Kein Tabuthema mehr: Gebärmuttersenkung

Dr. Annette Dürr, Leitende Oberärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe an der Asklepios Klinik Langen. (Foto: Asklepios Klinik Langen)

Dr. Annette Dürr von der Asklepios Klinik Langen informiert

Dr. Annette Dürr, Leitende Oberärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe an der Asklepios Klinik Langen, behandelt regelmäßig Frauen, die an einer Gebärmuttersenkung leiden. Dabei stellt sie immer wieder fest, dass viele ihrer Patientinnen lange mit den Beschwerden leben, bevor sie sich ihr oder einem anderen Arzt anvertrauen. Im Interview erklärt die Expertin, wie es zu einer Senkung kommt und wie den betroffenen Frauen in Langen geholfen werden kann. Dabei verfügt die Klinik über eine 30-jährige Erfahrung in der Diagnostik und Operation der Gebärmuttersenkung.


Frau Dr. Dürr, was versteht man unter einer Gebärmuttersenkung?
Dr. Dürr: „Wie der Name schon sagt, bei einer Gebärmuttersenkung sinkt die Gebärmutter nach unten und liegt dann tiefer im Becken. Im Extremfall tritt sie sogar durch die Scheide nach außen, sodass man sie sehen kann. Normalerweise wird die Gebärmutter durch Bänder und Bindegewebe sowie die Beckenbodenmuskulatur, die als Haltestrukturen dienen, in ihrer normalen Lage gehalten. Werden diese Strukturen schwächer und erschlaffen, kommt es zu einem Absenken. Das betrifft oft auch die Harnblase sowie den Enddarm. Etwa 30-50%aller Frauen leiden im Laufe ihres Lebens darunter“.

Können Frauen rechtzeitig spüren, dass sie eine Senkung haben?
Dr. Dürr: „Viele Frauen verspüren lange Zeit keinerlei Symptome bevor es zu einem Fremdkörpergefühl in der Scheide kommt. Häufig ist dann auch die Gebärmutter mit dem Finger schon im Scheideneingang zu spüren. Oftmals kommt es dann zu sogenannten Druckgeschwüren im Bereich des Gebärmutterhalses sowie zu blutigen Ausfluss aus der Scheide. Da es bei einer Gebärmuttersenkung auch zusätzlich zu einer Senkung der Blase und des Enddarmes kommt, treten häufig auch Harnverhalt, Blasenentzündungen sowie Verstopfung oder Schmerzen beim Stuhlgang sowie vereinzelt eine Stuhlinkontinenz auf. Der totale Vorfall, bei dem die Gebärmutter von außen zu sehen ist, bleibt dabei der Extremfall“.

Gibt es bestimmte Ursachen und Risikofaktoren, die zum Entstehen dieser Krankheit führen?                                                                                                      Dr. Dürr: „Eine Gebärmuttersenkung entsteht, wenn die Bänder und Muskeln, die die Stabilität im Becken gewährleisten sollen, nicht mehr ausreichend ausgebildet sind. Es gibt einige Faktoren, die eine Senkung begünstigen. Dazu gehören Über- und Fehlbelastung des Beckenbodens durch schwere körperliche Arbeit, Druckerhöhungen im Bauchraum, Erkrankungen wie chronische Bronchitis sowie aufgrund von Verstopfung, Fettleibigkeit oder einer allgemeinen Bindegewebsschwäche“.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Geburt und Senkung?
Dr. Dürr: „Einen Zusammenhang gibt es sicherlich. Wenn die Bänder im
Beckenbereich während der Entbindung stark belastet werden, etwa, wenn es sich um ein Neugeborenes mit hohem Gewicht handelt, ist die Wahrscheinlichkeit einer Gebärmuttersenkung hoch. Ebenfalls können Verletzungen der Vagina bei der Geburt ein mögliches Risiko darstellen“.

Wenn nun die Diagnose der Gebärmuttersenkung gestellt wird, welche Behandlungs-möglichkeiten stehen Ihnen zur Verfügung?
Dr. Dürr: „Jede Behandlung wird individuell auf die Patientin zugeschnitten, dabei sind z. B. das Stadium der Erkrankung und das Alter der Patientin wichtige Kriterien. Bei leichten Formen beginnt man zunächst mit einer Beckenbodengymnastik, das sind spezielle Übungen, die die Muskulatur des Beckenbodens gezielt stärken. Manchmal können sich so leichtere Formen der Senkung ohne medizinische Eingriffe zurückbilden. Befindet sich die Patientin in den Wechsel-jahren, kann eine lokale, hormonelle Salbenbehandlung sinnvoll sein. In schweren Fällen ist eine Operation allerdings unumgänglich. Auch hier stehen verschiedenen Methoden zur Wahl. So kann eine Operation in vielen Fällen über den vaginalen Zugang, d. h. ohne Schnitte im Bauch durchgeführt werden, wobei die Beckenbodenmuskeln, die sich gesenkt haben, in ihre ursprüngliche Lage zurückversetzt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Fixierung des Scheidenendes mittels einer Bauchspiegelung. Dieses Verfahren wird vorzugsweise bei jüngeren Frauen angewandt. Die Dauer einer solchen Operation beträgt 30 – 60 Minuten und wird normalerweise unter Vollnarkose durchgeführt. Nach diesem komplikationsarmen Standardeingriff ist dann ein kurzer Krankenhausaufenthalt notwendig.

Kann man eine Gebärmuttersenkung verhindern?
Dr. Dürr: „Die Gebärmuttersenkung ist – wie schon erwähnt – keine eigenständige Erkrankung, sondern als Symptom eines schwächer werdenden Beckenbodens anzusehen. Eine ursächliche Behandlung ist daher schwer möglich. Allerdings kann man einem Gebärmuttervorfall z. B. durch regelmäßige Beckenbodengymnastik vorbeugen. Auch regelmäßiger Ausdauersport wie Schwimmen, Radfahren oder Laufen ist sicherlich hilfreich. Da auch Übergewicht ein Risikofaktor für einen Gebärmuttervorfall darstellt, sollte dies vermieden werden. Bei all diesen vorbeugenden Maßnahmen gilt es aber zu bedenken, dass diese das Risiko eines Gebärmuttervorfalls zwar minimieren, aber leider nicht grundlegend verhindern können.

(Text: PM Asklepios Klinik Langen)