Darmstadt: Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus

109
(Foto: carlosftw auf Pixabay)

OB Partsch: „Erinnern uns gemeinsam der Qualen, die Deutsche anderen Menschen zugefügt haben“

Am 27. Januar 1945 ist das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee befreit worden. Bundespräsident Roman Herzog hat 1996 dieses Datum zum jährlich wiederkehrenden Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus erklärt. Aus diesem Anlass lädt die Wissenschaftsstadt Darmstadt für Donnerstag, 27. Januar, zu einer digitalen Veranstaltung ein, in der aller Menschen gedacht wird, die den von Deutschen während des Nationalsozialismus verübten Verbrechen zum Opfer fielen. Die Veranstaltung wird auf der städtischen Homepage www.darmstadt.de verankert und an diesem Tag dort ab 11 Uhr abrufbar sein.

„Das Leid, das den Menschen zugefügt wurde, ist – im Wortsinn – unermesslich. Dies gilt sowohl für die schiere Zahl der Opfer als auch für das Ausmaß dessen, was jedem einzelnen von ihnen angetan wurde, von der Ausgrenzung aus dem Kreis seiner Mitmenschen über Entrechtung, Ausraubung bis zur Deportation, zu den Qualen der Ghettos, zur Grausamkeit der Lager, schließlich zur Perfidie des nahezu industriellen Tötens“, betont Oberbürgermeister Jochen Partsch. „Die Erschütterung darüber lässt nicht nach, und der Schrecken, zumal in den Familien der Betroffenen, pflanzt sich über die Generationen fort. Gerade deshalb aber sind Gedenktage nötig – sie machen es nötig und möglich, innezuhalten und sich gemeinsam des Getanen und Erlittenen zu vergewissern. ,Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen‘, hat der italienische Autor Primo Levi geschrieben, selbst ein Auschwitz-Überlebender. Das Gedenken an solchen Tagen ist daher zugleich Mahnung, sich gegenwärtiger Formen von Rassismus und Antisemitismus bewusst zu sein.“

Im Mittelpunkt des Programms steht nach der Ansprache von Oberbürgermeister Jochen Partsch ein Beitrag der Gruppe „Schüler und Schülerinnen gegen das Vergessen“ an der Darmstädter Lichtenbergschule. Sie präsentieren ihre Zusammenarbeit mit dem französisch-europäischen Projekt im Mémorial de la Shoah in Paris über die Opfer des Deportationszuges Convoi77 von Drancy/Paris nach Auschwitz-Birkenau und erläutern das mit der Darmstädter Illustratorin Ka Schmitz erstellte Kapitel über Fanny Azenstarck (1921 – 2009) in der jüngst erschienenen eindrucksvollen Comic-Anthologie „Nächstes Jahr in…“. Musikalisch abgerundet wird die Veranstaltung von Megan Marie Hart, die Lieder von Erich Wolfgang Korngold aus dem Zyklus op. 22 singt; das Orchester des Staatstheaters unter Leitung von Daniel Cohen spielt zudem die Ouvertüre zu „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart.

(Text: PM Wissenschaftsstadt Darmstadt)

3 Kommentare

  1. Was für eine schöne Überraschung das ist! Ich habe in Darmstadt studiert und bin jetzt wieder in meiner Heimat. Megan Marie Hart habe ich in einem open air Konzert erleben können, so eine wahnsinnig gute Sängerin hatte Darmstadt in meiner ganzen Studienzeit nicht gehabt!!

  2. Zu Ihrer Frage was Don Giovanni mit dem Judentum zu tun hat, Annika: Der Dirigent Daniel Cohen ist Israeli. Da hört der Zusammenhang aber schon wieder auf. Ich vermute, er wollte keine jüdischen Werke mit dem Staatsorchester einstudieren, “nur” für den Holocaust Remembrance Day. Herr Cohen scheint sich generell nicht für das Judentum oder gegen Antisemitismus zu engagieren. Zu den darmstädter Veranstaltungen zum Festjahr “1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland” hat er jedenfalls (bislang) keinen Beitrag gebracht.

Hinterlasse eine Antwort

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Name bitte hier reinschreiben