Gemischtes Votum zum Abriss des Münsterer Hallenbads

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Ein Foto aus einer Zeit, als im Münsterer Hallenbad noch Wassersport betrieben wurde: Es zeigt eine Szene vom Schülertriathlon des VfL Münster mit vielen Zuschauern am Hauptbecken. Eine Sanierung des Baus von 1971 würde acht bis zehn Millionen Euro kosten. (Foto: jedö)

Mehrheit von CDU und FDP dafür, ALMA-Die Grünen enthalten sich / SPD hofft noch auf Sanierung, will die Kommissionsdokumente veröffentlichen und sieht „Wahrscheinlichkeit eines Neubaus bei nahe null Prozent“

Die Sitzung des Münsterer Haupt- und Finanzausschusses wartete am Dienstagabend beim Tagesordnungspunkt Hallenbad mit zwei Überraschungen auf: Zum einen interessierten sich mit kaum 20 Zuhörern unerwartet wenige für das (scheinbare) derzeitige Megathema der Gersprenzgemeinde; zum anderen gaben die Ausschussmitglieder von CDU, FDP, ALMA-Die Grünen und SPD ein gemischtes Votum ab, als es um den Beschlussvorschlag für die Gemeindevertreter-Sitzung nächsten Montag (7. Februar, 19 Uhr, Kulturhalle) ging. Erst das Nachhaken im Anschluss an die Sitzung klärte dies auf.

Denn die Vertreter aller vier Fraktionen verzichteten am Dienstag auf eine inhaltliche Debatte, wie sie im Ausschuss sonst üblich ist. Dies dürfte allerdings am kommenden Montag – wenn womöglich auch ein größeres Publikum beiwohnen wird – ausgiebig nachgeholt werden. Die CDU etwa kündigte in Person von Ausschussmitglied und Fraktionschef Thorsten Schrod genau das an. Durch den Verzicht auf Stellungnahmen blieben die Gründe für das Votum des Ausschusses zunächst nebulös.

Der Beschlussvorschlag, zur Abstimmung gestellt nach einer Präsentation des parteilosen Bürgermeisters Joachim Schledt zur Arbeit der Hallenbad-Kommission und ihrer Erkenntnisse hinsichtlich der Sanierungsfrage (siehe weiteren Text), lautete: „Die Gemeindevertretung beschließt, auf eine Sanierung des Hallenbades zu verzichten, da eine Sanierung als nicht wirtschaftlich sinnvoll erachtet wird. Sofern ein Hallenbad gewünscht ist, muss über einen Neubau nachgedacht werden.“

Diesen Vorschlag hatte die Kommission, der Vertreter aller Fraktionen, der Gemeindevorstand und „sachkundige Bürger“ angehört hatten, einstimmig unterbreitet – also auch mit Stimmen von ALMA-Die Grünen und SPD. Der ALMA-Vertreter im Ausschuss enthielt sich am Dienstagabend jedoch. Die beiden SPD-Vertreter stimmten gar gegen den Vorschlag. Mit den drei Stimmen der CDU und der einen der FDP wurde er letztlich zum Beschluss durch die Gemeindevertreter empfohlen, aber eben nur knapp.

Die ALMA-Position erläuterte nach der Sitzung Julian Dörr: „Wir hatten innerhalb der Fraktion vereinbart, dass wir die Präsentation des Bürgermeisters und eine eventuelle Diskussion noch mal abwarten und uns deshalb enthalten wollten.“ Generell sei man aber „schon eher auf der Seite, dass wir in das alte Bad nicht noch mal acht bis zehn Millionen Euro versenken wollen“. Eine Rolle spielten auch noch die Hallenbad-Anträge von SPD und CDU, die am kommenden Montag ebenfalls auf der Tagesordnung stehen.

Auf den eigenen Antrag verwies nach der Ausschusssitzung für die SPD auch Christian Steinmetz und erläuterte damit die Nein-Stimmen seiner Fraktion. Die Genossen werden nächsten Montag die Veröffentlichung der Dokumente der Hallenbad-Kommission beantragen. „Wir hoffen darauf, dass dadurch engagierte Bürger innovative Ideen entwickeln und es möglicherweise noch eine Alternative bezüglich der Sanierungsmöglichkeiten gibt.“ Diese Chance wolle man „unbedingt nutzen, bevor das Hallenbad in Münster stirbt“. Denn die SPD glaube nicht an einen Ersatz für das aus 1971 stammende Bestandsgebäude: „Aus unserer Sicht ist die Wahrscheinlichkeit eines Neubaus bei nahe null Prozent.“

(Text: jedö)

 

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