Keine Sanierung, kein Neubau: Münsters Hallenbad wird abgerissen

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Ein Foto aus dem Archiv, wie es wohl nie mehr entstehen wird: das Hauptbecken des Münsterer Hallenbads bei einem Schwimmwettkampf des VfL Münster. Das Bad wird nahezu sicher abgerissen. (Foto: jedö)

Das Münsterer Hallenbad wird nie wieder öffnen und ersatzlos abgerissen: Das ist nach Informationen unserer Zeitung seit Jahresende de facto beschlossene Sache. Die unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagende Hallenbad-Kommission empfiehlt den Gemeindevertretern einstimmig, das 1971 eröffnete und seit Sommer 2019 wegen Bau- und Technikmängeln geschlossene Bad weder zu sanieren noch neu zu bauen.

Dies haben in Hintergrundgesprächen mehrere Kommissionsmitglieder unabhängig voneinander und doch fast wortgleich bestätigt. Öffentlich redet darüber noch niemand, selbst Bürgermeister Joachim Schledt (parteilos) nicht. Doch am 1. Februar (Haupt- und Finanzausschuss) und 7. Februar (Gemeindevertretung) wird das Thema auch die regulären Gremien, denen Medien und Zuschauer beiwohnen dürfen, erreichen. Der zu erwartende Beschluss: Die Gemeindevertreter werden der Vorarbeit der Kommission folgen und die Freizeiteinrichtung mit Verweis auf die Kosten beerdigen.

Die Kommission bestand aus dem Gemeindevorstand, Vertretern aller vier Fraktionen (CDU, FDP, SPD, ALMA-Die Grünen) sowie „sachkundigen Bürgern“ aus Münster, die die Fraktionen hatten benennen dürfen. Nach gleichlautenden Aussagen von Teilnehmern der mehrmaligen Treffen verabschiedete die Kommission in ihrer letzten Sitzung Ende 2021 einstimmig die Empfehlung, das Hallenbad nicht mehr zu erhalten.
Dafür sprechen aus Sicht der Kommission offenbar folgende Gründe:

Wird nahezu sicher dem Erdboden gleichgemacht: das Münsterer Hallenbad. (Foto: jedö)

– Von den einst taxierten Sanierungskosten in Höhe von rund fünf Millionen Euro ist längst keine Rede mehr. Neue Kalkulationen gehen vom Doppelten oder noch mehr aus. Ein Neubau könnte gar das Drei- bis Vierfache verschlingen. Unter dem Eindruck der drohenden Investition im zweistelligen Millionenbereich, für die sich Münster massiv (zusätzlich) verschulden müsste, sehen die bislang involvierten Akteure eine Sanierung oder einen Neubau finanziell nicht mehr zu verantworten. Hinzu kämen im Falle einer Neueröffnung jährliche Betriebskosten von mehreren hunderttausend Euro, die neben Zins und Tilgung ebenfalls dauerhaft und massiv den Gemeindesäckel belasten würden. Vor diesem Hintergrund spielen auch jene zwei Millionen Euro, die das „Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Sportstätten“ für den Erhalt des Münsterer Bads in Aussicht gestellt hat (die Gemeindeverwaltung hat das Fördergeld beantragt, es ist aber noch nicht final bewilligt), keine Schlüsselrolle mehr.

– Hinzu kommen die allgemein angespannte Münsterer Haushaltslage mit den (pro Kopf gerechnet) zweitniedrigsten Gewerbesteuer-Einnahmen im Landkreis Darmstadt-Dieburg und andere Großprojekte, die die Gemeinde demnächst bezahlen muss. Dazu gehört in Zeiten explodierender Baupreise unter anderem der millionenschwere Neubau des Katholischen Familienzentrums St. Michael. Darüber hinaus braucht Münster bald einen weiteren Kindergarten, eine Seniorenwohnanlage und mehr staatlich geförderten Wohnraum. Hier könnten clevere politische Akteure auf die Idee kommen, derlei genau dort umzusetzen, wo jetzt noch das Hallenbad brachliegt und auch die Kita „Sonnenblume“ (zuvor im Jugendzentrum) interimsweise untergebracht ist.

– Mancher, der an der Entscheidung pro oder contra Hallenbad beteiligt ist, stellte sich überdies zunehmend die Sinnfrage. Von den jährlich 90.000 Besuchern des Bads kam nach Erhebungen der Gemeinde nur ein Drittel aus Münster. Die Kommune subventionierte die Freizeitstätte also in erster Linie für Nicht-Münsterer. Zudem gehen viele davon aus, dass sich die rund 30.000 Besuche von Münsterern durch Vielschwimmer auf wenige hundert Personen aufteilen. Hinzu kommt, dass sich Schulklassen und Vereine mittlerweile gen neu eröffnetes Dieburger Sportbad orientiert haben und längst nicht mehr alle in ein saniertes oder neu gebautes Münsterer Bad zurückkehren würden.

Quintessenz: Die Entscheidung der Gemeindevertreter, nach 51-jähriger Geschichte einen Schlussstrich unter das Münsterer Hallenbad zu ziehen, ist nahezu sicher nur noch eine Frage weniger Wochen. Und da das Sportbad des Dieburger Wassersportvereins festen Mietern vorbehalten ist, befindet sich das einzige verbliebene öffentliche Hallenbad im Ostkreis Darmstadt-Dieburg wohl auch auf lange Sicht in Groß-Zimmern.

(Text: jedö)

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