Rund 700.000 Impfungen allein in unserem Impfzentrum und durch mobilen Teams sprechen eine deutliche Sprache: Sie, liebe Frankfurterinnen und Frankfurter, haben verstanden, dass Corona keine Erfindung ist – sondern eine reale Bedrohung.

Sie haben Ihre Bedenken hintangestellt. Sie haben sich überzeugen lassen, dass eine leichte Impfreaktion nichts ist im Vergleich zu dem, was bei einer Covid-Erkrankung droht. Und dass Impfen nicht nur einen selbst schützt, sondern auch andere. Wer sich impfen lässt, zeigt Verantwortungsbewusstsein. Dass ihm das Wohl seines Gegenübers ebenso am Herzen liegt wie das eigene. Das nennt man Gemeinsinn – und er passt zu Frankfurt.

Denn Frankfurt war schon immer eine Stadt des Für- und Miteinanders. Mit starken Vereinen, starken Glaubensgemeinschaften und Kirchen – und einer engagierten Bürgerschaft. Wir haben gelernt, dass nicht Egoismus und Abschottung den Erfolg bringt, sondern Offenheit und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Wir haben verstanden, dass Vielfalt bereichert. Dass sie uns stark macht.

Wenn wir Sie nun auffordern: Bringen Sie sich ein, dann gilt das ausdrücklich für alle Frankfurterinnen und Frankfurter. Wer hier lebt, gehört dazu. Egal ob männlich, weiblich oder non-binär, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund, egal ob mit oder ohne Handicap. Jede Stimme, jede Meinung ist gleich viel wert – dieser Grundsatz gilt nicht nur bei Wahlen.

Es freut uns zu sehen, wie viele von Ihnen sich schon jetzt aktives Gehör verschaffen. Auch dadurch, dass sie Repräsentanz einfordern. Stadtverordnetenversammlung und Magistrat sind nach der Kommunalwahl diverser geworden. In den zwei Frankfurter Bundestagswahlkreise konnten sich Kandidaten durchsetzen, die nicht in Deutschland geboren wurden. Dass sie eine Mehrheit von sich überzeugen konnten, zeigt, wie offen und durchlässig wir als Gesellschaft geworden sind.

Können wir uns also entspannt zurücklegen? Leider nein. Denn es bleibt viel zu tun.

Vielen Frankfurterinnen und Frankfurtern machen die hohen Mieten zu schaffen. Gerade Familien mit kleinem Einkommen überlegen sich wegzuziehen. Das darf nicht sein. Im Gegenteil: Blickt man auf den leergefegten Arbeitsmarkt, sind wir es, die die Menschen von Frankfurt überzeugen müssen. Stadtpolizistinnen und -polizisten, Erzieherinnen und Erzieher oder Verkäuferinnen und Verkäufer werden auch anderswo gebraucht.

Auch müssen wir genau hinschauen, dass nicht am Ende die Kleinsten die Zeche für die Pandemie zahlen. Schulen und Kitas waren lange geschlossen. Das geht nicht spurlos an Kindern vorbei. Vor allem nicht an denen, die es so schon nicht einfach haben. Hier sind wir als Stadtgesellschaft gefordert. Wo können, wo müssen wir helfen?

Ein weiteres Thema, das die Frankfurterinnen und Frankfurter umtreibt, ist der Klimawandel. Dabei geht es auch um Lebensqualität. Einen Park oder eine Grünfläche um die Ecke zu haben, ist gerade für Menschen ohne eigenen Garten wichtig. Ein gut ausgebautes Radwegenetz sorgt dafür, dass man auch mit dem Drahtesel sicher von A nach B kommt. Und weniger Autoverkehr bedeutet, dass es leiser wird und die Feinstaubbelastung sinkt. Keine Frage: Verkehrswende und Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif. Aber unser Frankfurt wird zukunftsfest – und noch liebens- und lebenswerter.

Wir haben diesen Neujahrsgruß mit einem Dankeschön begonnen. Beschließen wollen wir ihn mit einer Bitte. Lassen Sie uns ein bisschen weniger darüber sprechen, was uns trennt, und ein bisschen mehr darüber, was uns eint. Das macht uns stark.

Wir wünschen Ihnen zum neuen Jahr alles Gute und viel Erfolg. Bleiben Sie gesund.

Ihre
Hilime Arslaner-Gölbasi
Stadtverordnetenvorsteherin

Ihr
Peter Feldmann
Oberbürgermeister

(Text: PM Stadt Frankfurt)

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