Verliebt, verlobt … verrechnet

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verliebt

Oskar Bulheim lebt gemütlich in der Metropole Bickenbach. Die Gemeinde südlich von Darmstadt ist bekannt, da fährt jeder gern mal vorbei. Er verlor früh seine Eltern und wurde über lange Jahre von seiner in Australien lebenden Tante großzügig unterstützt. Oskar schrieb ihr, er studiert und wäre verlobt und alles ist in bester Ordnung. Wenn es die Wahrheit wäre. Aber solange die Tante in Australien bleibt, ist alles in Bester Ordnung. Doch jetzt hat er ein Problem: Oskar spielte seiner Tante ein perfektes Leben vor, welches diese auch großzügig finanziert: das „ausgezeichnete Studium“ entspricht nicht ganz der Wahrheit, die Verlobte ist eigentlich die Haushälterin und die Jobaussicht bleibt eine Aussicht. Und nun hat sich die Tverliebt ante zu Besuch angemeldet. Was tun? Als erstes: Panik schieben.

Wozu hat man allerbeste Freunde? Andreas Sander ist so einer. Oskar benötigt dringend eine verlobte. und Andreas will ihm aus der Patsche helfen. Er bittet seine Schwester Julia um einen etwas außergewöhnlichen Gefallen. Sie soll zum Schein die Verlobte seines Kommilitonen Oskar Bulheim spielen. Da der Mann mit dem Plan B sie zu oft in Bedrängnis gebracht hat, wenn er seine Schwester um einen “Gefallen” bat, lehnt sie zunächst ab. Schließlich lässt sie sich breit schlagen und stimmt zu. Herrschte bislang nur sanfte Panik, greift das Chaos nun voll um sich.

Die beiden Geschwister wollen die Verlobung geheim halten. Aber die Eltern bekommen alles mit. Vor einer Mutter kann man nichts verheimlichen. Julchen, deren “Ich heiße Julia” sich als Running Gag durch das ganze Stück zieht, hätte im Traum nicht daran gedacht, wie ihre Eltern darauf reagieren. Mama ist vollauf begeistert, kann sie jetzt endlich auf Enkelkinder hoffen. Die Mama, praktisch veranlagt, organisiert sofort eine große Verlobungsparty und lädt die ganze Verwandtschaft ein. Wenn Oskar Julia seiner Tante vorstellt, sollen alle dabei sein. Kurzes Aufatmen bei Oscar, Julia und Andreas. Tante Margret verschiebt kurz vor der Feier ihr Kommen um zwei Wochen. Fertig mit Aufatmen. Was sollen Andreas, Julia und Oskar jetzt tun? Die Eltern sind erwartungsfroh, alle Gäste haben kurzfristig für die große Verlobungs-Gartenparty zugesagt.

Um das Chaos zu beherrschen, muss das Projekt durchgezogen und diese Angelegenheit schnell hinter sich gebracht werden. Plan B kommt in Einsatz und steigert sich schnell zu C, D … Oskar engagiert seine Haushälterin Frau Heinzelmann als Tante Margret umfunktioniert. Das Fest kann also beginnen. Die Störfaktoren sind jedoch: Uschi, die Freundin von Julia, die Oskar sehr sympathisch findet, Jugendfreund Alexander, gerade aus Amerika zurück ist eifersüchtig auf Oskar, Julia ist abweisend zu Alexander, Marion, von Andreas schwanger, Katja, eigentlich Katharina, findet Gefallen an Oskars Chef …

Lasset die Spiele beginnen.

Die erste Aufführung der Bickenbacher Spielgemeinschaft 1946 zeigte sich nach zwei Jahren von ihrer besten Seite. Zwar hapert es immer noch bei der Textsicherheit, die Souffleuse hatte gut zu tun. Doch je weiter weg man von der Bühne saß, desto weniger fiel es auf.

Soweit der heitere Schwank, den die Akteure auf der Bühne der Bickenbacher Spielgemeinschaft 1946 aufführte und sie hatten viel Spaß, der sich auf das Publikum übertrug. Man lachte viel, freute sich über das Ungemach der Hauptakteure und war gespannt, wie die Geschichte ausgeht. Es war ein unterhaltsamer Abend und mehr verlange ich nicht von einer Aufführung. Die Regie von Manuela Fetzer setzt ganz auf die Mittel des Volkstheaters. Slapstick, heftige Wortwechsel durch Situationskomik, Stolpereinlagen und Trunkenheit. Es entsteht Sommerfestatmosphäre mit guten Freunden, Nachbarn und schrulligen Tanten auf der kleinen Terrasse. Mit großer Spielfreude und von Herzen chargieren die Akteure, und damit macht das Ensemble seinem Namen Ehre und den Zuschauern eine große Gaudi.