Geplante Wohnbebauung am Werlacher Weg in Münster

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Den kleinen Mischwald am Werlacher Weg mit den teils mehr als 40 Jahre alten Bäumen wollen die Anwohner der benachbarten Heinrich-von-Kleist-Straße auch nach einem Gespräch mit dem Bürgermeister noch nicht aufgeben. (Foto: jedö)

Bürgermeister Schledt lehnt Anwohner-Angebot ab, das vor der Abholzung stehende Wäldchen zum Grünflächen-Preis zu verkaufen

Die von Bürgermeister Joachim Schledt (parteilos) und den Gemeindevertretern gewünschte und durch letztere auch beschlossene Innenverdichtung am Werlacher Weg ist auf deutlichen Protest der Anwohner der benachbarten Heinrich-von-Kleist-Straße gestoßen (wir berichteten). Grund ist vor allem die drohende Abholzung eines jahrzehntealten Wäldchens mit mehreren Dutzend Bäumen auf dem 4.100 Quadratmeter großen Areal. Nun haben sich Anwohner mit Schledt, einer Mitarbeiterin der Münsterer Bauverwaltung und einem Vertreter der NABU-Ortsgruppe zum Gespräch getroffen.

Für die Anwohner berichtet Erich Huther von einem „konstruktiven Austausch. Positiv war, dass sich der Bürgermeister Zeit genommen, zugehört, erklärt und auch Verständnis gezeigt hat.“ Schledt bestätigte die sachliche Auseinandersetzung mit den Plänen für die gemeindeeigene Fläche, die den gegenwärtig vielerorts schwelenden Konflikt „Naturschutz contra Wohnraum-Schaffung“ wie unterm Brennglas zeigen. Zumal der kleine Mischwald mit seinen teils mehr als 40 Jahre alten Bäumen im Vergleich mit einer Wiese oder einem Acker ein besonders wertvolles Biotop darzustellen scheint, auch mit Blick auf die Bindung von Kohlendioxid.

Schledt machte einerseits deutlich, dass die Vernichtung des Wäldchens zugunsten neuer Wohnhäuser von den Fraktionsmitgliedern von CDU, FDP, SPD und ALMA-Die Grünen gleichermaßen in die Wege geleitet worden sei. Besonders von der ALMA, die sie am stärksten im Naturschutz verortet hatten, sind die Anwohner enttäuscht. Andererseits gestand Schledt ein, dass auch er selbst ein Anhänger davon sei, aus der Grünfläche am Werlacher Weg die Erweiterung des bestehenden Wohngebiets zu machen. „Wir haben sowohl einen starken Bedarf an Wohnraum in Münster als auch an Naturschutz-Flächen. Am Werlacher Weg ist aber unsere letzte Fläche zur Innenverdichtung.“ Dieses Potenzial zu heben sei besser, als am Ortsrand zu expandieren – eine Position, die vom Grundsatz her auch der NABU-Vertreter teilte. Wobei sich Münster mit dem Baugebiet „Im Seerich“ gerade auch massiv in die Peripherie ausdehnt und CDU und FDP durch ihren Beschluss für ausschließliche Gewerbeansiedlung auf dem Frankenbach-Gelände eine andere Option auf neuen Wohnraum in der Kommune bewusst nicht gezogen haben. Eine Position, die auch Schledt teilt.

Klare Absage für Anwohner-Angebot

Einem Angebot der Anwohner, die das Wäldchen hinter ihren Gärten von der Gemeinde gepachtet und öko-infrastrukturell (zum Beispiel mit Nistkästen, Totholzhaufen, Insektenhotels und Igelburgen) bereichert haben, erteilte Schledt beim Treffen eine klare Absage: Sie hatten angeboten, der Gemeinde die Fläche zum Grünflächen-Preis abzukaufen. „Ich wäre mit dem Klammersack gepudert, wenn ich das Grundstück zum Grünflächen-Preis von 2,60 Euro statt bei Wohnbebauung für rund 400 Euro pro Quadratmeter verkaufen würde“, verhehlte der Bürgermeister nicht, dass es auch um eine kräftige, sicher siebenstellige Einnahme für die finanzschwache Gemeinde geht.

Für die Anwohner betonte Erich Huther, dass man auch die Position der Gegenseite nachvollziehen könne. In Sachen Transparenz im Vorfeld weitreichender Entscheidungen von Verwaltung und Gemeindevertretung hätten Rathaus und Parteien aber noch Nachholbedarf: „Rechtlich gesehen ist alles korrekt gelaufen. Über die Kommunikation und Einbindung, der tangierten Bürger lässt sich diskutieren. Hier hätten wir eine rechtzeitige Information besser gefunden.“ Stattdessen hatten die Anwohner erst aus der Zeitung erfahren, dass in ihrer Nachbarschaft bald gerodet, versiegelt und gebaut werden soll.

Endgültig mit dem Aus für das Wäldchen – was die Anwohner auch im Widerspruch zu sonstigen ökologischen Bemühungen der Gemeinde wie die Einstellung eines Klimaschutz-Managers, Grünflächen-Patenschaften und Baumpflanzungen sehen – wolle man sich aber nicht abfinden, stellte Huther heraus. „Wir haben aus meiner Sicht noch Chancen und müssen am Ball bleiben.“ Man wolle nun gezielt die Flora und Fauna des Wäldchens in den verschiedenen Jahreszeiten dokumentieren und aktiv werden, sobald der Entwurf des Bauleitplans öffentlich ausgelegt wird. Der Münsterer versprach: „Wir werden weiter um den Bestand des Wäldchens und den Erhalt dieses kleinen schützenswerten Gebiets kämpfen.“

(Text: jedö)

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